Urheberrecht

Thomas Wolf – Fotograf fordert weiterhin Lizenzschadensersatz für Gebäude-Bilder

Thomas Wolf, Fotograf diverser Gebäude-Ablichtungen, die kostenlos bei Wikimedia Commons zu finden sind, mahnt weiter vermeintliche Urheberrechtsverletzer ab. Der Vorwurf: Die Nutzer hätten sich nicht exakt an die CC-Lizenzbedingungen gehalten. Zwar fordert er immense Summen – doch die Gerichte sprechen ihm längst nur noch Bruchteile oder auch nichts davon zu. Wie man sich im Falle einer solchen Abmahnung verhalten sollte, erfahren Sie in diesem Beitrag.  

Abmahnungen von Fotograf Thomas Wolf sind keine Neuheit. Bereits in der Vergangenheit mahnte er über die Kanzlei Lampmann Haberkamm & Rosenbaum wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung im Rahmen einer eingeräumten Creative Commons-Lizenz ab (Wir berichteten). Seit einigen Monaten kontaktiert Thomas Wolf sogar selbständig, ohne Zuhilfenahme einer Kanzlei, Betroffene per Email. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie auf ihrer eigenen Webseite ein urheberrechtlich geschütztes Foto des Fotografen Thomas Wolf verwendet hätten, ohne dass diese Nutzung durch ihn lizenziert worden wäre.

Update 11.05.2017: Auch weiterhin erhalten Betroffene Abmahnungen des Fotografen. In einem nun dem Rechtsanwalt Markus Kompa vorliegenden Fall wurde dessen Mandant abgemahnt, weil ein ausländischer Mitarbeiter seiner Firma die Lizenzbedingungen missverstanden hatte. Kompa hatte als Lizenzschadensersatz 1.425,- Euro pro Monat gefordert. Der Mandant war aber der Ansicht, vergleichbare Fotos seien etwa bei der dpa lediglich 20,- Euro für eine zeitlich unbegrenzte Nutzung und bei Stockanbietern 50 cent pro Monat wert. Demzufolge erhob Kompa eine negative Feststellungsklage. Er erwartet Urteile, die Wolf lediglich einen Schadensersatz zwischen 0,- und 100,- Euro zusprechen. Diese Urteile könnten bedeutsam auch für weitere Betroffene des abmahnenden Fotografen sein. Wir werden an dieser Stelle über den Fall berichten. Update Ende

Thomas Wolf – Foto unter CC BY-SA 3.0 (nicht portiert)-Lizenz

So hatte der (nicht gelernte) Fotograf Thomas Wolf angeblicher Urheber des Bildes „BRANDENBURGER TOR ABENDS (Bildnummer #0011)“ „Abmahnschreiben“ per Email versandt. Das im Raum stehende Foto zeigt das Brandenburger Tor und wurde auf der Plattform „Wikimedia Commons“, dem Fotoarchiv der Wikipedia, von Thomas Wolf anscheinend unter einer CC BY-SA 3.0 (nicht portiert)-Lizenz veröffentlicht und zur Verfügung gestellt. Das Foto ist im Übrigen nur eines von zahlreichen Fotos insbesondere von berühmten Bauwerken des Fotografen, die auf Wikimedia Commons zu finden sind.

Ein Foto, dass unter einer CC BY-SA 3.0 (nicht portiert)-Lizenz veröffentlicht wird, darf grundsätzlich weitgehend frei- und insbesondere auch zur kommerzielle Nutzung verwendet werden. Die Lizenz sieht aber unter anderem eine Quellenangabe, eine Verlinkung zur verwendeten CC-Lizenz sowie eine Verlinkung zur Webpräsenz des Urhebers vor.

Von den Betroffenen, die, so der Vorwurf, nur unzureichende bzw. keine Angaben bei der Fotoverwendung machten, fordert Thomas Wolf eine Summe in Höhe von 1.312,50 Euro sowie die Löschung des Bildes. Auffällig ist hier insbesondere die Art und Weise des Vorgehens. Offenbar werden weiterhin ganz gezielt Nutzer angeschrieben, die die Bilder aus Wikimedia Commons fehlerhaft verwendet haben.

Häufige Urheberrechtsfalle: Fehlerhafte Namensnennung

Bei der Quellenangabe muss der Urheber grundsätzlich namentlich genannt werden. Hier wünschte der angebliche Urheber die Nennung in folgender Form: „Thomas Wolf, www.foto-tw.de.“ Sollte unter anderem die korrekte Urheber-Benennung nicht eingehalten worden sein, so wurde das Bild in der Wikimedia Commons-Version in Verletzung der entsprechenden CC-Lizenz verwendet.

Das auf den ersten Blick kostenfreie Foto entpuppt sich so später für viele als teure Angelegenheit. In der uns vorliegenden Email würde sich der von Thomas Wolf geforderte Zahlbetrag inkl. des Verletzerzuschlags von 100% auf insgesamt 1.750 Euro (netto) belaufen. Den Betroffenen wird allerdings eine außergerichtliche Streitbeilegung bei Zahlung eines Pauschalbetrags von 1.312,50 Euro (netto) angeboten. Zweifelsohne ein immer noch stolzer Betrag.

