Internetrecht

LG Berlin: Prepaid-Kunde braucht Handyrechnung in Höhe von 14.727,65 Euro nicht zu bezahlen

Viele Kunden gehen bei einem Prepaid-Handy davon aus, dass sie höchstens den aufgeladenen Betrag an den Mobilfunkanbieter bezahlen müssen. Umso erstaunter war der Besitzer eines solchen Handys, als er plötzlich eine teure Rechnung in seinem Briefkasten vorfand.

 

Als der die Rechnung in Höhe von 14.726,65 Euro wegen angeblicher Internetnutzung nicht bezahlen wollte, kannte der Anbieter keine Gnade. Er berief sich darauf, dass der Kunde die Option automatische Aufladung gewählt habe, die sich “ Webshop-Wiederaufladung 10“ nannte. Hier dürfe der Anbieter beim Überschreiten des aufgeladenen Betrages die Aufladung in unbegrenzter Höhe fortschritten. Und dies sei hier notwendig gewesen.

 

Der Kunde konterte damit, dass der Sinn eines Prepaid-Vertrages gerade darin liegt, dass man nur höchstens den aufgeladenen Betrag entrichten muss.

 

Das Landgericht Berlin stellte sich in seinem Urteil vom 18.07.2011 (Az. 38 O 350/10) auf die Seite des Kunden. Dieser braucht aufgrund des abgeschlossenen Prepaid-Vertrages nur davon auszugehen, dass Gespräche nur durch Aufladung über das Guthabenkonto oder einmalig in Höhe von 10 Euro abgerechnet werden. Darüber hinaus darf die automatische Aufladeoption kein Freibrief für Abzocke sein. Das bedeutet, dass der Mobilfunkanbieter hier ohne ausdrückliche Genehmigung des Verbrauchers nur einmal einen Betrag in Höhe von 10 Euro aufladen darf.

 

Infolgedessen wurde der Kunde vom Landgericht Berlin lediglich zu der Zahlung eines Betrages in Höhe von 10,- Euro verurteilt. Das bedeutet, dass der Anbieter auch fast für die kompletten Kosten des Verfahrens aufkommen muss.

 

 

Dieses Urteil ist sehr zu begrüßen, weil Verbraucherverbände gerade Kunden mit einem schmalen Geldbeutel die Nutzung eines Prepaid-Handys empfehlen. Denn hier ist normalerweise eine gute Kostenkontrolle gewährleistet.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. katabi sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herrn,
    ich habe von Discotel Prepaid Karte gekauft „Prepaid-Tarif mit Manuelle Aufladung gewählt“
    Aber leider habe ich Rechnung im Wert von 70,45 Euro bekommen
    und Danach Mahnbescheid im wert von 149 bekommen.
    die Firma sagt das ist negativ Saldo.
    Aber man kauft Prepaid karte, um die kosten sicherlich zu kontrollieren.
    nicht um 149 in einem Tag zu bezahlen.
    ich glaube alle Verbraucher mussen gegen Pseudo Prepaid Tarif kämpfen.
    wir mussen zusammen Verbraucher und Rechtanwälte zusammen gegen Pseudo Prepaid Tarif sein.

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