Wettbewerbsrecht

„Zinsen bis zu 2,75 %“: Postbank lockt Kunden mit irreführender Werbung

Die Postbank reagiert auf eine Abmahnung der Verbraucherzentralen und korrigiert ihre Werbung, mit der sie ihren Kunden bis zu 2,75 % Zinsen versprach.

Irreführung, Postbank, Zinsen

© ilro-Fotolia

Dieses für die Kunden – in Zeiten magerer Zinsen – äußerst lukrativ klingende Versprechen galt bei einer Einzahlung im Rahmen der Postbank Aktion Gewinn-Sparen. Doch es gibt da einen kleinen Haken. Diesen Zinssatz erhält man nicht einfach so. Vielmehr kommt nur derjenige in den Genuss dieses Zinssatzes, wer 50.000 € einzahlt und sodann bei der Auslosung des Gewinn- Bonus Glück hat. Die Höhe des Gewinnbonus hängt von den Gewinnziehungen der „Aktion Mensch“ ab.

Aufgrund der Mahnung wegen Irreführung hat die Postbank nunmehr ihre Werbung durch den Zusatz „für bis zu sechs Monate“ ergänzt. Denn die höchstmögliche Basisverzinsung des Pakets ist nur auf diesen Zeitraum beschränkt.

Und trotzdem ist dies nur die halbe Wahrheit. Denn 2,75 % Zinsen für sechs Monate sind fast unmöglich. Die Verzinsung setzt sich nämlich aus drei Komponenten zusammen. Der Basiszins für sechs Monate liegt bei bis zu 1,15 %, einem Extrabonus von 1,0 % – und eben besagten Gewinnbonus, der abhängig von der Gewinnziehung „Aktion Mensch“ ist. Entscheidend sind dabei die letzten beiden Endziffern der Gewinnzahl. Je höher sie ist, desto höher fällt auch der Gewinn-Bonus im jeweiligen Monat aus. Liegt die Endziffer zwischen 00 und 20, gibt es 0,1 % Bonus beim Zinssatz. Für die Endziffern 21 bis 40 gibt es 0,15%, für die 41 bis 60 0,2%, für die 61 bis 80 0,25%. 0,6 % Gewinn-Bonus gibt es im Monat nur dann, wenn eine Endziffer zwischen 81 und 99 fällt.

Um also 2,75 % Zinsen für sechs Monate zu erhalten, benötigt man sechsmal hintereinander Glück bei der Gewinnziehung. Kurz: Man braucht mehr Glück als bei einem Sechser im Lotto.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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