Wettbewerbsrecht

Werbung mit Testergebnissen – 5 Grundregeln

 

Gute Testergebnisse spielen bei der Kaufentscheidung des Verbrauchers eine immer wichtigere Rolle. Ob Stiftung Warentest, Öko-Test oder andere – die Testsiegel versprechen eine unabhängig geprüfte Produktqualität. Klar, dass die Unternehmen auf diesen Werbeeffekt nicht verzichten möchten. Dennoch muss bei der Werbung mit Testergebnissen einiges beachtet werden, um einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zu vermeiden.
Aus diesem Grund zeigen wir hier die 5 wichtigsten Regeln, die Unternehmen bei der Werbung mit Testergebnissen beachten müssen.


1. Fundstelle klar erkennbar nennen

Die Fundstelle des Tests muss klar und leicht zugänglich angegeben werden (BGH Urt. v. 16.07.2009 – I ZR 50/07). Der normal sehende Verbraucher muss in der Lage sein, die Fundstellenangabe lesen zu können. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn mindestens die Schriftgröße 6 verwendet wir (OLG Celle, Urteil vom 24.02.2011 – 13 U 172/10, andere Ansicht.: LG Bonn). Auch die grafische Gestaltung kann bei Beurteilung der Lesbarkeit eine Rolle spielen. So ist eine schwarze Schrift auf grauem Hintergrund nicht ausreichend, um eine klare Erkennbarkeit anzunehmen (OLG Koblenz, Urteil vom 14.03.2012, Az. 9 U 1248/11).
Fehlt es an einer ausreichend erkennbaren Fundstelle des Testergebnisses, so ist dies genauso zu werten, wie eine komplett fehlende (OLG Celle, Urteil vom 24.02.2011 – 13 U 172/10). Es liegt ein abmahnfähiger Verstoß gegen § 5a UWG vor.

2. Zutreffende Wiedergabe des Testergebnisses

Das Testergebnis muss selbstverständlich wahrheitsgemäß wiedergegeben werden. Zulässig ist es jedoch, die Werbung nur auf eine Testkategorie zu beschränken, sofern hierdurch nicht ein schlechtes Gesamtergebnis verschleiert werden soll. Eine Kaffeemaschine darf daher mit „sehr gut für Kaffeearoma“ beworben werden, wenn die Maschine insgesamt als „gut“ bewertet wurde (OLG Celle, Urteil vom 19. 5. 2005 – 13 U 22/05).
Das Testergebnis muss sich genau auf das beworbene Produkt beziehen. Bezieht es sich auf ein ähnliches Produkt des Herstellers ist die Werbung auch dann irreführend, wenn das getestete Produkt mit dem beworbenen technisch baugleich und äußerlich ähnlich ist. Wird jedoch lediglich die Verpackung des getesteten Produkts verbessert, ist die Werbung mit dem Testergebnis des Produkts in seiner ursprünglichen Verpackung zulässig (OLG Köln, Urteil vom 23. 2. 2011 – 6 U 159/10). Auch die Bewerbung einer Zusatzkrankenversicherung mit „sehr gut“ ist zulässig, wenn die allgemeine Krankenversicherung mit „mangelhaft“ abgeschnitten hat (OLG München, Urteil vom 04.11.1999 – 29 U 3092/99).

3. Keine Werbung mit überholten Testergebnissen

Wenn das Testergebnis durch eine neuere Untersuchung oder eine Veränderung der Marktverhältnisse überholt ist, kann dies eine Irreführung darstellen (BGH 02.05.1985 – I ZR 200/83). Insbesondere bei Produkten, die einer enormen Entwicklung unterliegen, z.B. Digitalkameras oder Flatscreens, kann eine Werbung mit einem alten Testergebnis daher wettbewerbswidrig sein.

4. Keine Werbung mit nicht repräsentativen Tests

Mit Testergebnissen darf nur geworben werden, wenn diese auf einer repräsentativen Untersuchung beruhen. Die Werbung mit einem „Konsumententest“ bei nicht repräsentativem Ergebnis ist daher irreführend (OLG Köln, Urteil vom 10.12.2010 – 6 U 112/10). Resultiert das Testergebnis nur aus einer stichprobenartigen Auswahl, muss die Werbung auf diesen Umstand auch hinweisen.

5. Keine Irreführung über Verhältnis zur Konkurrenz

Die Werbung darf nicht über das den Stand des beworbenen Produkts gegenüber Konkurrenzprodukten irreführen. Daher ist es unlauter mit dem Ergebnis „Test gut“ zu werben, wenn dieses Ergebnis unter dem durchschnittlichen Ergebnis der Konkurrenzprodukte liegt (BGH, Urteil vom 11-03-1982 – I ZR 71/80).
Doch auch bei einem überdurchschnittlichen Testergebnis kann eine Aufklärung des Verbrauchers über den Stand des beworbenen Produkts im Vergleich zur Konkurrenz geboten sein. So muss bei einem Fernsehspot, in dem ein Nassrasierer mit „gut“ beworben wird, deutlich gemacht werden, auf welchem Rang des beworbene Produkt steht, wenn mehrere Konkurrenzprodukte mit „sehr gut“ beworben wurden (OLG Frankfurt a. M., Beschl. v. 13. 1. 2011 − 6 W 177/10).

 

Sie sind sich unsicher, wie Sie ihr Produkt bewerben dürfen? Gerne prüfen wir Ihre Werbung auf einen möglichen Wettbewerbsverstoß.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (1)

Kommentar schreiben

  1. […] sollte man als werbendes Unternehmen einige Grundregeln im Hinblick auf die Werbung mit Testergebnissen […]

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.