Das Fahrverbot

Ein Fahrverbot ist das Verbot, im Straßenverkehr Kraftfahrzeuge einer bestimmter Art (oder jeder Art) zu führen und somit eine der höchsten Maßnahmen, die im Bußgeldkatalog verzeichnet sind.

Erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen, das Überfahren einer roten Ampel oder Abstandsunterschreitungen auf der Autobahn sind dabei die häufigsten Gründe. Fahrverbote können allerdings auch verhängt werden, wenn man wiederholt im Straßenverkehr aufgefallen ist.

Das Verbot ist besonders ärgerlich, wenn der Betroffene beruflich auf das Auto angewiesen ist und durch den Führerscheinverlust ein eventueller Jobverlust droht. Da viele Bußgeldbescheide fehlerhaft sind, lohnt es sich, einen Anwalt zurate zu ziehen, der das drohende Fahrverbot abwenden kann.


Wir haben die wichtigsten Infos für Sie

  1. Fahrverbot oder Fahrerlaubnisentzug – Die Unterschiede
  2. Die Punkte entscheiden, wann ein Fahrverbot verhängt wird
  3. Einspruch gegen den Bescheid einlegen
  4. Kann ich Fahrverbote umgehen?
  5. Fahrverbot wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
  6. Fahrverbot nach Rotlichtverstoß
  7. Fahrverbot wegen Alkohol
  8. Fahrverbot nach Abstandsvergehen
  9. Wie läuft ein Verfahren zum Fahrverbot ab

Zwei unterschiedliche Dinge: Fahrverbot oder Fahrerlaubnisentzug

Das Fahrverbot bezeichnet eine temporäre Entziehung des Führerscheins. Hier darf der Betroffene für eine bestimmte Zeit kein Fahrzeug führen (max. 3 Monate).

Er bekommt den Führerschein danach wieder ausgehändigt. Der Entzug der Fahrerlaubnis hingegen ist wesentlich gravierender, weil der Betroffene nach Ablauf der Sperrfrist das Dokument ganz neu beantragen muss. Das zieht oft eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) nach sich.

Ein Verstoß, der mit 2 Punkten geahndet wird, zieht ein Fahrverbot nach sich.

Es gibt jedoch keine grundsätzliche Regelung, ab welcher Bußgeldhöhe Punkte verhängt werden. Es kommt darauf an, ob die Tat die Sicherheit des Verkehrs gefährdet oder nicht. So müssen Sie ein Bußgeld von 80 Euro für das Fahren in einer Umweltzone ohne gültige Umweltplakette zahlen, es gibt aber keinen Punkt.

Der Verstoß Handy am Steuer kostet hingegen nur 60 Euro, reduziert aber nachweislich die Konzentration des Fahrers und wird deshalb mit einem Punkt geahndet. Haben Sie 8 Punkte angesammelt, ist die Folge der Entzug des Führerscheins.

Im Rahmen eines freiwilligen Fahreignungsseminars kann ein Punkt abgebaut werden. Wer nicht mehr als 5 Punkte auf dem Konto hat, kann jährlich einen Punkt abbauen. Ansonsten verfallen die Punkte nach bestimmten Fristen, die von der Schwere des Verstoßes abhängen.

Dies sind die häufigsten Gründe für ein Fahrverbot:

  1. Fahrverbot wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
  2. Fahrverbot nach Rotlichtverstoß
  3. Fahrverbot nach Abstandsvergehen
  4. Fahrverbot wegen Alkohol

Einspruch gegen den Bescheid einlegen

Sie können innerhalb von zwei Wochen ab Zustellung Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen, danach wird das Fahrverbot rechtskräftig. Nach diesem Zeitraum müssen Sie den Führerschein abgeben.

Ausnahmen: Wenn in den letzten zwei Jahren vor Rechtskraft des Bußgeldbescheides ein Fahrverbot gegen Sie verhängt wurde, läuft die Frist zur Abgabe des Führerscheins erst vier Monate nach Rechtskraft der Entscheidung ab, sog. „Ersttäter“-Begehung.

Kann ich Fahrverbote umgehen?

Kommt es zu einem Verfahren, kann das Gericht entscheiden, ob es den gesamten Bußgeldbescheid für rechtswidrig erklärt oder ob es zu einer Aufhebung des Fahrverbotes kommt, z.B. wegen Augenblicksversagens. Bei erheblicher Härte für den Betroffenen, z.B. bei drohendem Jobverlust, kommt zudem eine Aufhebung des Fahrverbotes gegen eine angemessene Erhöhung der Geldbuße in Betracht.

