Was es bei Übersetzungsverträgen im Verlagswesen zu beachten gilt

Bei Übersetzungsverträgen handelt es sich um eine Mischung aus einem Werk- und Lizenzvertrag. Dabei gibt es einige wichtige Punkt zu beachten. Sowohl für den Übersetzer als auch für Verlage und Autoren können sich ansonsten unliebsame Überraschungen ergeben. Ein kurzer Überblick.

Übertragung der Nutzungsrechte

Nach § 3 Satz 1 UrhG genießen auch Übersetzungen von urheberrechtlich geschützten Werken selbst urheberrechtlichen Schutz. Einem Übersetzer stehen damit zunächst einmal die ausschließlichen Nutzungsrechte an seiner Übersetzung zu. Mit der werksmäßigen Übersetzung geht also für den Verlag notwendigerweise zugleich auch eine Lizensierung zum Erwerb der Nutzungsrechte einher.

Die entsprechenden Vertragsklauseln sollten dabei ganz genau auf die einzelnen Nutzungsrechte eingehen. So sind neben der Verwertung der Übersetzung als gebundenes Buch zumeist auch Taschenbuch-, e-Book-, und Sonder-Ausgaben umfasst. Doch auch viele weitere Nutzungen sind häufig anzutreffen. Beispielsweise die Vertonung als Hörbuch oder auch das Recht zur Bearbeitung als Bühnenstück.

Für alle diese Rechte gilt, dass sie räumlich und zeitlich begrenzt werden können. In diesem Bereich sind jedoch unbeschränkte und ausschließliche Rechteübertragungen die Regel. Davon unbenommen kann aber auch ein Rückrufrecht nach § 41 UrhG vereinbart werden, falls der Verlag keinen weiteren Gebrauch von der Lizenz macht.

Honorar, Abrechnung und besondere Vergütung

Und auch bei der Festlegung des Honorars können verschiedene Konstellationen gewählt werden, von einem Pauschalbetrag über eine zeitliche bis zu einer textlängenabhängigen Vereinbarung ist vieles denkbar. Wichtig ist aber bereits dabei, dass gerade bei längeren Texten eine Abrechnung zu verschiedenen Zeitpunkten möglich ist. Beispielsweise nach jedem Drittel Zug um Zug gegen den bisher übersetzten Text.

Bei bestimmten Verkaufserfolgen werden zumeist weitere Vergütungen vereinbart. Auch hier kann sowohl pauschal als auch anteilig gerechnet werden. Wobei bei pauschalen Boni verschiedene Absatzhöhen berücksichtigt werden sollten und bei anteiligen Boni festgelegt sein muss, von welchem Preis der Anteil berechnet wird (z.B. Nettoladenverkaufspreis oder Nettoverlagsabgabepreis).

Soweit sich aus den verschiedenen abgetretenen Nutzungsrechten weitere Gewinne für den Verlag ergeben können noch weitere, zumeist anteilige, Vergütungen vereinbart werden.

Weitere Vereinbarungen

Wichtig, vor allem für den Übersetzer, sind darüber hinaus oftmals Prüf- und Informationsrechte. So muss der Verlag den Übersetzer häufig über das geplante Verramschen oder Makulierung unterrichten. Aber auch die Pflicht des Verlags, dem Übersetzer alle notwendigen Informationen zukommen zu lassen, die er für die Wahrnehmung seiner Interessen durch eine Verwertungsgesellschaft (z.b. die VG Wort) benötigt, sind häufig Teil dieser Vereinbarungen.

Dazu kommen weitere Vereinbarungen, beispielsweise über Freiexemplare oder Rabatte für den Übersetzer. Daneben auch das Recht auf Namensnennung in allen Ausgaben und Unterrichtung über Rezensionen.

Individuelle Beratung

Auch für Übersetzerverträge ergeben sich einige Sonderfälle in denen die Vertragsgestaltung von üblichen Mustern abweicht. Gerade bei einer Mehrzahl von Übersetzern wird die Vertragsgestaltung nochmals verkompliziert. Aber auch so ergeben sich einige Punkte in denen eine individuelle Beratung und Prüfung von Verträgen sinnvoll ist.


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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