Vertragsrecht

Wie komme ich aus meinem Fitnessstudio-Vertrag wieder heraus?

Diese Frage stellen sich viele, die sich im neuen Jahr vorgenommen haben Sport zu treiben und nun langsam feststellen, dass mancher Vorsatz nicht umgesetzt werden kann. Viele Fitnessverträge sind für eine Laufzeit von 2 Jahren angelegt. Keiner möchte für ein nicht genutztes Angebot bezahlen. RA Christian Solmecke erklärt unter welchen Umständen Kunden frühzeitig aus ihrem Fitnessstudio – Vertrag herauskommen.

Grundsätzlich gilt: Wer wichtige Gründe hat, kommt aus dem Vertrag vor Ende der Laufzeit heraus. Und das ohne Einhaltung einer etwaigen Kündigungsfrist.

Gründe, die von der Rechtsprechung als wichtig angesehen werden sind:

  1. Der Krankheitsfall

Wer Mitglied im Fitnessstudio ist und das Sportangebot aufgrund einer ernsthaften Erkrankung dauerhaft nicht mehr wahrnehmen kann, darf kündigen. Dies ist auch dann der Fall, wenn der Erkrankte grundsätzlich noch einen Teil des Angebots wahrnehmen könnte. Als Beweis kann das Studio auf ein ärztliches Attest bestehen, das die Sportunfähigkeit bescheinigt. Eine genaue Beschreibung der Krankheit darf nicht verlangt werden. Etwas anderes gilt, wenn die Erkrankung nur vorübergehender Natur ist. In diesem Fall muss sich der Kunde auf eine nur vorübergehende Aussetzung des Vertrages einlassen. Das Gleiche gilt im Falle einer Schwangerschaft.

  1. Der Umzug

Ein weiterer wichtiger Grund, der zur vorzeitigen Kündigung berechtigen kann, ist der Umzug. Zieht der Kunde um, kann er kündigen, wenn ihm aufgrund der Entfernung nicht zugemutet werden kann das Angebot des Fitnessstudios wahrzunehmen. Ab welcher Entfernung eine Unzumutbarkeit anzunehmen ist, ist nicht abschließend geklärt. Zieht das Fitnessstudio um, dann haben die Kunden in jedem Fall einen Anspruch frühzeitig aus dem Vertrag entlassen zu werden. Dies entschied zumindest das OLG Hamm, da aus seiner Sicht die Verlegung des Studios ein unzumutbarer Nachteil für den Kunden sei (Az. 17 U 109/91).

  1. Änderungen des Angebots

Schließlich steht den Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu, wenn das Fitnessstudio bestimmte Gegebenheiten nach Vertragsschluss ändert. Dabei kann es sich beispielsweise um stark verkürzte Öffnungszeiten handeln oder um eine Reduzierung der Kursangebote und Geräte. Das Fitnessstudio kann sich auch nicht darauf berufen, dass es sich im Vertrag durch die Klausel „Änderungen vorbehalten“ bestimmte Veränderungen offen gelassen hat. Eine solche Klausel benachteiligt den Kunden unangemessen, da sie nicht transparent genug ist und der Kunde nicht informiert wird, was ihn gegebenenfalls zu erwarten hat. Somit ist eine solche Klausel immer unwirksam.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Bewertungen, Durchschnitt: 3,00 von 5)

RSSKommentare (1)

Kommentar schreiben | Trackback URL

  1. Dude sagt:

    Ich war mal so blöd und habe einen Vertrag im Fitness-Studio abgeschlossen um dieses einfach mal zu testen. Und das alles in der Hoffnung, daß man doch in jedem Vertrag eine bestimmte Frist für ein Widerrufsrecht findet. War aber nicht so.
    Um aus dem Vertrag nach einer Testphase (die es nicht gab) wieder rauszukommen, war ich natürlich auch bei einem Anwalt der aber nur lapidar meinte, daß in Deutschland niemand jemand ein Widerrufsrecht einräumen muß. Pech. Und Dummheit natürlich. Aber aus (teuren) Fehlern kann man ja nur lernen, und deshalb hab ich bis heute keinen einzigen Vertrag mehr abgeschlossen. Selbst mein Smartphone läuft nur mit Prepaid. Versicherungen hab ich keine außer die gesetzliche Kfz-Haftpflicht. Im Notfall gibt es ja noch die gute alte Privatinsolvenz.
    Ich mach mich von niemand mehr abhängig und ich werde mich auch nicht diesem System anpassen. Die „GEZ“ hat mich übrigens bis heute nicht gefunden. Auch nicht mit dem neuen System. Ich werde mir so wenig vorschreiben lassen wie nur möglich.
    Ab jetzt werde ich nur noch den Staat und irgendwelche reichen Abzocker-Schweine ausrauben. Zum Beispiel kein Fileharing mehr, sondern nur noch OCH.
    Ein Pfändungsschutzkonto habe ich übrigens auch obwohl nichts gepfändet wird. Meine Schufa-Bonität ist wahrscheinlich die beste und feinste in ganz Deutschland, denn da steht nur mein Giro- bzw. Pfändungsschutzkonto drin. Sonst nichts. Ich lass mir in diesem Land nicht mehr an die Karre pissen. Und ich werde niemand mehr einen einzigen (nutzlosen) Euro in den Arsch schieben. Mit ALG II lässt sich übrigens am besten leben. Man muß nur wissen wie. Denn ICH nehme diesen Staat aus und nicht andersrum. Der Staat hat mir jahrelang gezeigt wie man es machen muß. Keine Gnade zeigen und alle bis auf den letzten Cent ausnehmen. Das kann ich auch!

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×