Das Gericht beurteilt unter Berücksichtigung aller Umstände jeden Verstoß unter individuellen Gesichtspunkten, daher lohnt sich eine Prüfung Ihres Bescheids in jedem Fall.

Fahrverbot wegen Geschwindigkeitsüberschreitung

Hier spielt vor allem die Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung eine Rolle. Die beiden Tabellen verschaffen dazu einen detaillierten Überblick.

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit außerorts

Verstoß Strafe Punkte Fahrverbot Lohnt ein Einspruch?
26 – 30 km/h 80 € 1 1 Monat Ja
31 – 40 km/h 120 € 1 1 Monat Ja
41 – 50 km/h 160 € 2 1 Monat Ja
51 – 60 km/h 240 € 2 1 Monat Ja
61 – 70 km/h 440 € 2 2 Monate Ja
über 70 km/h 600 € 2 3 Monate Ja

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts

Verstoß Strafe Punkte Fahrverbot Lohnt ein Einspruch?
26 – 30 km/h 100 € 1 1 Monat Prüfen
31 – 40 km/h 160 € 2 1 Monat Ja
41 – 50 km/h 200 € 2 1 Monat Ja
51 – 60 km/h 280 € 2 2 Monate Ja
61 – 70 km/h 480 € 2 3 Monate Ja
über 70 km/h 680 € 2 3 Monate Ja

Fahrverbot nach Rotlichtverstoß

Eine rote Ampel zu überfahren kann den Straßenverkehr stark gefährden und zieht erhebliche Konsequenzen, wie z. B. Fahrverbote und/oder hohe Geldstrafen nach sich. In erster Linie unterscheidet man rechtlich zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Rotlichtverstoß. Letzterer hat neben einer Geldbuße und Punkten in Flensburg auch ein Fahrverbot zur Folge.

Der einfache Rotlichtverstoß

Ein einfacher Rotlichtverstoß liegt vor, wenn Sie eine rote Ampel überfahren und zu diesem Zeitpunkt das Rotlicht weniger als eine Sekunde leuchtete. Der einfache Rotlichtverstoß hat eine Geldbuße von aktuell 90 Euro sowie einen Punkt im Verkehrszentralregister zur Folge.

Der qualifizierte Rotlichtverstoß

Wenn die Ampel vor dem Überfahren mehr als eine Sekunde rot geleuchtet hat, spricht man von einem qualifizierten Rotlichtverstoß. In der Regel kommt es zu einem einmonatigen Fahrverbot, einer Geldbuße von mindestens 200 Euro und zwei Punkten im Verkehrszentralregister.

Wurde ein anderer Verkehrsteilnehmer durch das Überfahren der roten Ampel zusätzlich gefährdet, erhöht sich die Geldbuße auf 320 Euro. Entsteht durch das Ereignis ein Unfall, steigt das Bußgeld auf 360 Euro.

Verteidigungsmöglichkeiten – was Ihr Anwalt tun kann

Sollte Ihnen aufgrund eines Rotlichtverstoßes ein Fahrverbot drohen, machen Sie zunächst keine Angaben. Kontaktieren Sie nach Erhalt des Bußgeldbescheids einen Anwalt und lassen Sie prüfen, ob ein Einspruch sinnvoll ist. Hier geht es vor allem darum, ob sich aus der Verfahrensakte entlastende Tatsachen ergeben.

Dabei geht es vornehmlich darum, festzustellen, ob die Rotlichtzeit überhaupt richtig ermittelt wurde, also die Ampel zum Zeitpunkt des Überfahrens tatsächlich schon seit einer Sekunde auf Rotlicht stand.

Weitere entlastende Tatsachen bei Rotlichtverstoß

Zu kurze Gelbphase

Je nach zugelassener Höchstgeschwindigkeit muss die Gelbphase drei Sekunden (bei 50 km/h), vier (bei 60 km/h) oder fünf Sekunden (bei 70 km/h) betragen. Um ein Fahrverbot zu umgehen, sollte der Anwalt klären, ob die Dauer der Gelbphase bei der Ampel diesen Vorgaben entspricht.

