Interviewvertrag / Interviewvereinbarung

Interviews gehören in der heutigen Medienlandschaft zum täglichen Geschäft. Die Ziele und Gründe von Interviews können vielfältig sein. Für Interviewer besteht – abhängig von der mit der Veröffentlichung angesprochenen Zielgruppe – ein Interesse an Sachinformation oder privaten Informationen. Interviewpartner verfolgen meistens das Ziel die Außenwirkung der eigenen Person gezielt zu positionieren. Das Interesse der Leser, Hörer oder Zuschauer an informativen, persönlichen und bestenfalls authentischen Äußerungen von Personen, Prominenten, Politikern, Unternehmen oder Behörden ist nachvollziehbar. Medienvertreter jeglicher Publikationsformen versuchen das Interesse der Leser durch entsprechende Gespräche zu befriedigen.

Oftmals klaffen die Interessen der an einem Interview beteiligten Personen auseinander. Der Interviewer möchte möglichst detaillierte und wenn möglich exklusive Informationen aus erster Hand, um einen entsprechenden Absatz des eigenen Produktes zu erreichen. Bei der späteren Ausarbeitung des Interviews möchte dieser zudem seine journalistische Freiheit nutzen und das geschriebene oder gesprochene Wort auf seine Art verwerten. Der Interviewpartner hingegen möchte selbst entscheiden über welche Bereiche des Lebens oder Schaffens gesprochen wird und in welcher Form und welchem Ausmaß das Interview veröffentlicht wird. Diese widerstreitenden Interessen müssen in Einklang gebracht werden, um sowohl die Urheber- und Persönlichkeitsrechte eines Interviewpartners vor rechtswidrigen Eingriffen zu schützen, als auch die Glaubwürdigkeit des journalistischen Genres zu erhalten.

Ein Interviewvertrag hilft im Vorfeld die Spielregeln des Interviews zu bestimmen.

Interviewvereinbarung von Journalisten

Journalisten sollten sich vor Beginn eines Interviews die nötigen Rechte wie das Recht auf Aufzeichnung des Gespräches und der nachfolgenden Veröffentlichung zusichern lassen. Für das erteilte Einverständnis ist der Journalist bzw. Verwender des Interviews beweispflichtig. Das Einverständnis sollte somit zur Sicherheit auf der Tonbandaufnahme vor dem Interview gespeichert werden.

Interviewvereinbarung von Interviewpartnern

In Zeiten, in denen Journalisten teilweise immer hartnäckiger und fordernder das nächste exklusive Thema oder die nächste schlagzeilenträchtige Äußerung suchen und Interviews als Werbemaßnahme immer beliebter werden, versuchen potentielle Interviewpartner im Vorfeld immer häufiger eigene Interviewverträge mit Pressevertretern zu schließen. Damit schützen sich Interviewpartner vor Eingriffen in die eigenen Persönlichkeitsrechte und haben die Möglichkeit die Darstellung ihrer Person in der Öffentlichkeit möglichst genau zu steuern.

Der Inhalt entsprechender Interviewvereinbarungen kann in der Tiefe differieren. Abhängig davon mit welchem Pressevertreter gesprochen wird und welchen Ruf das Presseerzeugnis innehat, sind unterschiedliche Schutzmaßnahmen sinnvoll. Folgende Schutzmaßnahmen sind möglich: Das Autorisierungsverlangen, das eingeräumte Recht auf nachträgliche Änderung des Interviews, das Zuschicken der Fragen im Vorfeld des Interviews oder das Recht auf Rücknahme der Zusage zur Veröffentlichung. Ebenso kann die Art der Verwertung des Interviews eingeschränkt bzw. ihr Ausmaß genau geregelt werden oder können bestimmte Themen vertraglich ausgeschlossen werden.

Vor- und Nachteile einer Interviewvereinbarung

Im Konflikt der widerstreitenden Interessen von Interviewer und Interviewpartner muss im Auge behalten werden, dass nur wenige Journalisten versuchen die Aussagen des Interviewpartners zu verfremden oder dessen Sinngehalt zu ändern. Die meisten Journalisten halten sich an die Regeln eines fairen Journalismus. Demgegenüber werden auch die meisten Interviewpartner nicht mit aller Macht versuchen die journalistische Freiheit des Fragestellers einzuschränken. Die beste Grundlage für ein authentisches und faires Gespräch bleibt ein grundlegendes Vertrauensverhältnis. Ein Interview sollte nicht zur Farce werden, in dem Fragen zuvor mitgeteilt werden und der Interviewpartner vor Veröffentlichung so viele Änderungswünsche anmeldet, dass letztlich nur noch wenig vom eigentlichen Gespräch im fertigen Interview übrig bleibt.

In vielen Konstellationen kann der Abschluss einer Interviewvereinbarung dennoch sinnvoll sein. Gründe können negative Erfahrungen des Interviewpartners mit Vertretern eines bestimmten Verlages sein oder die Bedeutung der gesellschaftlichen Stellung des Interviewpartners. Mögliche weitreichende finanzielle, wie gesellschaftliche Konsequenzen der Veröffentlichung eines Interviews, das nicht der journalistischen Ethik entsprechend angefertigt wurde, rechtfertigt die vorherige Unterzeichnung einer ausführlichen Interviewvereinbarung. So besteht Klarheit auf Seiten beider Gesprächspartner und insgesamt eine solide Grundlage für ein Interview. Sollten dem Interviewer die Forderungen des Interviewpartners zu weit gehen, kann er immer noch Abstand vom Interview nehmen.


Nur durch eine vorherige Prüfung lassen sich negativ Folgen vermeiden. Hierbei helfen wir Ihnen! Unser Expertenteam um Rechtsanwältin Rafaela Wilde steht Ihnen unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) gerne für eine erste Einschätzung zur Verfügung.


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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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