Open-Source-Lizenzen

Trotz der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von Open-Source-Software herrscht hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen ihrer Verwendung oftmals weitgehende Unklarheit. Daher soll der vorliegende Beitrag einen ersten Überblick über die verschiedenen Open Source Lizenzbedingungen und deren Auswirkungen verschaffen.

Seit Jahren wächst der Stellenwert von Open-Source-Software (OSS) im Softwarebereich kontinuierlich an und macht Schätzungen zufolge in Europa mittlerweile einen Gesamtanteil von rund einem Drittel aus. Für viele Unternehmen gehören dabei sowohl der Einsatz kompletter OSS-Anwendungen als auch die Verwendung von Open-Source-Komponenten im Rahmen der Entwicklung eigener kommerzieller (sog. proprietäre) Softwareprodukte zum geschäftlichen Alltag. Als namhafte Beispiele hiefür können etwa der Webbrowser Firefox, Open Office, das insbesondere im Server- oder Smartphonebereich weit verbreitete Betriebssystem Linux, der Webserver Apache oder Datenbankverwaltungssysteme wie mySQL genannt werden.

Trotz ihrer Durchsetzung im Massenmarkt setzen viele Unternehmen OSS oftmals ohne oder unter nur unzureichender Beachtung der für sie geltenden rechtlichen Nutzungsbedingungen ein. Und dies obwohl die daraus resultierenden Konsequenzen in wirtschaftlicher Hinsicht erheblich sein können. Daher soll der folgende Beitrag einen ersten Überblick über die Nutzungsbedingungen der verschiedenen Arten von Open-Source-Lizenzen bieten und Verwender für mögliche Problembereiche sensibilisieren.

1. Begriff der Open Source Lizenz

Trotz Fehlens einer allgemeingültigen Begriffsdefinition kann als Open Source eine freie Software bezeichnet werden, die unter einer nach den Kriterien der Open Source Initiative (OSI) als Open Source anerkannten Lizenzen steht. Charakteristisch für diese ist, dass der Source Code der betreffenden Software öffentlich verfügbar gemacht und diese grundsätzlich (kosten-)frei genutzt, vervielfältigt, bearbeitet und sowohl in ihrer ursprünglichen als auch in veränderter Form weiterverbreitet werden darf. Indes ist diese Freiheit nicht dahingehend misszuverstehen, dass die Nutzung und Verwertung der OSS – anders als bei Public Domain Software – voraussetzungslos gestattet ist. Vielmehr knüpfen sämtliche Open Source Lizenzen die eingeräumten Nutzungsrechte an bestimmte Bedingungen, zu deren Einhaltung der Verwender sich mit Nutzung der Software verpflichtet. Gemeinsam ist dabei allen Lizenzarten, dass bei jeglicher Weiterverbreitung unter anderem ein Copyrightvermerk sowie der Text der jeweiligen Lizenz beigefügt werden muss.

2. Arten von Open Source Lizenzen

Die Unterschiede in der Ausgestaltung dieser Bedingungen und Verpflichtungen hängen von der jeweiligen Open-Source-Lizenz ab, die sich im Wesentlichen in drei/fünf Hauptkategorien /Arten einteilen lassen.

a) Strenge Copyleft-Lizenzen (z.B. GNU General Public Licence)

Die höchsten Anforderungen enthalten dabei die sog. strengen Copyleft-Lizenzen, wozu insbesondere die am weitesten verbreitete GNU General Public Licence (GPL) zählt. Diese verpflichtet den Nutzer dazu, bei Weiterverbreitung der Software in ihrer ursprünglichen oder veränderten Form (sog. abgeleitete Werke), diese ebenfalls unter die Bedingungen der GPL zu stellen (sog. Copyleft-Effekt). Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Originalsoftware und sämtliche von ihr abgeleiteten Werke Open Source bleiben.

 

b) Non-Copyleft-Lizenzen (BSD Licence, Apache Licence)

Im Gegensatz dazu stehen Non-Copyleft-Lizenzen wie etwa die BSD-Lizenz (Berkeley Software Distribution), die dem Nutzer erlauben, abgeleitete Werke nicht unbedingt unter Open-Source- sondern auch unter anderen Lizenzbedingungen zu verbreiten. Damit wird die Entwicklung von kommerziell vermarktbaren Softwareprodukten auf Grundlage von OSS ermöglicht. Auch zur Offenlegung des Source Codes ist der das neue Softwareprodukt entwickelnde Nutzer dementsprechend nicht verpflichtet

c) Lizenzen mit eingeschränktem Copyleft (z.B. Mozilla Public Licence)

Zwischen den genannten Lizenzarten existieren verschiedene Mischformen, die zwar grundsätzlich die Weitergabe von aus der Originalsoftware abgeleiteten Abwandlungen ebenfalls der ursprünglichen Open Source Lizenz unterstellen (Copyleft). Unter bestimmten Voraussetzungen können Abwandlungen jedoch ausnahmsweise unter abweichende, proprietäre Lizenzbedingungen gestellt werden. So nimmt beispielsweise die speziell für Programmbibliotheken entwickelte GNU Lesser General Public Licence (GNU LGPL) solche Software vom Copyleft aus, die nur auf Libraries zugreift und von diesen getrennt und auch unverlinkt bleibt. Hingegen unterwirft die Mozilla Public Licence (MPL) zwar aus MPL-Software abgeleitete Werke dem Copyleft, lässt verlinkte Software jedoch unangetastet. Die Artistic Licence gestattet dem Nutzer schließlich die Wahl zwischen mehreren vorgegebenen Lizenzenbedingungen bei der Weiterverbreitung.

3. Probleme der Verwendung von OSS

Vor diesem Hintergrund kann die Verwendung und von OSS neben vielen anderen insbesondere zum Problem des viralen Effekts führen. Durch diesen droht im Falle der Verwendung von Open-Source-Komponenten zur Entwicklung kommerzieller Softwareprodukte bei Verfehlen der bestimmter Bedingungen eine Infizierung der neuentwickelten Gesamtsoftware durch den Copyleft-Effekt (sog. viraler Effekt bei Open-Source-Hybriden). Schlimmstenfalls kann dies zur Geltung der Open Source Lizenz für das gesamte abgeleitete Neuwerk und folglich dazu führen, dass ein unter hohem Zeit- und Kostenaufwand des Softwareunternehmens entwickeltes Produkt der Allgemeinheit unentgeltlich und quelloffen zur Verfügung gestellt werden muss und somit wirtschaftlich vollkommen unverwertbar wird.

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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