gewerblicher Rechtsschutz

Devil´s Horn – KISS-Bassist Gene Simmons will sich Rock-Geste sichern lassen

KISS-Bassist Gene Simmons wollte sich die weltberühmte Rockergeste Devil´s Horn vor dem New Yorker US Patent and Trademark Office (USPTO) sichern lassen. Damit hätte bei jeder kommerziellen Nutzung verdient. Nun zog er allerdings wenig überraschend den Antrag wieder zurück.

KISS- eine der wohl berühmtesten Rockbands der Musikgeschichte. Nahezu jeder wird den Band-Namen, den unverwechselbaren Band-Schriftzug oder die stets geschminkten Gesichter der Band-Mitglieder kennen. Songs wie „I was made for Lovin´you“ oder „Rock and Roll all nite“ gehören zweifelsohne zu Hymnen der Musikgeschichte. 1973 gegründet, verkauften KISS im Laufe der Jahre über 100 Millionen Alben und gehören damit in den Olymp der Rockbands.

Von Llann Wé² – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0Von Llann Wé² – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Stars und ihre Allüren – Auch Gene Simmons bekannt für Extravaganz

Das manch ein berühmter Rockstar bei all dem Ruhm hin und wieder Starallüren entwickelt und an den Tag legt, kommt vor. So bestellte der berühmte Maler Salvador Dali einst zwei Schafe in seine Pariser-Hotelsuite. Der Grund: Er hatte Lust, auf diese mit seinem Revolver zu schießen. Die US-Sängerin Jennifer Lopez, so sagt man, verlangt von Hotels stets alles komplett in Weiß zu halten. Neben Möbeln und Wänden müssen auch Boden und Blumen in Weiß gehalten werden. Anders der kürzlich verstorbene Sänger Prince. Dieser schickte einem Londoner Nobelhotel vorab eine Wunschliste, die es ebenfalls in sich hatte: Sein Zimmer sollte nicht Lopez-Weiß, sondern im Gegenteil, schwarze Wände, schwarze Möbel und schwarze Vorhänge haben. Sogar schwarze Kerzen verlangte der bekennende Exzentriker.

Dass auch KISS-Bassist Gene Simmons (gebürtiger Name Chaim Witz, dann umbenannt in Eugene Klein und dann in Gene Simmons) nicht unbedingt zu den auf dem Boden gebliebenen Rockstars zählt, ist hinlänglich bekannt. Seine überaus lange Zunge wurde zu einem von Simmons Markenzeichen. Sein Motto: „Heirate erst, wenn du dir eine Scheidung leisten kannst – die Hälfte von wenig ist zu wenig.“ Bereits in seinem Buch „So wird man Rockstar & Millionär“ stellte Simmons fest: „Ich bin die Marke.“ Seine Band KISS habe das Konzept entwickelt, dass eine Rockgruppe eine Marke sein kann. Vor diesem Hintergrund erscheint der aktuelle Vorstoß von Simmons nachvollziehbar. Zumindest aus seiner Sicht.

Antrag von Gene Simmons

Simmons Erfinder des Devil´s Horn?

Denn Anfang Juni 2017 stellte der mittlerweile 68-Jährige Simmons beim US-Patentamt in New York (US Patent and Trademark Office, USPTO) einen Antrag auf Sicherung der Rechte an der berühmten und seit Jahrzehnten auf Rockkonzerten verwendeten Handgeste Devil´s Horn (Nummer 87482739). Der Hintergedanke dabei dürfte klar gewesen sein: Simmons will verdienen, wenn jemand die Geste kommerziell nutzt. Sollte also ein Künstler die Geste auf der Bühne zeigen, dürfte er künftig Post von Simmons Anwälten erhalten und zahlen müssen. Kaum vorstellbar. Oder doch?

Mit der kuriosen Idee steht er jedenfalls nicht alleine da. So wollten sich sowohl Google als auch Gareth Bale, seines Zeichens Profifußballer bei Real Madrid, die sog. Herz-Hand-Geste patentieren lassen, eine Geste bei der man mit beiden Händen ein Herz formt.

In Deutschland ist die unter Rockfans bekannte Devil´s Horn-Geste übrigens auch unter dem Begriff Pommesgabel geläufig. Das Erkennungszeichen – Daumen vor den Fingern, Zeigefinger und kleiner Finger weit abgespreizt, Mittelfinger und Ringfinger nach unten, verstehen und kennen Rockfans auf der ganzen Welt.

Gene Simmons wollte die Geste in einer leicht abgeänderten Form sichern lassen. Bei der Devil´s Horn-Variante von Simmons liegt der Daumen nicht vor den Fingern, sondern er ist nach außen gestreckt. Simmons stützt seine Ansicht darauf, dass er

selbst der erste gewesen sein soll, der die Geste, wohl nach eigener kreativer Überarbeitung der Urform, benutzt habe und zwar bereits zu Beginn der Tour zum zweiten KISS-Album Hotter Than Hell im Jahr 1974.

Simmons-Geste Devil´s Hand

Simmons zog Antrag zurück

So war der Unmut bei den Fans weltweit vorprogrammiert, als Simmons Unterfangen publik wurde. Und schnell wurde klar: Ganz kann Simmons Ansicht nicht stimmen. In seinem Antrag machte er die Geste für sich geltend, da er 1974 der Erste gewesen sein soll, der diese Geste kommerziell nutzte. Fans jedoch posteten schnell gegenteiliges. So hat bereits 1966, wohlgemerkt acht Jahre zuvor,  John Lennon den Gruß verwendet- und zwar nicht irgendwo, sondern prominent auf dem Cover der Beatles-Single Yellow Submarine/Eleanor Rigby.

Ob diese Gründe für Simmons Meinungsänderung ausschlaggebend waren ist nicht überliefert. Was mittlerweile jedoch überliefert ist, ist die Tatsache, dass Simmons sich die Geste nun doch nicht mehr patentieren lassen möchte.

tsp/hga

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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