Vertragsrecht

Probleme beim Eurosport-Player – Welche Rechte haben Kunden?

Nachdem Sky nicht mehr die alleinigen Bundesliga-Übertragungsrechte hält, überträgt die Discovery-Tochter Eurosport 45 Spiele der aktuellen Bundesliga-Saison 2017/18. Doch der Eurosport-Player läuft nicht wie geplant und so macht sich bereits nach drei Spieltagen Ärger unter tausenden Fußballfans breit. Medienanwalt Christian Solmecke erläutert, welche rechtlichen Möglichkeiten zahlende Eurosport-Kunden haben. 

Fan-Frust wegen schlechtem Fußballbild

Die neue Bundesligasaison 2017/18 hat gerade erst begonnen, doch tausende Fußballfans sind bereits höchst verärgert. Da ist einerseits der Unmut der zahlenden Sky-Kunden, denn der jahrelange Werbeslogan „Alle Spiele alle Tore“ gilt seit dieser Saison nicht mehr. Der Grund: Das US Unternehmen Discovery Communications hat sich die Rechte für immerhin 45 Partien der Bundesliga gesichert. Sky verlor damit die exklusiven Übertragungsrechte im TV und muss diese künftig mit der Discovery Tochter Eurosport teilen.  Sky-Kunden können künftig alle Freitagsspiele (20.30 Uhr), fünf Spiele, die am Sonntag zur neuen Anstoßzeit um 13.30 Uhr stattfinden und die fünf Montagspartien (20.30 Uhr, sowie die Relegationsspiele der 1. und 2. Bundesliga nicht mehr mit ihrem Abo empfangen. Hier gucken Sky-Kunden in die Röhre. Um  die restlichen 45 Partien sehen zu können, benötigen Kunden neben ihrem vorhandenen Sky-Abo seit dieser Saison zusätzlich noch ein weiteres kostenpflichtiges Eurosport-Abo.

Ob Sky-Kunden ein Sonderkündigungsrecht haben, haben wir ausführlich in unserem Beitrag „Haben Sky-Kunden nun ein Sonderkündigungsrecht?beantwortet.

Doch auch ein weiteres Ärgernis sorgt derzeit für erhitzte Gemüter.

Genervte Fußball-Fans – Eurosport mit massiven Übertragungsproblemen

Denn zig tausende Fußballfans haben zusätzlich ein Eurosport-Player-Abonnement abgeschlossen, um so auch die restlichen 45 Partien, die Sky nicht mehr überträgt, sehen zu können. Doch von Fußball war für viele zahlende Kunden bislang nicht viel zu sehen. Während zunächst am zweiten Spieltag beim Spiel des 1.FC. Köln gegen den Hamburger Sportverein (HSV) tausende Bildschirme komplett ohne Bild blieben, sahen die zahlenden Kunden eine Woche später beim Spiel HSV gegen RB Leipzig hauptsächlich unschöne Bildfragmente. Auch hier war ein Fußballerlebnis vor dem TV-Gerät nicht zu denken.

Da es, aufgrund der Spielansetzungen, gerade zu Anfang der Saison besonders den Hamburger Sportverein und dessen Fans hart getroffen hat, beschwerte sich der Verein bereits bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die mangelhafte Eurosport-Übertragung. In einem Schreiben an die DFL lautete es:Nachdem wir die Einteilung mit drei Freitagsspielen an den ersten vier Spieltagen klaglos hingenommen haben, können wir es nun nicht tolerieren, dass unsere Anhänger die den TV-Verträgen geschuldeten Leistungen an den letzten beiden Spieltagen nicht oder nur teilweise in Anspruch nehmen konnten.“ Die DFL kündigte bereits an, sich der Problemstellung anzunehmen und das Gespräch mit Eurosport zu suchen. Hauptthema dabei wird die Fragestellung sein, wie künftig die hohen Standards der Bundesliga durchgehend gewährleistet werden können. Das Ergebnis scheint offen. Unabhängig davon stellen sich zurzeit jedoch zahlreiche zahlende Kunden des Eurosport-Players die folgende Frage:

Welche Ansprüche stehen mir als zahlendem Eurosport-Kunden zu?

Medienanwalt Christian Solmecke erläutert die Rechte der Kunden: „Frustrierte Eurosport-Kunden haben tatsächlich mehrere Möglichkeiten auf den desaströsen Bundesligastart von Eurosport zu reagieren – doch die Möglichkeiten werden den Kunden teilweise nicht gefallen. Das Problem: Beim sog. Eurosport-Bundesliga-Pass handelt es sich rechtlich um einen Dienstvertrag. Das heißt: Eurosport schuldet nicht die Übertragung der einzelnen Spiele, sondern die Lizenz für den Zugang. Mit anderen Worten: Sollte bei 45 Spielen ein- bis zweimal das Bild Blau bleiben oder das Bild unschöne Fragmente kreieren, so dürfte dies rechtlich verschmerzbar sein, sofern der überwiegende Teil der 45 Spiele ordnungsgemäß übertragen wird.

