Teil 5: Haftung und Versicherung bei Start-up Unternehmen

Unternehmerisches Tätigwerden ist immer auch mit Haftungsrisiken verbunden – so viel ist sicher. Doch wo genau die Knackpunkte liegen und wie man Risiken vermeiden kann, ist vielen Unternehmern zu Beginn nicht bewusst. Insbesondere die Unterscheidung, wer unter welchen Voraussetzungen haftet, ist von großer Relevanz. Denn neben der Gesellschaft selbst kommt unter Umständen auch die Haftung der einzelnen Gesellschafter in Betracht. Diese müssen ggfs. nicht nur mit ihrer geleisteten Einlage haften, sondern auch mit ihrem gesamten Privatvermögen. Zudem ist die Frage nach den notwendigen oder ratsamen Versicherungen im Vorfeld häufig nicht hinreichend durchdacht.

Haftung

Das Thema Haftung ist ein weites Feld. Es kann auf unzählige Arten ein Haftungsfall ausgelöst werden. Sei es durch einen vorsätzlich oder ggfs. auch nur fahrlässig begangenen Sach- oder Personenschaden, sowie aufgrund von Vertragsverletzungen jeglicher Art. Die Frage, wer letztlich haftet, hängt unter anderem mit der Gesellschaftsform des Start-up Unternehmens zusammen. Denn je nach Gesellschaftsform haftet entweder die Gesellschaft, oder aber einzelne Gesellschafter. Insbesondere die Summe, mit der gehaftet wird, kann hierbei variieren. Deswegen sollte bereits vor der Gründung die Überlegung angestellt werden, ob eine persönliche Haftung gewollt ist, oder ob die Haftung auf ein bestimmtes Vermögen begrenzt werden soll.

Wie bereits in Teil 2 unserer Start-up Serie erläutert, unterscheiden sich die Gesellschaftsformen in Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Bei den Kapitalgesellschaften haftet jeweils die Gesellschaft mit dem vorhandenen Vermögen. Die GmbH haftet beispielsweise nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Allerdings gilt dies erst, sobald diese wirksam gegründet, also ins Handelsregister eingetragen ist. Bis dahin haften die Gesellschafter. Ein Einzelunternehmer hingegen haftet immer persönlich. Bei der GbR haften ebenfalls die Gesellschafter. Hier ist jedoch Vorsicht geboten! Wenn es keine hinreichend speziellen vertraglichen Bestimmungen gibt, so kann ein Gesellschafter einen Vertrag abschließen und alle übrigen Gesellschafter haften ebenfalls mit diesem als Gesamtschuldner. Hier sollte vorab eine juristische Beratung unter dem Aspekt der Haftungsbeschränkung erfolgen.

Einige Vermögensrisiken, die durch eine Haftung entstehen können, können auch durch bestimmte Versicherungen eingedämmt werden. Daher ist es ratsam, sich schon vor der Gründung mit dem Thema auseinander zu setzen.

Versicherungen

Gerade in den frühen Phasen kann eine rechtliche Inanspruchnahme ein Start-up in den Ruin treiben. Da ein Unternehmen auf vielen Ebenen agiert und unterschiedliche Rechtsgebiete berührt, können auf diverse Arten Rechtsstreitigkeiten begründet werden. Sicherlich ist es nicht sinnvoll, jede nur mögliche Versicherung abzuschließen. Dies würde zu einer kostspieligen und unnötigen Übersicherung führen, was sich die jungen Unternehmen in der Regel ohnehin nicht leisten können. Vielmehr sollten die Start-up Gründer auf branchenspezifische Risiken achten und darauf zugeschnittene Versicherungen abschließen.

Der Abschluss folgender Versicherungen sollte vor Gründung des Unternehmens – in Anbetracht ihrer branchenspezifischen Tätigkeit – in Betracht gezogen werden:

  • Betriebshaftpflicht – für Personen- und Sachschäden.
  • Berufshaftpflicht – es werden Vermögensschäden abgesichert. Die Berufshaftpflicht sollte auf die jeweilige branchenspezifische Tätigkeit abgestimmt werden.
  • Vermögensschadenshaftpflichtversicherung (sogenannte D&O-Versicherung) – ist relevant, wenn z.B. eine GmbH oder AG gegründet wird. Es handelt sich um eine spezielle Berufshaftpflichtversicherung, die ein Unternehmen für seine Organe und leitenden Angestellten abschließt.
  • Versicherung für Gebäude und Maschinen – empfiehlt sich insbesondere, wenn Büroräume oder eine Fabrikhalle angemietet werden und Maschinen zur Produktion der Ware angeschafft werden.
  • Sachversicherung – hier werden Sachwerte versichert.
  • Betriebsunterbrechungsversicherung – versichert werden hier Erlöseinbußen, die aufgrund einer Unterbrechung oder Beeinträchtigung in der betrieblichen Leistungserstellung und –verwertung entstehen. Hier gibt es diverse Sonderformen, wie z.B. die Montage-Betriebsunterbrechungsversicherung (ALoP, Advanced Loss of Profit).
  • Transportversicherung – ist sinnvoll, wenn Waren über Wasser, Land oder Luft transportiert werden.
  • Transport-Betriebsunterbrechungsversicherung – deckt die Schäden ab, die z.B. durch die verzögerte Anlieferung von Maschinen entsteht. Die dadurch möglicherweise entstehenden Umsatzausfälle werden von der Versicherung abgefangen.
  • Produkthaftpflichtversicherung – diese Versicherung deckt die Kosten für Schäden ab, die aus fehlerhaften Produkten resultieren.
  • Eigenschaden-Komponente Betrifft die Aufwendungen beim berechtigten Rücktritt des Auftraggebers. Hier werden die Kosten durch die Versicherung beglichen, die entstehen, wenn z.B. ein Projekt, in das bereits Investitionen getätigt wurden, gecancelt wird.
  • Cyberversicherung – ist sinnvoll, wenn es sich um ein Start-up Unternehmen in der IT-Branche handelt, oder generell viel mit (Kunden)Daten gearbeitet wird. Hierbei wird der der Schadensfall bei Datenverlust oder einen Hackerangriff abgedeckt.
  • Haftpflicht- und Kaskoversicherungen für Kfz – für den Fall, dass Firmenfahrzeuge angeschafft und/oder ein Parkplatz eingerichtet wird.
  • ist auch der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sinnvoll.

Welche Versicherung letztlich sinnvoll oder gar notwendig ist, hängt von dem Tätigkeitsbereich des Unternehmens ab. In jedem Falle sollten die Risiken und Haftungsfälle gut durchdacht sein, um einen finanziellen Ruin aufgrund einer Inanspruchnahme zu verhindern.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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