Erwähnt werden sollte an dieser Stelle, dass es sich bei der per eMail versendeten Schreiben des Fotografen ohne Zuhilfenahme einer Anwaltskanzlei formal gesehen gar nicht um eine Abmahnung im herkömmlichen Sinne handelt, denn rechtlich unterliegen Abmahnungen im Urheberrecht teils strengen Anforderungen. Vielmehr handelt es sich um eine Art Lizenz-Rechnung für die angeblich bisherige unrechtmäßige Bild-Nutzung. Mit Zahlung des geforderten Betrags erwerben die Betroffenen somit auch keine Lizenz für die weitere Bild-Verwendung. Im Gegenteil: Thomas Wolf fordert die Betroffenen auf, das Foto des Brandenburger Tors innerhalb einer gesetzten Frist zu löschen und bei Bedarf eine reguläre Lizenz für die zukünftige Verwendung bei ihm zu erwerben.

Darüber hinaus lässt Wolf seinen Unterlassungsansprüche auch anwaltlich abmahnen und entsprechende Forderungen einklagen. Die Gerichte gehen bislang auch bei Creative Commons-Abmahnungen von einem Gegenstandswert in Höhe von 6.000,- € aus. Ein Anwalt kann für eine solche Abmahnung ca. 500,- Euro verlangen.

Abmahnung erhalten? © Robert Kneschke - Fotolia.com

Abmahnung erhalten? © Robert Kneschke – Fotolia.com

Was kann ich als Betroffener tun?

Betroffene sollten zunächst überprüfen, ob die beschriebenen Vorwürfe auch tatsächlich zutreffen. Erfahrungsgemäß kommt es häufig zu fehlerhaften Sachverhaltsbeschreibungen, insbesondere dann, wenn die Schreiben für eine Vielzahl von Betroffenen verwendet werden.

Zudem sind die Kosten häufig sehr hoch angesetzt und werden auf der Grundlage von Tarifen für Berufsfotografen und gewerblichen Fotolizenzen berechnet. Gerichte haben es bislang unterschiedlich beurteilt, ob diese Berechnungen auch bei Creative-Commons-Bildern Anwendung finden.

Erfahrungsgemäß konnten sich Webseitenbetreiber in der Vergangenheit bereits des Öfteren auf niedrigere Beträge einigen. Hier lohnt sich insofern die Prüfung durch einen unserer spezialisierten Rechtsanwälte.

Zudem haben bereits sowohl das OLG Köln als auch das AG Frankfurt die Einschätzung getroffen, dass der Lizenzschaden bei Creative-Commons-Bildern mit null Euro angesetzt werden müsse, denn dieser werde allgemein danach berechnet, was ein Nutzer bezahlt hätte, wenn er eine Lizenz erworben hätte. Wörtlich hieß es im Beschluss des OLG Köln:

 „Der „objektive Wert“ der nicht-kommerziellen Nutzung eines unter der Creative Commons-Lizenz angebotenen geschützten Inhalts kann nur mit Null angesetzt werden […]. Im Fall der fehlenden Urheberbenennung eines Fotografen wird zwar üblicherweise ein 100%iger Aufschlag auf den nach der Lizenzanalogie berechneten Schaden gewährt […] Aber 100% von 0 sind immer noch 0.“

So hatte das OLG Köln in seinem Beschluss entschieden, dass bei nicht lizenzkonform genutzten Fotos unter CC-Lizenz grundsätzlich weder ein Anspruch auf Zahlung fiktiver Lizenzgebühren noch auf Zahlung eines Verletzeraufschlags wegen fehlender Urheberbenennung besteht (OLG Köln, Beschluss vom 29.06.2016, Az. 6 W 72/16).

Wir beraten Sie gerne – Nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung

Die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE ist auf genau solche Schreiben spezialisiert. Wir prüfen für Sie in einem ersten Schritt die Erfolgsaussichten eines Vorgehens gegen die Forderungen. Zudem prüfen wir genau, ob Angriffspunkte gegen die geltend gemachte Schadensersatzhöhe bestehen und versuchen die Forderungen bestmöglich zu reduzieren.

Rufen Sie uns einfach unter der Telefonnummer 0221 / 9688 8184 16 an oder senden Sie uns Ihr Anliegen per Email.

→ TIPP: Sollten Sie eine Email oder sonstige Schriftstücke erhalten haben, können Sie diese Ihrer Anfrage direkt beifügen. Dies beschleunigt die Bearbeitung

tsp

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Sehr geehrte Kollegen,
    m.E. müßten Sie folgende Passage in Ihrem Beitrag ändern.

    Sie:
    dessen Mandant abgemahnt, weil ein ausländischer Mitarbeiter seiner Firma die Lizenzbedingungen missverstanden hatte. Kompa hatte als Lizenzschadensersatz 1.425,- Euro pro Monat gefordert.

    Aus dem vorherigen Text dürfte hier nicht der Kollege Kompa diesen Betag gefordert haben, sondern der Fotograf.

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