Habe ich ein Recht auf Minderung? Kann ich Schadensersatz geltend machen?

Das Dienstvertragsrecht sieht leider kein Recht auf Minderung vor (anders als das Kauf- oder Werkvertragsrecht). Daher haben Kunden auch kein Recht auf Minderung des Abo-Preises.

Die einzige rechtliche Möglichkeit, wie man den Preis für sein Abo dennoch mindern kann, wäre die Aufrechnung mit Schadensersatzansprüchen wegen einer mangelhaften Leistung. Hierfür müsste man aber auch einen Schaden haben, der in mehr besteht, als in ein- oder zwei verpassten Spielen. Für private Bundesliga-Abonnenten wird es daher schwierig, ihren Schaden rechtlich ausreichend zu begründen. Anders könnte es hingegen aussehen, wenn einer Fußball-Kneipe der Gewinn entgangen ist, weil die Fans wegen der Störung wieder nach Hause gegangen sind. Diese könnten in einem solchen Fall eigentlich Schadensersatzansprüche geltend machen.

Doch gerade beim Eurosport-Bundesliga-Pass gibt es ein Problem : In den AGB steht ausdrücklich, dass eine kommerzielle Nutzung nicht gestattet ist, das Unternehmen hat jedoch die kommerzielle Nutzung für diese Saison zum niedrigen Privatnutzer-Preis erlaubt – und will erst für das nächste Jahr teurere, kommerzielle Abos entwickeln. Aber ob sich ein kommerzieller Nutzer darauf berufen und entgangenen Gewinn verlangen kann, obwohl er „nur“ ein eigentlich privates Abo abgeschlossen hat, muss zumindest angezweifelt werden. Bleibt: Einen Beschwerdebrief an Eurosport senden und dennoch um Minderung bitten. Da Eurosport jedoch bereits jedem Kunden aus Kulanz 10 Euro erstattet hat, dürften die Aussichten auf Erfolg minimal sein.

Kann ich als Kunde den Vertrag widerrufen oder kündigen?

Sollten die Probleme bestehen bleiben und Fans kein Interesse mehr an ihrem Abo haben, so könnten sie über einen Widerruf bzw. eine Kündigung nachdenken: Unproblematisch ist es, wenn man das Abo erst vor weniger als zwei Wochen abgeschlossen hat – dann kann man seinen Vertrag noch per E-Mail und zwar ohne Angabe von Gründen widerrufen. Ansonsten kann man seinen Eurosport-Vertrag unter Einhaltung der vereinbarten Laufzeit und Kündigungsfrist kündigen. Das geht mittlerweile auch problemlos per E-Mail. Hat man ein Monats-Abo abgeschlossen, so sind Kunden ihr ungeliebtes Abo schnell wieder los. Bei einem Jahres-Abo hilft diese Möglichkeit, zumindest für die aktuelle Spielzeit, wenig.

Habe ich ein Sonderkündigungsrecht?

Viele werden sich natürlich fragen, ob man als Kunde ein Sonderkündigungsrecht hat, das einen berechtigt, fristlos zu kündigen. Ein solches Recht sieht das allgemeine Dienstvertragsrecht jedoch nur aus wichtigem Grund vor. Also wenn Tatsachen vorliegen sollten, deretwegen im Einzelfall unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Abos nicht zugemutet werden kann. Und ab dem Zeitpunkt, an dem „das Maß voll ist“, also der wichtige Grund vorliegt, hat man nur zwei Wochen Zeit für die Kündigung. So ärgerlich der schlechte Bundesligastart von Eurosport bisher auch war: Aktuell waren es „erst“ zwei von insgesamt 45 Spielen, die technische Probleme aufwiesen. Kunden, die ein Jahres-Abo abgeschlossen haben, müssen sich wohl oder übel noch in Geduld üben. Ein Sonderkündigungsrecht ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht anzunehmen. Das könnte z.B. dann der Fall sein, wenn die Probleme weiterhin bestehen bleiben, in absehbarer Zeit nicht geändert werden können und so zahlreiche weitere Spiele für die Kunden nicht zu empfangen sind.  Bei Kunden die hingegen ein Monats-Abo abgeschlossen haben, könnte ein solches Sonderkündigungsrecht durchaus bestehen

