Medienrecht

Kinderschutzbund fordert Stopp der Super-Nanny

Das RTL- Sendung „Die Super-Nanny“ steht schon seit ihrem Start 2004 immer wieder in der Kritik. Nun hat der Deutsche Kinderschutzbund in einem offenen Brief an RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel die Beendigung des Formats gefordert.

Entwürdigung von Kindern

Der Kinderschutzbund schreibt in seinem Brief, man habe „mit Entsetzen zur Kenntnis genommen, dass in der zehnten Staffel der Sendung „Super-Nanny“ wiederholt Kinder vor laufender Kamera in Situationen der Erniedrigung und Hilflosigkeit zur Schau gestellt wurden.“

Auslöser war die Folge, die am 14. September ausgestrahlt wurde. Darin war zu sehen, wie Kinder den gewalttätigen Übergriffen der Mutter ausgesetzt waren. Zudem haben weder das RTL-Team noch die „Super-Nanny“, Katharina Saalfrank, in das Geschehen eingegriffen und die Angriffe beendet, so die Kritik des Kinderschutzbundes weiter. Dies sei eine deutliche Verletzung des Wohl und der Würde des Kindes. Die Ausstrahlung der Folge sei unverantwortlich, so der Brief weiter.

Weil in das Geschehen nicht eingegriffen, sondern weitergefilmt wurde, ist das Verhalten von Saalfrank und ihrem Team für den Deutschen Kinderschutzbund strafrechtlich relevant. Die ständige Wiederholung der Szene und die Untermalung mit dramatischer Musik zeige, dass die Sequenz nicht der Aufklärung diene, sondern eine Entwürdigung des Kindes darstelle, so der Brief weiter. Die Rechte des Kindes müssen auch vor der Kamera sichergestellt werden.

RTL weist Vorwürfe von sich

Nach Angaben des Branchendiensts „dwdl.de“ bestreitet RTL die Vorwürfe. Saalfrank habe nicht nur in die Situation eingegriffen, sondern auch das Jugendamt eingeschaltet, „dessen Arbeit erst durch mehrfaches Drängen von Frau Saalfrank und ihrem Team und die Ausstrahlung eine Dynamik aufnahm,“ so der Bericht weiter. Saalfrank selbst sagte zu dem Vorwurf: „Die Ausstrahlung hat ganz klar dazu geführt, dass endlich überhaupt etwas passiert ist und das Augenmerk auf das Wohl der Kinder gerichtet wurde. Es stimmt nicht, wenn das Jugendamt behauptet, dass die Kinder seit April fremd untergebracht waren, dies geschah erst kurz vor der Ausstrahlung! Auch ist es nicht wahr, dass Gespräche mit der Mutter zur Trennung von den Kindern bereits vor meiner Arbeit liefen! Im Gegenteil! Die Situation vor Ort im März 2011 war – wie Sie in den Aufnahmen sehen konnten – katastrophal und für die Kinder nicht tragbar. Ich habe sofort eingegriffen, die Gewalt unterbunden und bin mit meinem Team zum zuständigen Jugendamt gegangen. Eine Kamera war nicht gewünscht, was wir – übrigens auch in weiteren Gesprächen – respektiert haben,“ so die Informationen von dwdl.de.

Kinderschutzbund: „Zynische“ Kritik am Jugendamt

Der Deutsche Kinderschutzbund bezeichnet die Kritik von Saalfrank am Jugendamt als „zynisch“: „Durch eigenes Eingreifen hätte Frau Saalfrank Schläge und weitere Demütigungen verhindern können. Auch ist die Behauptung irreführend, durch die Ausstrahlung der Folge zur Aufklärung und zu einem Handeln des Jugendamtes beigetragen zu haben. Das Jugendamt hätte auch dann eingeschaltet werden können, wenn das Kamerateam und Frau Saalfrank den Dreh abgebrochen hätten und eingeschritten wären. Eine Zeugenaussage ist insoweit durchaus ausreichend, weitere Filmaufnahmen völlig überflüssig“, heißt es in dem offenen Brief.

Weiter heißt es dort: „Die erneuten Übergriffe gegen die Kinder der betroffenen Familien zeigen, dass ein Kamerateam und eine „Fernsehpädagogin“ nicht der berufene Personenkreis ist, um Familien, die sich in einer sehr schwierigen und subjektiv aussichtslosen Situation befinden, zu helfen.“ Deswegen fordert der Kinderschutzbund RTL auf, die Sendung aus dem Programm zu nehmen und keine weiteren Folgen zu produzieren.

Nach Angaben von dwdl.de sieht sich RTL zu Unrecht in der Kritik: „Täglich erfahren viele Kinder hinter geschlossenen Türen diese oder ähnliche Misshandlungen – das darf nicht verschwiegen und weiter tabuisiert werden. Es kann sich nichts verändern, wenn wir nicht hinschauen. Wenn wir jetzt darüber diskutieren, ob die Offenlegung einer Misshandlung von Kindern im Fernsehen nicht angemessen ist, dann verschließen wir die Augen und schauen weg, vergessen diese Kinder, die Hilfe brauchen, bagatellisieren und tabuisieren!“, heißt es dort.

Die vom Deutschen Kinderschutzbund im Mai 2011 verabschiedete Resolution für einen „Besseren Schutz von Kindern in TV-Produktionen“ finden Sie hier.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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