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Clownsighting – Ein nicht harmloser Spaß mit rechtlichen Konsequenzen

Das sogenannte Clownsighting ist als Trend aus den USA nach Deutschland rüber geschwappt. Als Horrorclown verkleidete Menschen erschrecken Passanten und stellen häufig die Videos mit den Reaktionen ins Netz. In der Stadt Wesel wurden am vergangenen Wochenende zwei Männer von einem als Horrorclown verkleideten Mann bedroht. „Dieser „Spaß“ ist für Passanten und Autofahrer keineswegs so witzig und kann mitunter zu sehr bedrohlichen Situationen führen und rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, erklärt RA Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Ältere Menschen könnten mit mehr als nur einem Schrecken davon kommen und auch für Autofahrer kann der Schreck durch einen Horrorclown schnell zu einem Unfall führen. Sind zudem noch Waffen im Spiel, wird sich der erschreckte Passant angegriffen fühlen und womöglich versuchen sich zu verteidigen.

Wenn der Schreck einen Infarkt auslöst

„Das Erschrecken von Passanten selbst ist in Deutschland grundsätzlich nicht strafbar“, erklärt RA Solmecke. „Allerdings muss sich der Horrorclown möglicherweise wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung verantworten, wenn der Passant beispielsweise durch den Schreck einen Herzinfarkt erleidet“.

Wenn der Clown die Passanten zusätzlich mit einem Messer oder einer anderen Waffe bedroht, dann kommt eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr in Betracht. An dieser Stelle hört der Spaß definitiv auf. Das Gleiche gilt, wenn der Clown andere Verkehrsteilnehmer gefährdet.

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Springt ein Horrorclown unvermittelt auf die Straße, um Autofahrer zu erschrecken, kann schnell ein Unfall entstehen. Dieser gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr ist strafbar und kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

Darf ich mich gegen den Angriff des Horrorclowns wehren?

„Passanten, die von einem Horrorclown bedroht werden, dürfen sich wehren“, sagt Solmecke. „Das deutsche Recht sieht ein Recht auf Notwehr vor“. Bei einem gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff, darf sich das Opfer grundsätzlich mit allen Mitteln wehren. Allerdings muss zum relativ mildesten Mittel gegriffen werden. Das heißt, dass bei zwei gleicheffektiven Mitteln, das Mittel genommen werden muss, das den Angreifer am wenigsten schädigt.

Lag objektiv gar keine Notwehrlage vor, etwa weil der Horrorclown nur aus Spaß mit einem Plastikmesser rumhantiert hat, dann ist eine Verurteilung nur möglich, wenn die Angegriffene Person dies auch erkennen konnte. Häufig kommt in diesem Fall eine Strafbarkeit wegen Fahrlässigkeit in Betracht.

Fazit: Sich als Horrorclown zu verkleiden und andere Menschen zu erschrecken, ist kein harmloser Spaß. Unter Umständen droht hier eine saftige Strafe.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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