Wirtschaftsrecht

Steht der FC Bayern München vor der Auflösung?

Es könnte eine Löschung des FC Bayern bevorstehen. Auslöser dafür ist ein Antrag eines Juristen vor Gericht. Die Chancen für das Begehren des Juristen stehen alles andere als schlecht, weshalb die Bundesliga vor einer Grundsatzfrage stehen könnte.

 Steht der FC Bayern München vor der Auflösung?©-cirquedesprit-Fotolia

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Für viele ist die Bundesliga langweilig, weil der FC Bayern München einfach alles gewinnt. Der Wunsch vieler Fußball-Fans, dass der Verein einfach verschwindet, könnte durch den vor Gericht gestellten Antrag bald Realität werden. Vor dem Amtsgericht München ist ein Antrag von Prof. Lars Leuschner, Professor für bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Universität Osnabrück, eingegangen. Dieser beantragt nichts weniger als die Löschung des FC Bayern München e.V. aus dem Vereinsregister, da eine Rechtsformverfehlung vorliege.

Strukturelle Grundsatzfragen zur Vereinsorganisation

Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass der FC Bayern seinen Spielbetrieb einstellen muss. Sollte dem Antrag jedoch stattgegeben werden, so steht der Verein und mit ihm auch viele andere Bundesligaklubs vor einem Problem. Im Detail geht es um strukturelle Grundsatzfragen: Welche Struktur muss ein Verein haben, der in Deutschland Profifußball spielt? In welchem Umfang darf ein Verein wirtschaften? Wie viel Geld darf er umsetzen? Welchen Einfluss darf er auf seine Tochtergesellschaften nehmen?  Oder, denkt man ein bisschen weiter: Warum dürfen in Deutschland nur Vereine Fußball spielen?

Rekordumsätze beim FC Bayern

Die Aussichten, dass das Gericht dem Antrag entspricht, sind erfolgversprechend. Im Grundsatz geht es um § 21 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), der von Vereinen verlangt, einen ideellen Zweck zu verfolgen. Allenfalls dürfen Umsätze im untergeordneten Sinne erwirtschaftet werden. Dies gebietet das sogenannte Nebentätigkeitsprivileg. Wird das Nebentätigkeitsprinzip von einem Verein überschritten, so kann er gelöscht werden.

Im Falle des FC Bayern wurden alleine im Jahr 2015 beinahe eine halbe Milliarde Euro umgesetzt. Von einer Nebentätigkeit kann hier keine Rede mehr sein. Der FC Bayern bedient sich dabei jedoch eines bestimmten Prinzips. Die Profiabteilung ist ausgegliedert in Form einer Kapitalgesellschaft, an welcher der FC Bayern München e.V. 75,01 Prozent hält. Viele andere deutsche Bundesligavereine organisieren sich genau in der gleichen Form. Dadurch haben die Vereine einen enormen Einfluss auf die Profiabteilung.

Parallelen zum ADAC

Umstritten ist, welche Konsequenzen daraus folgen. In einem höchstrichterlichen Urteil des BGH von 1982 wurde entschieden, dass Mutterverein und Tochtergesellschaft eigenständig sind. Genau auf dieses Urteil beruft sich auch der FC Bayern München e.V. „Wir halten den Antrag für unbegründet und sehen uns im Einklang mit dem höchstrichterlichen Urteil.“

Mit einer ausführlichen Stellungnahme ist bis zum 20. September zu rechnen. Diese Frist hat das Amtsgericht gesetzt.

Prof. Lars Leuschner vertritt grundsätzlich dieselbe Auffassung und ist gegen eine Beanstandung von Strukturen wie sie beim FC Bayern vorzufinden sind. Das Problem sei jedoch, dass viele andere Juristen mittlerweile eine andere Meinung vertreten. „Es hat sich eine Rechtsauffassung entwickelt, die, würde man sie ernst nehmen, viele funktionierende Vereinsstrukturen vor kaum lösbare Probleme stellen würde.“ Prof. Leuschner geht es hauptsächlich darum, Rechtsklarheit zu schaffen.

Anhand eines Präzedenzfalls versucht Leuschner dies zu verdeutlichen. 2014 wurde der ADAC stark kritisiert, da er seine Preisverleihungen manipuliert hatte. Im Anschluss darauf folgte eine umfassende Umstrukturierung, weil der Verein sehr hohe Umsätze vorweisen konnte und so keinem ideellen Zweck mehr entsprach. Im Falle des ADAC wurde, so Leuschner, eine „Entherrschung“ vorgenommen. Der Verein verringerte den Einfluss auf die Wirtschaftsdienste in starkem Maße und entging so einer Löschung.

Amtsgericht München war auch für ADAC zuständig

Auch im Falle des ADAC war das Amtsgericht in München zuständig, da der ADAC seinen Hauptsitz in München hat. Das Besondere daran ist, dass das Gericht gerade der Rechtsprechung des BGH schon mehrfach widersprochen hat, weshalb die Ansicht des Amtsgerichts als hochproblematisch bezeichnet werden kann. Die Reform des ADAC kostete insgesamt etwa 40 Millionen Euro.

Einigkeit herrscht unter den Juristen dahingehend, dass die Fälle des ADAC und des FC Bayern München sehr ähnlich sind. Bei beiden Vereinen ist der Umfang der wirtschaftlichen Betätigung enorm groß, der des ADAC sogar noch größer. Es gilt jedoch zu beachten, dass der ADAC über 19 Millionen Mitglieder verfügt, während der FC Bayern München nur 270.000 Mitglieder zählt.

Würde das Gericht seiner bisherigen Rechtsprechung folgen, wäre die Löschung des politisch wichtigen und mächtigen FC Bayern München e.V. die logische Konsequenz. Eine andere Möglichkeit wäre es, den Einfluss auf die Profiabteilung stark zu drosseln. Betrachtet man die derzeitige Organisation des Vereins, wäre dies ein großer Einschnitt. Zum einen ist der Vereinspräsident zugleich der Vorsitzende des Aufsichtsrats und zum anderen bestimmt er maßgeblich das operative Geschäft und ernennt und entlässt die Vorstände. All dies wäre in der Form nicht mehr möglich. Da bim FC Bayern München eine klassische Vereinsmentalität vorherrscht, käme eine solche Entscheidung einem Kulturbruch gleich.

Rechtsbruch im deutschen Fußball

In keinem Fall ist aber nur der FC Bayern betroffen. Generell lässt sich der deutsche Fußball als Vereinskultur bezeichnen, die auch in den Satzungen der Verbände verankert ist. Die sogenannte 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL) setzt zur Lizenzvergabe voraus, dass die Vereine die Mehrheit der Stimmen innehaben müssen. So dürfen nur Vereine in den Ligen Fußball spielen.

Unternehmen wie Apple oder Siemens haben keinen Zugang zur Liga. Ein brisantes Beispiel ist hier aktuell RB Leipzig. Angeblich wird sich nur auf dem Papier an die Regel gehalten, so dass viele Kritiker von einer Umgehung der Regelung sprechen. Ähnliches, wenn auch in anderer Form, ist auch bei Schalke 04, Mainz 05 oder dem VfB Stuttgart zu beobachten. Die Vereine haben ihre Profiabteilung gar nicht ausgegliedert. Davon, dass von den Vereinen mit der Profiabteilung ein lediglich ideeller Zweck verfolgt wird, kann nicht ausgegangen werden. Leuschner bezeichnet die Struktur der Vereine als rechtswidrig und spricht sogar von einem „tolerierten Rechtsbruch.“ (MaSR)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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