Tipp: Betroffene Kunden sollten Screenshots machen und dokumentieren. Denn sollte es zum Streitfall kommen, muss der Kunde beweisen, dass Eurosport seine vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten hat. Und in den AGB von Eurosport steht, dass Eurosport nicht haftet, wenn der eigene Internetanschluss zu schlecht war. Daher ist es gut, zu notieren, wann die Ausfälle waren, diese zu dokumentieren und gegebenenfalls sich zusätzlich über das Internet auszutauschen, um zu dokumentieren, dass es anderen Nutzern auch so ging. Damit ist dann eindeutig klar, dass der Fehler bei Eurosport lag und nicht bei einem selbst. Letztlich sind in diesem Fall solche Dokumentationen aber reine Formsache, da ja offiziell klar ist, dass das Problem ein hausgemachtes bei Eurosport war.

Auch sollte man sich immer den Namen einer Person an der Hotline notieren– insbesondere wenn die Person einem wichtige Auskünfte gegeben oder bereits Zusagen wie Preisnachlässe gemacht hat und man sich später darauf berufen möchte.“


Wie in unserem Beitrag erwähnt, hat Sky 45 Spiele der Fußball Bundesliga an die Discovery Tochterfirma Eurosport verloren, die nun exklusiv diese 45 Spiele überträgt. Haben Sky-Kunden nun ein Sonderkündigungsrecht? Medienanwalt Christian Solmecke ist der Ansicht, dass Kunden ein solches Recht haben. Sky hingegen ist der Auffassung, an dem Gesamtcharakter des Bundesligapakets habe sich nichts geändert. Ein Sky-Kunde hat nun von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Die Antwort von Sky kam umgehend und macht sprachlos, denn sie ist kaum zu glauben. Alle Infos hierzu im folgenden Video:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (2)

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  1. Uwe Herrmann sagt:

    Hallo,

    ganz so problemlos läuft das aber nicht mit dem Widerrufsrecht.

    Auf meinen Widerruf per E-Mail am 10.9.2017 des am 7.9.2017 online abgeschlossenen Vertrages über den Eurosportplayer und ein Telefonat am 14.9., in wieweit mein Widerruf umgesestzt wird, erhielt ich heute folgenden Bescheid per E-Mail:
    „Sehr geehrter Herr Herrmann,

    Vielen Dank für Ihre Anfrage.

    Entgegen der bisher mitgeteilten Info, muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Vertrag bzw. Ihr bei uns abgeschlossenes Abo noch bis einschließlich dem 31.05.2018 aktiv bleibt und Sie auch verpflichtet sind, bis dahin den monatlichen Betrag von 4,99€ zu bezahlen.

    Erst für den o.a. Zeitpunkt kann ich Ihr Abo kündigen. Nach unseren aktuellen AGBs ist ein vorheriger Widerruf nicht möglich.“

    Das steht in den Nutzungsbedingungen des Eurosport Players:

    „Erlöschen des Widerrufsrechts

    Ihr Widerrufsrecht erlischt, wenn wir mit der Ausführung des Vertrags begonnen haben, nachdem Sie

    1. ausdrücklich zugestimmt haben, dass wir mit der Au sführung des Vertrags vor Ablauf der Widerrufsfrist beginnen, und

    2. Ihre Kenntnis davon bestätigt haben, dass Sie durch Ihre Zustimmung mit Beginn der Ausführung des Vertrags Ihr Widerrufsrecht verlieren.“

    Weiter heißt es in der Bestell-Bestätigungsmail von Eurosport:

    „Erlöschen des Widerrufsrechts

    Mit der Bestellung dieses Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass Sie sofort nach der Registrierung Zugang zum Eurosport Player und dessen Inhalten erhalten. Sie stimmen damit ausdrücklich zu, dass wir vor Ende der Widerrufsfrist mit der Durchführung des Vertrages beginnen und dass Sie zur Kenntnis genommen haben, dass Ihr Widerrufsrecht erlischt, sobald wir mit der Durchführung des Vertrages beginnen. Dementsprechend erklären Sie sich damit einverstanden, dass Sie nicht berechtigt sind, eine volle Rückerstattung auf Ihr Abonnement zu erhalten, falls Sie sich in Zukunft entscheiden sollten, Ihr Abonnement zu kündigen.“

    Ich trete also mit meiner Bestellung sofort von meinem Recht auf Widerruf zurück?!

    Ist das rechtens? Was nun?

  2. Dietmar Busch sagt:

    Hallo
    Mir ist das Gleiche passiert und habe es nun einen Anwalt übergeben, ja die sind ganz schön gewieft ohne das man auf sein Widerruf verzichtet kommt man bei deren Anmeldung nicht weiter ob das hier nun rechtens sein wird werden wir sehen was der Anwalt sagt

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