Wettbewerbsrecht

Vectoring: Pläne der Telekom zu Netzausbau stark umstritten

Der von der Telekom geplante Ausbau des Internetnetzes durch sogenanntes Vectoring führt deutschlandweit zu starken Diskussionen. Für den Fall, dass  die Bundesnetzagentur dem Vorhaben der Telekom grünes Licht geben sollte, drohen Wettbewerber der Telekom mit einer Verfassungsbeschwerde.

 Vectoring: Pläne der Telekom zu Netzausbau stark umstritten ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Vectoring: Pläne der Telekom zu Netzausbau stark umstritten ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Beim Vectoring handelt es sich um eine Technologie durch die bereits bestehende Kupferleitungen eine wesentlich höhere Leistungsfähigkeit erreichen. Durch elektromagnetische Impulse sollen die Kupferleitungen entstört werden und so für schnelleres Internet sorgen. Liegt derzeit die maximale Übertragungsgeschwindigkeit noch bei 50 Megabits pro Sekunde vor, verspricht das Vectoring eine Erhöhung auf 100 Megabits pro Sekunde. Die Telekom sichert zu, rund eine Milliarde Euro in dieses Vorhaben zu investieren. Allerdings nicht ohne Hintergedanken: Im Gegenzug verlangt das Unternehmen einen weitgehend exklusiven Zugang zu den rund 8000 deutschen Hauptverteilern. Konkurrenten können an diesen Orten dann keine eigene Technik mehr installieren.

Vectoring: Starke Kritik am Vorhaben

Der Vorschlag der Telekom wird momentan von der Bundesnetzagentur geprüft. Sollte der Beirat der Netzagentur dem Vorhaben zustimmen, befürchten sämtliche andere Internetanbieter einen massiven Wettbewerbsvorteil der Telekom. Auch wirtschaftliche Verbände und Organisationen kritisieren die Pläne zum Netzausbau stark. Laut Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes VATM, würde durch den Ausbau „ein neues Teilmonopol, das auf absehbare Zeit nicht mehr zu knacken ist“ entstehen. Auch wird die Vectoring-Technologie für nicht effizient gehalten. Letztendlich würden nach Berechnungen der Bundesnetzagentur nur rund 1,42 Millionen Haushalte profitieren. Gebiete die sowieso schon unterversorgt sind, würden dies auch in Zukunft bleiben. Außerdem wird befürchtet, dass der wesentlich vielversprechende Glasfaserausbau vernachlässigt werde. Kunden würden Vectoring aufgrund von Preisvorteilen bevorzugen. Glasfaseranschlüsse können aber im Gegensatz zum Vectoring langfristig auch flächendeckend verlegt werden.

Konkurrenten wollen sich wehren

Die Konkurrenten wollen dieses Vorhaben dringend verhindern. So wurde bereits ein Brief an das Kanzleramt verschickt in dem von einer „zentralen Weichenstellung mit gesellschaftspolitischer Tragweite für die nächsten zehn Jahre“ gesprochen wird. Sollten die Pläne der Telekom dennoch bewilligt werden, würde auch nicht vor einer Verfassungsbeschwerde zurückgeschreckt. Die Telekom hingegen hält die Kritik für unbegründet. Die Konkurrenten könnten keine Pläne auslegen, die dem Vorhaben der Telekom zum Ausbau eines schnelleren Internets nahekommen. Stattdessen wolle nur „mediale Aufmerksamkeit erreicht werden“, so ein Sprecher der Telekom. (CaT)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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