Wirtschaftsrecht

FG Münster: Gewinne aus Pokerturnieren stellen gewerbliche Einkünfte dar

Der 14. Senat des Finanzgerichts Münster hat durch Urteil vom 18.07.2016 entschieden, dass Gewinne aus Pokerturnieren und sogenannten Cash Games zu gewerblichen Einkünften führen können (Az. 14 K 1370/12 E.,).

 FG Münster: Gewinne aus Pokerturnieren stellen gewerbliche Einkünfte dar ©-Thomas-Jansa-Fotolia

FG Münster: Gewinne aus Pokerturnieren stellen gewerbliche Einkünfte dar ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Kläger war professioneller Pokerspieler

Der Kläger selber war ein Pokerspieler, der in Jahren 2005 bis 2007 insgesamt 91 Pokerspiele in Europa bestritt. Außerdem nahm er an in Spielbanken stattfindenden Cash Games teil. Bei diesen speziellen Pokerrunden kann jeder Teilnehmer jederzeit einsteigen und, gegen Auszahlung möglicher Gewinne, auch jederzeit wieder aussteigen.

Der große Erfolg des Klägers führte aber nicht nur zu Berichten über denselbigen im Internet und der Presse. Vielmehr machte er  das Finanzamt auf ihn aufmerksam. Dieses qualifizierte die erzielten Pokergewinne als gewerbliche Einkünfte, die der Einkommens- und Gewerbesteuer unterliegen. Der klagende Pokerspieler hingegen war der Meinung, dass die Gewinne nicht der Steuerpflicht unterlägen. Denn sie würden aus Glücksspielen stammen.

Pokerturniere sind kein Glücksspiel

Das Finanzgericht Münster kam zu dem Ergebnis, dass der Kläger mit seiner Teilnahme an den Pokerturnieren und Cash Games die Merkmale eines Gewerbebetriebs erfüllt hat. Insgesamt qualifizierte das Gericht die vom Kläger bestrittenen Turniere nicht als Glücksspiele und berief sich dabei auf Ergebnisse verschiedener wissenschaftlich-mathematischer Untersuchungen. Demnach sei bei Pokerturnieren, an denen Spieler teilnehmen, deren Fähigkeiten über diejenigen von Durchschnittsspielern hinausgehen, nicht das Zufallsmoment entscheidend, sonder das Geschicklichkeitsmoment und die Spielerfahrung. Außerdem handelte der Kläger als Pokerspieler selbständig und war mit seiner starken Teilnahme an Turnierveranstaltungen auch nachhaltig tätig. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass der Kläger beim Spielen immer mit Gewinnerzielungsabsicht handelte und sich somit am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligte.

Hinzu komme, dass der Kläger die Grenze zur privaten Vermögensverwaltung überschritten habe. Der Grund hierfür sei die Tatsache, dass der Kläger nicht nur seine privaten Spielbedürfnisse befriedigt hat, wie es bei Hobbyspielern der Fall ist.

Revision möglich

Aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Sache wurde die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. (MaSR)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.