Vertragsrecht

Kunstwerk nicht immer mangelhaft, wenn noch nicht im Werkverzeichnis eingetragen

Das OLG Karlsruhe hat mit Urteil vom 15.10.2013 (Az. 17 U 8/13) entschieden, dass private Verkäufer grundsätzlich nicht über die Erwerbsumstände der angebotenen Produkte aufklären müssen und bei Kunstwerken dazu keine Ausnahme gelte. Ebenso sei ein Kunstwerk nicht zwangsläufig als mangelhaft zu bewerten, sofern es nicht in dem Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt ist.

 

Kunstwerk muss nicht immer in Werkverzeichnis stehen  ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Kunstwerk muss nicht immer in Werkverzeichnis stehen ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Keine Aufklärungspflichten für Privatverkäufer über Erwerbsumstände

Im vorliegenden Sachverhalt hat der Beklagte ein Kunstwerk an den Kläger verkauft, das er selber kurze Zeit vor dem Verkauf erworben hat. Das Kunstwerk selber war nicht signiert und nicht im Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt. Beim Ankauf des Beklagten wurde jedoch ein Nachweis über die Echtheit in Form einer schriftlichen Bestätigung eines Museumsdirektors vorgelegt. Der neue Käufer hat das Kunstwerk dann besichtigt und nach der Inaugenscheinnahme der schriftlichen Expertise als „echt“ gekauft.

Nach einiger Zeit ist er vom Kaufvertrag zurück getreten und hat Schadensersatz verlangt, da das Bild nicht im Werkverzeichnis eingetragen war und er davon ausging, dass das Bild gefälscht sei.

In erster Instanz wurde der beklagte Verkäufer zur Rücknahme des Bildes verpflichtet, weil er arglistig über die Herkunft des Bildes getäuscht habe und nicht ausreichend über die Erwerbsumstände aufgeklärt habe.

Gegen das Urteil legte der Beklagte Berufung ein und erhielt Recht. Das OLG Karlsruhe habe keine Zweifel an der Echtheit des Bildes. Die vorgelegten Gutachten der Sachverständigen würden deutlich machen, dass das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit echt sei. Einen verwertbaren Gegenbeweis habe der Kläger nicht erbracht.

Die Tatsache, dass das Bild nicht in dem Werkverzeichnis eingetragen ist, spielt für die Beurteilung eines Mangels keine Rolle, da der Verkäufer diese Eigenschaft nicht zugesichert habe. Darüber hinaus sei nicht davon auszugehen, dass dem Verkäufer bewusst gewesen sei, dass ein solches Werkverzeichnis existiere.

Generell habe der Verkäufer nicht auf die Umstände des Ankaufs des Bildes hinweisen müssen. Aufgrund der ihm vorgelegten Expertise, durfte er davon ausgehen, dass das Bild echt sei.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.