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„Hä?-Videoclip“ auf YouTube führt zu zahlreichen Abmahnungen

Wegen der Verwendung eines kurzen Videoclips aus einem Sat1-Interview aus dem Jahr 2014 werden zurzeit viele YouTuber abgemahnt. Der junge Mann in dem 1-sekündigen Videoclip, der auf eine Frage verwirrt mit „Hä?“ antwortet, fordert die Benutzer dieses Clips zur Unterlassung auf und macht darüber hinaus Schmerzensgeldansprüche sowie Abmahnkosten geltend. Wir helfen Abgemahnten.

2014 zeigten die Sat1-Nachrichten ein Straßeninterview. Darin wird unter anderem ein junger Mann interviewt, der auf eine Frage des Journalisten unwirsch mit dem Laut „Hä?“ antwortet. Allein dieser einsekündige Videoclip verbreitete sich wenig später in den Medien wie ein Lauffeuer und amüsierte unzählige Zuschauer. Auf YouTube ist er zahlreich zu finden. Wahrscheinlich aber nicht mehr allzu lange.

Während der Clip für viele YouTuber nur ein unterhaltsames Mittel ist, um die eigenen Videos auszuschmücken, sieht sich der junge Mann dadurch in seinem Recht am eigenen Bild und seinem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Mithilfe einer Frankfurter Medienkanzlei mahnt er nun, mehr als vier Jahre später, zahlreiche YouTuber ab, die den Clip zur Untermalung in ihren Videos verwenden.

Die Abmahnung ist ein außergerichtliches Instrument, in dem der Abgemahnte dazu aufgefordert wird, den Clip in Zukunft nicht mehr zur Schau zu stellen oder zu verbreiten. Zu diesem Zweck soll der Abgemahnte eine Unterlassungserklärung abgeben. Für den Fall der Zuwiderhandlung muss der Abgemahnte dem Abmahnenden eine so genannte Vertragsstrafe zahlen. Ist die Abmahnung berechtigt, müssen die angefallenen Rechtsanwaltskosten für die Abmahnung vom Abgemahnten erstattet werden.

Wie ist der rechtliche Rahmen in solchen Fällen?

In Fällen wie diesen treffen die Interessen der abgebildeten Person auf die der Nutzer dieser Bilder oder Clips. Sofern eine Einwilligung für die spezifische Verwendung vorliegt, haben die Nutzer in der Regel keine weiteren Schritte zu befürchten. Problematisch wird es, wenn eine Einwilligung nicht vorliegt und diese nicht ausnahmsweise entbehrlich ist.

Für die abgebildeten Personen kommt ein Unterlassungsanspruch wegen einer Verletzung des Rechts am eigenen Bild aus allgemeinem Zivilrecht in Verbindung mit Kunsturhebergesetz (KUG) in Betracht. Das KUG fordert nämlich, dass Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen.

Das KUG sieht aber auch Ausnahmen von dem Erfordernis der Einwilligung vor: So dürfen „Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte“ auch ohne Einwilligung des Abgebildeten zur Schau gestellt oder verbreitet werden. Wann ein Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte vorliegt, ist eine Frage der Abwägung zwischen dem Recht am eigenen Bild und einem Informationsinteresse der Allgemeinheit.

Eine weitere Ausnahme ist für Fälle vorgesehen, in denen die Verbreitung oder Schaustellung von Bildnissen „einem höheren Interesse der Kunst dient“. Hier muss die Kunstfreiheit der Nutzer, also beispielsweise der YouTuber, gegenüber dem Recht am eigenen Bild der abgebildeten Person abgewogen werden.

Ein weiterer Unterlassungsanspruch ist in diesen Konstellationen aus allgemeinem Persönlichkeitsrecht denkbar. Auch hier ist die Frage der Berechtigung des Unterlassungsanspruchs durch Abwägung der Kunstfreiheit und dem Informationsinteresse der Allgemeinheit auf der einen Seite und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht auf der anderen zu klären.

In besonders schwerwiegenden Eingriffen in das allgemeine Persönlichkeitsrecht können vom Verletzten auch Schmerzensgeldansprüche geltend gemacht werden. Dieser Anspruch ist jedoch an sehr enge Voraussetzungen geknüpft. Ob und gegebenenfalls in welcher Höhe ein Schmerzensgeldanspruch besteht, ist für jeden Fall gesondert zu bewerten.

Wir beraten Sie gerne – Nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung

Die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE ist auf genau solche Schreiben spezialisiert. Wir prüfen für Sie in einem ersten Schritt die Erfolgsaussichten eines Vorgehens gegen die Forderungen. Zudem prüfen wir genau, ob Angriffspunkte gegen die geltend gemachte Schadensersatzhöhe bestehen und versuchen die Forderungen bestmöglich zu reduzieren.

Rufen Sie uns einfach unter der Telefonnummer 0221 / 9688 8169 65 an oder senden Sie uns Ihr Anliegen per Email an info@wbs-law.de.

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