Wettbewerbsrecht

Nivea führt Verbraucher mit Deo „Invisible For Black and White“ in die Irre

Tests vor Gericht ergeben: weiße Flecken auf schwarzer Kleidung!

Die Beiersdorf AG führt die Verbraucher in Werbespots mit ihren Werbeaussagen über das neue Nivea-Deo „Invisible For Black and White“ in die Irre. Dies stellte nun das Landgericht Düsseldorf in seinem Urteil vom 25.07.2013, Az 14c O 94/13 fest.

Nivea führt Verbraucher mit Deo  ©-Thomas-Jansa-Fotolia

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In diversen TV Spots wird das Produkt unter anderem mit folgenden Werbeaussagen beworben:

– „Nr. 1 gegen Deoflecken“

– „Nr.1 gegen gelbe Flecken“

– „Der Nummer 1 Schutz gegen Deo-Flecken“

– „Das beste Deo gegen gelbe Flecken“

– „Das Nr. 1 Deo gegen gelbe Flecken und

– „Schwarz bleibt Schwarz.“

Das diese Werbeaussagen den Verbraucher in die Irre führen und schlicht weg falsch sind, stellte nun das Landgericht Düsseldorf fest.

Ein Wettbewerber auf dem Kosmetikmarkt hatte die Beiersdorf AG auf Unterlassung der vorstehenden Werbeaussagen in Anspruch genommen.

Diese würden fälschlicherweise den Eindruck erwecken, die Produkte der Serie „Nivea Invisible For Black & White, seien die besten Deodorants auf dem Markt, die das Entstehen von Deo-Flecken verhindern. Außerdem stimme die Aussage nicht, dass schwarze Kleidung bei der Nutzung vollständig und nachhaltig fleckenfrei und schwarz bleibe.

Nivea Produkt ist Anti-Transpirant und kein Deodorant

Der Kosmetikonkurrent machte gelten, dass es sich tatsächlich gar nicht um Deodorants, sondern um Anti-Transpiranten handele. Das Produkt von Niveau enthalte Aluminium Chlorohydrat (ACH). Dieser Wirkstoff spreche dafür, dass das Produkt ein Anti-Transpirant sei. Nur bei reinen Deodorantien stelle die Bildung von Flecken auf Textilien gerade kein Problem dar.

Stoffproben beweisen: Trotzdem weiße Flecken auf schwarzer Kleidung

Der Konkurrent führte Waschtests durch, mit eindeutigem Ergebnis. Stoffproben die vor Gericht vorgelegt wurden, zeigten sowohl direkt nach der Anwendung als auch 24 Stunden später weiße Rückstände auf schwarzem Textil.

Beiersdorf wendete ein, den durchgeführten Tests lägen keine realen Tragebedingungen zugrunde. Außerdem sei nicht menschlicher Schweiß, sondern Salzlösung verwendet worden. Dies verfälsche das Testergebnis.

Das Gericht gab der Klägerin Recht. Beiersdorf darf das Produkt nicht mehr mit oben aufgeführten Werbeaussagen bewerben. Die Werbeaussagen verstoßen gegen §§ 3,5 Abs. 1 S.1, S.2 Nr. 1 UWG i.V.m § 8 Abs. 1 UWG.

Irreführende Werbeaussage bei unwahren Angaben

Eine geschäftliche Handlung, also eine Werbeaussage ist dann irreführend für den Verbraucher, wenn sie unwahre Angaben oder Angaben enthält, die zu einer Täuschung führen.

Ob eine Angabe irreführend ist, bestimmt sich nach einem verständigen Durchschnittsverbraucher.

Verbraucherverständnis entscheidend

Auch die Richter des Landgerichts Düsseldorf bestätigten, dass sie selbst das Verständnis der Verbraucher beurteilen können, da sie selbst Produkte wie das streitgegenständliche benutzen.

Der Verbraucher verstehe die Werbeaussage so, dass dem Nivea-Produkt eine Spitzenstellung zukomme. Diesen Eindruck würden die Wörter „Das Erste“, „Die Nr. 1“ usw. hervorrufen.

Der Verbraucher stelle automatisch einen Bezug zur Qualität des Produktes her. Hierbei bezieht der durchschnittliche Verbraucher auch automatisch vergleichend alle anderen Deodorants auf dem Markt mit ein. Der Verbraucher bekommt den Eindruck vermittelt, dass es sich bei dem streitgegenständlichen Produkt um das beste Produkt auf dem Markt unter allen Deomitteln, also reinen Deodorantien und Anti-Transpirantien handelt.

Verbraucher kennt Unterschied zwischen Deodorantien und Anti-Transpirantien nicht

Hierbei ist davon auszugehen, dass die meisten Verbraucher den Unterschied zwischen reinen Deodorants und Anti-Transpirantien nicht kennen und schon gar nicht wissen, dass Deodorantien mangels des Wirkstoffs ACH gerade nicht zur Fleckenbildung neigen. Auch die Läden trennen die Produkte nicht.

Der durchschnittliche Verbraucher versteht unter einem Deo schlicht ein Körperpflegemittel, dass auf die Achseln aufgetragen wird um Körpergeruch zu bekämpfen.

Da es sich bei diesen Werbeaussagen um Tatsachenbehauptungen handelt, sind sie auf ihre objektive Wahrheit hin überprüfbar. Die Überprüfung ergibt gerade, dass die Werbeaussage unzutreffend ist. Die Stoffproben zeigten weiße Flecken.

Die Werbeaussage sei somit irreführend.

Das Urteil zeigt einmal mehr, dass man als Verbraucher nicht leichtfertig das glauben sollte, was die Werbung einem vorspielt.

 

Kilian Kost ist seit 2009 Rechtsanwalt der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt im Internet- und Wettbewerbsrecht. Seit 2013 ist er zudem Fachanwalt für den gewerblichen Rechtsschutz.

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