Wettbewerbsrecht

Nur studierte Psychologen dürfen sich beruflich „Psychologe“ nennen

Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein (Urteil vom 21. Juli 2016, Az. 6 U 16/15) hat entschieden, dass berufsbegleitende Weiterbildungslehrgänge nicht mit den Titeln „Betriebspsychologe (FH)“, „Organisationspsychologe (FH)“ oder „Kommunikationspsychologe (FH)“ beworben werden dürfen, wenn ein im Vorfeld erfolgreich absolviertes Hochschulstudium der Psychologie keine zwingende Anmeldevoraussetzung ist.

 Nur studierte Psychologen dürfen sich beruflich "Psychologe" nennen ©-cirquedesprit-Fotolia

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Weiterbildung als Psychologe

Ein Weiterbildungszentrum hat in Zusammenarbeit mit einer Fachhochschule verschiedene Weiterbildungskurse im Bereich Psychologie angeboten. Einige Lehrgänge waren dabei bezeichnet mit den Kursnamen „Betriebspsychologe (FH)“, „Organisationspsychologe (FH)“ und „Kommunikationspsychologe (FH)“ und wurden entsprechend beworben. Die Teilnahme war nicht abhängig davon, ob im Vorfeld ein universitäres Psychologiestudium absolviert wurde. Teilnehmen konnten so also auch Personen, die kein entsprechendes Vorwissen hatten.

Zertifikat nach Abschluss

Nach dem erfolgreichen Abschluss des jeweiligen Kurses, wurden den Teilnehmer entsprechende Leistungsnachweise in Form von Hochschul-Zertifikaten erteilt. Die Zertifikate trugen die Titel Betriebs-, Organisations- oder Kommunikationspsychologe (FH). Ein Verband zur Förderung der beruflichen Interessen von Psychologen hat die Vorgehensweise als wettbewerbswidrig bewertet und die Weiterbildungseinrichtung auf Unterlassung in Anspruch genommen. Nach Ansicht des klagenden Verbandes erwecke die Bezeichnung und Bewerbung der Weiterbildungslehrgänge den Eindruck, dass die Teilnehmer der jeweiligen Kurse die entsprechende Bezeichnung auch im Berufsleben tragen dürften. Die berufliche Bezeichnung „Psychologe“ sei jedoch nur nach einem erfolgreich absolvierten Hochschulstudium zulässig.

Irreführung durch Titel der Lehrgänge

Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat im Ergebnis entschieden, dass die Weiterbildungseinrichtung irreführend gehandelt hat und die Bezeichnung der Weiterbildungskurse den Titeln „Betriebspsychologe (FH)“, „Organisationspsychologe (FH)“ oder „Kommunikationspsychologe (FH)“ unzulässig ist. Das Gericht begründete seine Entscheidung vor allem damit, dass die Bezeichnung den Eindruck erwecke, dass der Titel des Zertifikates auch dann als offizielle Berufsbezeichnung getragen werden dürfe, wenn die Teilnehmer kein Psychologiestudium an einer deutschen Hochschule absolviert haben. Auch der Zusatz „(FH)“ ändere nichts an der rechtlichen Einschätzung. Vielmehr werde dadurch der Eindruck verstärkt, dass die Teilnehmer nicht nur einen Weiterbildungslehrgang, sondern ein gesamtes Phsychologiestudium an einer Fachhochschule absolviert haben.  Der durchschnittlich informierte Verbraucher gehe aber davon aus, dass ein beruflich bezeichneter „Psychologe“ ein Hochschulstudium im Fach Psychologie absolviert habe. Er rechnet nicht damit, dass er keine einfache Weiterbildung ohne vorherige universitäre Grundausbildung absolviert hat. (NH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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