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Quadratisch. Praktisch. Markenrecht. :

Ritter Sport und die quadratische Verpackung

Ritter Sport-Tafelschokolade ist quadratisch verpackt. Über die Frage, ob dies weiterhin exklusiv ist und Markenrecht an der quadratischen Verpackungsform mit dem Knick besteht, muss der BGH ab Donnerstag erneut entscheiden.

„Quadratisch. Praktisch. Gut.“ Der Werbeslogan von Ritter Sport gehört ohne Frage zu den bekanntesten Deutschlands. Vielleicht auch gerade weil die quadratische Ritter Sport-Form und der spezielle Knick zum Brechen der Schokolade so praktisch und gut ist, streitet sich Ritter Sport nunmehr seit Jahren darum, ob das Unternehmen seine quadratische Verpackungsmarke für Tafelschokolade überhaupt rechtmäßig als Marke eintragen lassen kann.

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) bereits 2017 in der Sache entgegen der Auffassung des Bundespatentgerichts (BPatG) entschied, dass der Knick im Quadrat als Formmarke geschützt bleibe, musste er sich am 14.05.2020 erneut mit dem Fall und der Frage beschäftigen, ob dreidimensionale Verpackungen für Tafelschokolade als Marken schutzfähig sind (BGH, Az. I ZB 42/19 und Az. I ZB 43/19). 

Ein Urteil wird erst in einigen Wochen gesprochen, doch ließ der Vorsitzende Richter bereits seine Auffassung durchblicken, dass der Verbraucher die quadratische Form wohl als Herkunftsnachweis wahrnehme. Die entscheidende Frage indes sei, ob Konsumenten die Schokolade hauptsächlich aus ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten kaufen würden. Auch die Vermarktungsstrategie mit dem bekannten Slogan „Quadratisch.Praktisch.Gut.“ spiele für die Beurteilung des Falls eine Rolle.

Verpackung nur Form der Schokolade

Für Ritter Sport sind aktuell dreidimensionale Formmarken als verkehrsdurchgesetzte Zeichen für die Ware „Tafelschokolade“ registriert. Sie zeigen jeweils die Vor- und Rückseite einer neutralen quadratischen Verpackung mit einem quadratischen Verpackungskörper, zwei seitlichen gezackten Verschlusslaschen und einer weiteren auf der Rückseite quer verlaufenden Verschlusslasche.

Die nachfolgende dreidimensionale Gestaltung (Abb.1) wurde am 24. Mai 1995 unter der Nr. 2 913 183 als Marke in das beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) geführte Register für die Ware der Klasse 30 (Tafelschokolade) als verkehrsdurchgesetzt eingetragen.

Abb. 1: Formmarke von Ritter SPort

Der Milka-Produzent Mondelez hatte vor dem Deutschen Patent- und Markenamt zunächst in zwei getrennten Verfahren jeweils die Löschung der Marken wegen fehlender Markenfähigkeit beantragt. Das Deutsche Patent- und Markenamt hatte die Anträge jedoch zurückgewiesen.

Mit seinen dagegen zum BPatG eingelegten Beschwerden hatte der US-Lebensmittelkonzern Mondelez sodann geltend gemacht, die in den eingetragenen Ritter Sport-Marken gezeigten Verpackungen gäben allein typische Gebrauchseigenschaften von darin verpackter Tafelschokolade wieder.

Kern des Streits ist damit die Frage, ob die Marken lediglich die Form der verpackten Ware selbst wiedergeben. Dann würden sie nach § 3 Abs. 2 Nr. 1 Markengesetz (MarkenG) keinen eigenständigen Schutz genießen, denn gemäß § 3 Abs. 2 Nr.1 MarkenG können Formen nicht als Marke eingetragen werden, wenn die Formen bereits durch die Art der Ware selbst bedingt sind.

Zwar können dreidimensionale Formen grundsätzlich als Marke geschützt werden. Dies allerdings gilt nicht, wenn die Form eine „wesentliche Gebrauchseigenschaft“ der Ware darstellt. Durch diese Regelung soll verhindert werden, dass Hersteller durch einen Markenschutz der Konkurrenz eine besonders funktionelle Gestaltung einer Ware vorenthalten können.

Die quadratische Ritter Sport-Form erleichtere jedenfalls Lagerung, Transport sowie das Teilen der Schokolade. Daher greife hier § 3 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG und die Marke sei insofern nicht schutzfähig, weshalb die Löschung der Marke angeordnet wurde.

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Bundespatentamt ordnete Löschung an – BGH hob Beschlüsse auf

Dies war nach Auffassung des BPatG im vorliegenden Fall gegeben, weshalb das BPatG die Löschung der Marken anordnete. Andernfalls, so das BPatG, könne der Schutzzweck der Vorschrift, nämliche die Monopolisierung warenbedingter Formen zu verhindern, umgangen werden, indem nicht die Warenform selbst angemeldet werde, sondern nur eine entsprechend geformte Verpackung.

Genau das sei aber bei der quadratischen Schokoladentafelverpackung der Fall, die aus Sicht des BPatG lediglich eine übliche flache Schlauchbeutelverpackung sei, die sich allein durch ihre quadratische Form von anderen abhebe. Dabei würden Verbraucher im Zusammenhang mit der Ware „Tafelschokolade“ quadratische Formen schon deswegen auch bei Mitbewerbern der Markeninhaberin nachsuchen, weil Tafelschokolade in aller Regel in rechteckiger Form angeboten werde und das Quadrat nun einmal nur eine besondere Form des Rechtecks sei. Daher dürften solche Formen nicht mit den Mitteln des Markenschutzes monopolisiert werden, die Mitbewerber wie Milka vom Markeninhaber Ritter Sport zur Teilnahme am Wettbewerb benötigten.

Der BGH hatte sodann am 18. Oktober 2017 auf die Rechtsbeschwerden von Ritter Sport die angefochtenen Beschlüsse aufgehoben und die Verfahren an das Bundespatentgericht zurückverwiesen. Das Schutzhindernis des § 3 Abs. 2 Nr. 1 MarkenG liege in dem Fall nicht vor, weil die quadratische Form der Tafelschokolade keine wesentliche Gebrauchseigenschaft von Schokolade sei. Ob sich in den vorliegenden Fällen das Schutzhindernis auch auf die Verpackungen beziehe, brauche daher nicht entschieden zu werden, so der BGH. Damit stärkte der BGH 2017 den Formmarkenschutz deutlich und sorgte bei Ritter Sport für erleichterndes Aufatmen, schließlich ist die quadratische Form die DNS des Unternehmens.

Der BGH wies die Verfahren entsprechend an das BPatG zurück. Dieses habe deshalb die von ihm offen gelassenen Fragen zu prüfen, ob das Schutzhindernis des § 3 Abs. 2 Nr. 3 MarkenG vorliege. Im daraufhin wiedereröffneten Beschwerdeverfahren hatte das BPatG die Beschwerden des Milka-Produzenten Mondelez zurückgewiesen, weil das Schutzhindernis des § 3 Abs. 2 Nr. 3 MarkenG nicht vorliege.

Dagegen wendet sich die zugelassene Rechtsbeschwerde Mondelez, weshalb nun erneut der BGH entscheiden muss.  

Der Fall verdeutlicht die in der Praxis nicht immer ganz so einfache Anwendung der beiden Paragraphen des Markenschutzgesetzes. Die Bestimmung, welche Produkteigenschaften einen tatsächlichen funktionellen Nutzen bieten und welche nicht, ist Auslegungssache und oftmals schwierig.

Wir werden an dieser Stelle über das weitere Verfahren berichten.

tsp