Fehlerhafte Messung

Nicht selten treten Fehler bei der Messung der Rotlichtphase auf. Diese erfolgt in der Regel über zwei in der Fahrbahn befindliche Induktionsschleifen. Wenn z. B. die erste Induktionsschleife falsch platziert ist, führt dies zu inkorrekten Messergebnissen aufgrund einer zu langen Rotlichtphase. Auch Fehler innerhalb der Überwachungsanlagen können das Messergebnis negativ beeinflussen. So müssen die Messgeräte regelmäßig geeicht werden. Dies gilt es zu überprüfen.

Absehen von einem Fahrverbot

Im Einzelfall sind besondere Umstände abzuwägen und individuell zu beurteilen. So wird häufig von einem Fahrverbot abgesehen, wenn der Fahrer dadurch seinen Arbeitsplatz verlieren würde. Ein anderes Argument gegen den Entzug des Führerscheins kann sein, dass nur eine abstrakte, aber keine konkrete Gefährdung für den Straßenverkehr ausging, weil das Ereignis z. B. nachts in einem ländlichen Bereich stattfand.

Fahrverbot wegen Alkohol

Wer die Grenze von 0,5 Promille überschreitet, dem droht ein Fahrverbot

Wie lange das Fahrverbot gilt und wie hoch das Bußgeld ausfällt, ergibt sich aus der Häufigkeit und der Schwere des Verstoßes und gliedert sich wie folgt:

  1. Beim 1. Mal: 500 Euro Bußgeld, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
  2. Beim 2. Mal: 1000 Euro Bußgeld, 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot
  3. Beim 3. Mal: 1500 Euro Bußgeld, 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot
  4. Gefährdung des Verkehrs unter Alkoholeinfluss (gilt ab 0,3 Promille): 3 Punkte, Entziehung des Führerscheins, Freiheits- und/oder Geldstrafe
  5. Alkoholgehalt im Blut mit über 1,09 Promille: 2 Punkte + Fahrverbot + Geld- oder Freiheitsstrafe ODER 3 Punkte + Entziehung der Fahrerlaubnis + Geld- oder Freiheitsstrafe

Fahrverbot nach Abstandsvergehen

In der Straßenverkehrsordnung ist nicht geregelt, welcher Abstand zum Vordermann eingehalten werden muss. § 4 Abs. 1 StVO bestimmt nur, dass der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß sein muss, dass auch in den Fällen hinter ihm gehalten werden kann, in denen plötzlich gebremst wird.

Für die Bestimmung des erforderlichen Sicherheitsabstandes hilft die Praxis mit der Faustformel weiter, dass allgemein als erforderlicher Sicherheitsabstand der halbe Tachoabstand gilt. Wann ein Fahrverbot bei einer Abstandsmessung droht, erläutern die folgenden Tabellen.

Abstandsverstoß mit mehr als 100km/h

Tatbestand Bußgeld Punkte Fahrverbot
Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes 160 € 2 1 Monat
Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes 240 € 2 2 Monate
Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes 320 € 2 3 Monate

Abstandsverstoß mit mehr als 130km/h

Tatbestand Bußgeld Punkte Fahrverbot
Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes 240 € 2 1 Monat
Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes 320 € 2 2 Monate
Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes 400 € 2 3 Monate

Das können wir für Sie tun

Die Chancen für die erfolgreiche Abwendung eines drohenden Fahrverbots sind sehr hoch! Denn fast 85 Prozent aller Bußgeldbescheide sind fehlerhaft. Insbesondere sind die verschiedenen Messverfahren oft fehlerhaft, so dass in diesen Fällen eine erfolgreiche Verteidigung ansetzen kann.

Wir bieten Ihnen eine kostenlose Erstberatung an. Kommt es zu einem Verfahren, gibt es bei uns faire Pauschalpreise mit voller Kostenkontrolle. Wir beraten Sie gerne, gehen die Möglichkeiten mit Ihnen durch und prüfen ob und wie das Fahrverbot verhindert werden kann.

Tipp: In vielen Fällen übernimmt Ihre Rechtschutzversicherung anfallende Verfahrens- oder Gerichtskosten.


Rufen Sie uns unter 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) an. Die erste telefonische Beratung ist gratis.


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Saskia Ratz arbeitet seit 2012 in freier Mitarbeit für die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt Verkehr- und Strafrecht.

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