Wirtschaftsrecht

Razzia bei Schlecker

Es ist nun ernst geworden bei Schlecker. Nach der offiziell gewordenen Pleite hat des Staatsanwaltschaft begonnen gegen Anton Schlecker zu ermitteln. Im ganzen Bundesgebiet wurden Razzien durchgeführt und Unterlagen sichergestellt.

Sogar im Haus von Anton Schlecker ist eine Durchsuchung erfolgt. Ca. 170 Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten im Juli 18 Wohnungen und 4 Geschäftsräume u.a. in Berlin, Bayern, Hessen, NRW, Niedersachsen. Auch die Zentrale von Schlecker und zwei Büros in Ethingen (Schwaben), sowie die Zentrale der Schleckertocher IhrPlatz wurden unter die Lupe genommen.

 

Es gibt nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Stuttgart 14 Beschuldigte. Darunter sowohl Verantwortliche des Unternehmens, als auch Mitarbeiter. Namen wurden jedoch nicht genannt. Der Verdacht besteht auf Untreue, Bankrott, Insolvenzverschleppung. Diese können jeweils mit mehrjährigen Freiheitsstrafen geahndet werden.

 

Ausreichend Hinweise, die für eine Durchsuchung notwendig sind, hätten laut Staatsanwaltschaft bestanden. Auch sei es Routine, dass bei einem Insolvenzantrag sogenannte Vorermittlungen geführt werden. Diese hätten zu weitergehenden Verdachtsgraden geführt und daher die Durchsuchungen gerechtfertigt. Seit geraumer Zeit hat es, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Verschiebungen im Bereich des Vermögens gegeben. Es sind danach Grundstücke und Wertgegenstände verschoben worden, um nicht in die Insolvenzmasse überzugehen. So soll Anton Schlecker Grundstücke in Österreich an seine 2 Kinder für angeblich 7 Mio. € verkauft haben. Die Gewerkschaft Verdi hatte dies öffentlich gemacht und gedroht, Anton Schlecker zu verklagen. Die Kaufpreise sollen weit unter dem Marktwert gelegen haben.

 

Der Sprecher des Insolvenzverwalters gab an, sie seien vorab von der Staatsanwaltschaft informiert worden. Es würde eine Zusammenarbeit bestehen, auch seien solche Ermittlungsmaßnahmen ganz normal. Auch seien alle geschäftlichen Beziehungen der letzten Jahre überprüft und rückgängig gemacht worden, wenn die Preise zu niedrig waren, oder die Bedingungen nicht gestimmt haben.

 

Anton Schlecker hatte die deutsche Drogeriekette vor 37 Jahren gegründet. Rund 40.000 Beschäftigte arbeiteten für diese Kette. Den Gläubigern schuldet er rund 665 Mio. €.

 

Ende Juni wurden auch die letzten Filialen geschlossen. Lediglich einige IhrPlatz Filialen sind noch geöffnet, doch auch diese Kette ist als Tochterfirma von Schlecker pleite. Da die Schlecker-Kette nicht als Ganzes zu verkaufen war, wurde sie von den Gläubigern gesplittet, für einige ihrer Töchter haben sich jedoch noch keine Käufer gefunden.

 

Da Anton Schlecker seine Drogeriekette als e.K. (eingetragener Kaufmann) führte, ist er zugleich in der Privatinsolvenz. Diesbezüglich ist ihm aber eine Insolvenzverschleppung nicht vorzuwerfen. Privatpersonen können, müssen aber einen solchen Antrag nicht stellen.

 

Seit Bekanntwerden der Insolvenz hat sich Anton Schlecker nicht öffentlich geäußert. Lediglich seine Kinder teilten mit, sie würde ihm finanziell weiterhelfen. Er würde zudem kein Vermögen mehr besitzen. Ihr Vater habe auch die Insolvenz nicht mit eigenem Vermögen verhindern können, da nichts da gewesen wäre und in den letzten Jahren zudem bereits viel verloren wurde. Darunter befinden sich eigene Einlagen im Wert von 49 Mio. €, sowie 64 Mio. € einer Dienstleistungsgesellschaft.

 

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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