Wirtschaftsrecht

Vorsicht Bankkunden – Datenklau an Geldautomaten nimmt zu

Kriminelle versuchen mit allen Mitteln an die Bankdaten deutscher Kunden zu kommen. Da Milliardeninvestitionen in mehr Sicherheit getätigt wurden, lassen sich die Daten immer seltener zu Geld machen. Experten mahnen Verbraucher trotzdem zur Wachsamkeit.

 Vorsicht Bankkunden - Datenklau an Geldautomaten nimmt zu ©-cirquedesprit-Fotolia

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Mitte Oktober 2016 kam es zu einem Ermittlungserfolg am Frankfurter Flughafen. Zwei Asiaten wurden von der Bundespolizei festgenommen, die mit einer professionellen Ausrüstung zum Ausspähen von Kreditkartendaten aus der Karibik eingeflogen waren. Ihr Ziel waren Kreditkartendaten deutscher Bankkunden.

Hohe Bonität deutscher Bankkunden

Deutsche Bankkunden sind bei Kriminellen sehr beliebt. In einem Bericht des Bundeskriminalamtes (BKA) wurde festgestellt, dass Inhaber von Zahlungskarten deutscher Emittenten im internationalen Vergleich über eine hohe Bonität verfügen. Deshalb seien deren Karten und Kartendaten auch ein bevorzugtes Ziel von Straftätern. Aus diesem Grund schlagen Datendiebe auch häufiger an Geldautomaten in Deutschland zu, obwohl es für sie immer schwieriger wird ausgespähte Kartendaten und Geheimnummern (PIN) zu verwerten und zu Geld zu machen. Die aktuelle Statistik von Euro Kartensysteme zeigt, dass bis einschließlich November diesen Jahres bundesweit 153 Geldautomaten manipuliert wurden. Im Jahr 2015 wurden im Vergleich 118 Fälle erfasst.

Geringerer Bruttoschaden

Trotzdem ist seit Jahren eine Abnahme des Bruttoschadens durch solche Angriffe zu verzeichnen. Im Jahr 2016 lag der Bruttoschaden auf dem Rekordtief von 1,6 Millionen Euro. Noch im Jahre 2015 lag er bei 2,7 Millionen Euro, 2014 bei 3,1 Millionen und 2013 sogar bei 11,3 Millionen Euro. Nach Auffassung von Margit Schneider von Euro Kartensysteme nehmen die Attacken zu, weil es nicht mehr so einfach ist an verwertbare Kartendaten zu kommen. Euro Kartensysteme kümmert sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten. Eine Abnahme an Manipulationsversuchen ist bei Fahrkartenautomaten und Türöffnern von Banken zu verzeichnen.

EMV-Technik

Nach Einschätzung der Branche hat die Einführung der EMV-Technik Kriminellen das Ausspähen von Kreditkartendaten erschwert. Seit Ende 2010 sind in Deutschland inzwischen alle gut 100 Millionen Girocards mit EMV-Chip ausgestattet, sowie ca. 60.000 Geldautomaten und 720.000 Terminals im Handel.

Da die EMV-Technik sich weltweit immer mehr durchsetzt, müssen Kriminelle weite Reisen auf sich nehmen oder über ein gutes Netzwerk verfügen, um die in Deutschland erlangten Daten zu nutzen. Dubletten von Bankkarten funktionieren somit nur noch dort, wo Bankkarten mit einem leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgestattet sind. Euro Kartensysteme stellte bis einschließlich November in den USA (39 Prozent Schadensanteil) und Indonesien (27 Prozent) Umsätze mit in Deutschland erlangten Daten fest.

Geringer Schaden

Für die deutsche Kreditwirtschaft ergibt sich jedoch nur ein geringer Schaden. Aufgrund internationaler Abkommen müssen die Länder mit den niedrigsten Sicherheitsstandards für die entstandenen Schäden durch geklaute Kartendaten aufkommen. Nach Schätzungen der Branche bleibt von dem gesamten Schaden an Geldautomaten in Deutschland nur ca. 1 Millionen Euro an heimischen Geldinstituten hängen.

Auch die Opfer von Kreditkartenbetrug kriegen ihren Schaden grundsätzlich in voller Höhe von den Banken und Sparkassen ersetzt. Voraussetzung dafür ist ein sorgfältiger Umgang der Bankkunden mit den Bezahlkarten und dem PIN. Dies gilt selbst dann, wenn die Karte gestohlen wurde und Kriminelle anschließend damit bezahlen oder Geld abheben.

Taschendiebstahl von Zahlungskarten

Der Schaden durch Diebstahl von Zahlungskarten schlägt kräftiger zu Buche als der von Kreditkartenbetrug. Der Schaden lag Ende November 2016 bei insgesamt 14,2 Millionen Euro. Der Grund dafür ist, dass viele Verbraucher es den Taschendieben viel zu einfach machen, da sie die Geheimnummern zusammen mit den Bankkarten im Portemonnaie aufbewahren. Die Branche selber hat Milliarden in die Sicherheit investiert, nun ist zusätzlich die Achtsamkeit der Bürger gefragt. (MaSR)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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