Medienrecht

ZDF-Mediathek-App: Lösungsmodell im Tagesschau-App-Streit?

Im Streit um die Tagesschau-App hat der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe WAZ und Vorsitzender der NRW-Zeitungsverleger, Christian Nienhaus, die Klage mehrer Verlage verteidigt. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Wenn es dazu einer rechtlichen und medienpolitischen Klärung bedarf, dann ist auch eine hartnäckige Auseinandersetzung in Kauf zu nehmen. Eine textbasierte Berichterstattung von ARD und ZDF stößt massiv in den Kernbereich der Presse vor und zählte noch nie zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.“ Die klagenden Verlage fürchten finanzielle Einbußen durch das kostenlose Tagesschau-App und sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung.

Verhärtete Fronten

„Wir fordern, dass ARD und ZDF auf presseähnliche Texte verzichten. Audios und Videos hingegen gehören zum öffentlich-rechtlichen Auftrag und könnten auch im Internet angeboten werden“, so Nienhaus weiter im dpa-Interview. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel betonte dagegen in einem dpa-Interview: „Ich sehe nicht, dass wir mit der „Tagesschau“-App das Geschäft der Zeitungsverlage kaputt machen. Die „Tagesschau“-App ist schließlich keine Zeitung, sondern bietet genau das, was es seit 1996 bereits auf „tagesschau.de“ gibt.“ Vor allem wachsend Verbreitung von Smartphones in Deutschland sieht Piel als Legitimation für das App. Diese Entwicklung „kann und darf die ARD nicht ignorieren. Unser Publikum erwartet – zu Recht – dass es die Inhalte, für die es Rundfunkgebühren bezahlt hat, auch auf allen relevanten Endgeräten abrufen kann.“

Gesprächsbereitsschaft

Zugleich zeigte sie Gesprächsbereitschaft: „“Möglich wäre, bei der „Tagesschau“-App den Video- und Audioanteil noch weiter in den Vordergrund zu rücken, auch wenn ich für den anhängigen Rechtsstreit keine unmittelbare Veranlassung sehe.“ Zwar sei bereit,über Kompromisse zu sprechen, aber stellte zugleich klar, dass es ohne begleitende Texte nicht gehen werde.

Nienhaus verwies auf die App der ZDF-Mediathek, welche ein Beispiel dafür sei, dass es auch ohne ausschweifende Texte gehe.

ZDF-Mediathek-App als Modell für eine ideale Lösung?

Das ZDF hatte vor gut einer Woche seine Mediathek-App, gestartet, die mittlerweile bereits 390.000 Downloads verzeichnen kann. Damit liegt sie auf dem ersten Platz der kostenlosen App-Downloads. Über die Anwendung können die Nutzer auf die Online-Videos des ZDF zugreifen. Neben Sendungen und Beiträgen aus der Mediathek kann man über die App die „Heute“-Sendung um 19 Uhr und das „Heute Journal“ im Live-Stream anschauen. Das Angebot ist kostenlos für Apple und Android erhältlich. ZDF-Chefredakteur Peter Frey. „Eine immer mobilere Gesellschaft will sich zu jeder Zeit und auf allen Wegen seriös informieren können. Die Mediatheks-App des ZDF ist unsere Antwort darauf.“

Im Gegensatz zu der geplanten Tagesschau-App verzichtet das mobile Angebot des ZDFs komplett auf ergänzende Texte. Peter Frey bezeichnete die Mediathek-App deswegen auch als „Friedensangebot an die Verleger“.

„Wenn nach diesem Modell künftig alle öffentlich-rechtlichen Angebote auf Tablets und Smartphones gestaltet werden, dann ist der Konflikt zwischen Verlagen und den Rundfunksendern gelöst“, lobte Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ) die Anwendung in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es dort: „Weg mit den textdominanten presseähnlichen Produkten, stattdessen Bewegtbildangebote mit einigen knappen Textzeilen. So sollte auch die Tageschau für Tablets und Smartphones produziert werden“, so Wolff.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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