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Champions League-Finale im Free-TV? Jürgen Klopp als „deutsche Beteiligung“ – Was gilt rechtlich?

Das Champions League Finale zwischen den Tottenham Hotspurs und dem FC Liverpool wird erstmals nur im Pay-TV ausgestrahlt. Doch müssen laut RStV Spiele mit deutscher Beteiligung im frei übertragbaren Fernsehen zu sehen sein. Aber reicht es, dass mit Jürgen Klopp ein deutscher Trainer an der Seitenlinie steht?

Von Дмитрий Голубович – https://www.soccer0010.com/galery/1013448/photo/673304, CC BY-SA 3.0

Am 1. Juni 2019 findet das Finale der UEFA Champions League zwischen den Tottenham Hotspurs und dem FC Liverpool in Madrid statt. Für deutsche Fußballfans gibt es allerdings eine schlechte Nachricht: Erstmals wird das Finale der Champions League nicht im Free-TV zu sehen sein. Seit dieser Saison liegen die Rechte beim Pay-TV-Sender Sky und der ebenfalls kostenpflichtigen Streaming-Plattform DAZN. Vergangenes Jahr hatte das ZDF das Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool zum letzten Mal live übertragen, bevor die Rechte komplett an das Pay-TV gingen. Das ZDF hatte sich bis zuletzt bemüht und hätte das Finale gerne übertragen, ist aber an einem Nein von DAZN gescheitert.

Besteht dennoch die Chance, dass das Spiel noch im Free-TV ausgestrahlt wird?

Schließlich steht im Rundfunkstaatsvertrag, dass Großereignisse wie Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, Europa League) bei deutscher Beteiligung zumindest in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm ausgestrahlt werden müssen. Bei zwei englischen Mannschaften (Tottenham, Liverpool) erschließt sich eine deutsche Beteiligung zunächst nicht. Doch diese könnte durchaus bestehen, denn Trainer des FC Liverpool ist schließlich der deutsche Startrainer Jürgen Klopp. Die Frage lautet also, ob bereits ein deutscher Trainer ausreichend ist, um rechtlich eine deutsche Beteiligung zu haben. Doch der Reihe nach:

Entscheidende Bedeutung für die Beantwortung der Frage kommt hier § 4 des Rundfunkstaatsvertrags (RStV) zu. Dieser lautet (auszugsweise) wie folgt:j

  • 4 Übertragung von Großereignissen

(1) 1Die Ausstrahlung im Fernsehen von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung (Großereignisse) in der Bundesrepublik Deutschland verschlüsselt und gegen besonderes Entgelt ist nur zulässig, wenn der Fernsehveranstalter selbst oder ein Dritter zu angemessenen Bedingungen ermöglicht, dass das Ereignis zumindest in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland zeitgleich oder, sofern wegen parallel laufender Einzelereignisse nicht möglich, geringfügig zeitversetzt ausgestrahlt werden kann. (…) 

(2) 1Großereignisse im Sinne dieser Bestimmung sind:

  • 1.Olympische Sommer- und Winterspiele,
  • 2.bei Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie unabhängig von einer deutschen Beteiligung das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel,
  • 3.die Halbfinalspiele und das Endspiel um den Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes,
  • 4.Heim- und Auswärtsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft,
  • 5.Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, UEFA-Cup) bei deutscher Beteiligung.

(…)

Wichtige gesellschaftliche Funktion von Großereignissen

Grundlegender Zweck der Vorschrift ist es, zu verhindern, dass Großereignisse, denen besondere gesellschaftliche Bedeutung beigemessen wird, nur gegen zusätzliches Entgelt in Bezahlfernsehangeboten empfangen werden können. Grund für diese Sonderstellung der (bisher ausnahmslos sportlichen) Großereignisse ist die ihnen zugeschriebene wichtige gesellschaftliche Funktion, genauer gesagt die durch sie offerierte integrativ wirkende Identifikationsmöglichkeit für den Fernsehzuschauer. Daher sollen Übertragungen von Veranstaltungen, denen eine derart herausgehobene Integrationswirkung zugeschrieben wird, zeitgleich, also live (siehe Kurzberichterstattungsurteil des BVerfG), dem allgemeinen Fernsehpublikum frei zugänglich sein.

Unter einer „frei zugänglichen“ Fernsehsendung versteht man ein Angebot, für das der Zuschauer, abgesehen von ohnehin zu entrichtenden Gebühren (Rundfunkgebühren, Kabelgebühren u. ä.) kein besonderes zusätzliches Entgelt zu leisten hat. Darüber hinaus müsste das Finale „allgemein zugänglich“ sein, was bedeutet, dass die Mehrzahl der deutschen Fernsehhaushalte das Programm auch empfangen können. Den geforderten Versorgungsgrad dürften insofern neben den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF u. a. die kommerziellen Free-TV-Sender der RTL Gruppe und der ProSiebenSat.1 Media SE erfüllen.

Reicht Jürgen Klopp als Trainer für eine deutsche Beteiligung?

Bleibt die Einschränkung des § 4 Abs. 2 S.1 Nr. 5 RStV, wonach zu Großereignissen zwar „Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, UEFA-Cup)“ zählen, jedoch nur, wenn diese bei „deutscher Beteiligung“ stattfinden.

Juristisch dürfte allein Jürgen Klopp als Trainer vom FC Liverpool nicht ausreichend sein, um hier eine deutsche Beteiligung im Sinne des § 4 RStV zu unterstellen. Erörtert man hier den Sinn und Zweck der Norm, dann muss man zu dem Ergebnis kommen, dass von der Norm allein deutsche Fußballvereine umfasst sein sollen und keine Einzelpersonen eines Vereins. Schließlich lautet es auch „Vereinsmeisterschaften unter deutscher Beteiligung“ und die meisten Zuschauer dürfte am ehesten das durch die Mannschaften erzielte Ergebnis interessieren und nicht welcher Trainer die Teams zum Erfolg gecoacht hat.

Würde man eine deutsche Beteiligung bereits an Einzelpersonen festmachen, dann wäre der Anwendungsbereich uferlos, da sich so mittlerweile bei zahlreichen europäischen Spitzenvereinen eine deutsche Beteiligung konstruieren ließe. Man denke hier nur an Toni Kroos (Real Madrid), Emre Can (Juventus Turin), Thomas Tuchel und Julian Draxler (beide Paris) sowie an Leroy Sane und Ilkay Gündogan (beide Manchester City). Diese Aushöhlung der Norm kann nicht im Interesse des Gesetzgebers gewesen sein.

Pay-TV-Sender lassen sich inzwischen die Exklusivrechte Milliarden kosten. Würden gerade die von besonderem Interesse geprägten Spitzenspiele zum Ende einer Saison hin aufgrund einer vermeintlich deutschen Beteiligung nahezu allesamt im Free-TV zu sehen sein, so würde das Konzept des Pay-TV schlicht ad absurdum geführt. Es ist gerade Sinn und Zweck des ausschließlichen Lizenzerwerbs, dass Pay-TV-Sender attraktive Sportereignisse exklusiv ausstrahlen können.

Im Ergebnis muss daher festgehalten werden: Findet das Finale wie in diesem Jahr ohne eine deutsche Mannschaft statt, so guckt der deutsche Zuschauer – so nachvollziehbar der Ärger darüber auch sein mag –  in die Röhre. Ein Jürgen Klopp macht noch keine deutsche Beteiligung.

tsp