Internetrecht

Internetfernsehen gibt dem TV-Konsum neuen Schub

Oft genug wird der Untergang des Fernsehens prophezeit – doch bezieht sich dies mehrheitlich auf die Qualität der Sendungen. Anscheinend zu Recht, denn laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey wird der Bilderkonsum dank Videonutzung bei Smartphone, Tablet-PC und Co. künftig steigen, so ein Bericht des „Handelsblatt“.

„Der Tod des linearen Fernsehens ist nicht in Sicht. Wir sehen weltweit eine stabile oder steigende Fernsehnutzung“, sagte Markus Frerker, Deutschlandchef der Medienberatung bei McKinsey, gegenüber dem Handelsblatt. „Dass die Jungen kein Fernsehen mehr gucken, ist ein weit verbreiteter Fehlglaube. Empirisch lässt sich ein solcher Trend nicht nachweisen.“

Nach Angaben der McKinsey-Studie betrug die durchschnittliche Fernsehnutzung der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen in der ersten Hälfte des Jahres 195 Minuten, in den USA sind es sogar 300 Minuten, so der Bericht weiter.

Die Marktzahlen würden einen Anstieg der Fernsehnutzung erwarten und die Fernsehkonzerne optimistisch in die Zukunft schauen lassen. Die hierzulande, gerade von TV-Sendern, kritisch beäugten Video-on-Demand-Seiten, werden laut McKinsey auch künftig nur eine kleine Rolle in der deutschen Fernsehlandschaft spielen. „Online-Video ist ein riesiger Hype. Doch die Zahlen sind derzeit noch eher ernüchternd“, sagte Freker gegenüber dem Handelsblatt. Mit gerade mal 3% in der Hauptwerbegruppe sei der Marktanteil der VoD-Seiten in Deutschland verhältnismäßig klein.

Video-on-Demand-Anbieter wie z. B. Netflix haben sich noch nicht auf den deutschen Markt gewagt. Ein Schritt, der auch nicht ganz einfach für das amerikanische Unternehmen wäre: „Netflix hat keine Unterhaltungsshows und kein Sport. Das ist ein Problem“, so Freker gegenüber dem Handelsblatt. Zuschauermagneten wie die Formel 1 und die Fußball-Bundesliga seien bei Sky zu empfangen, eine Tochter des US-Medienriesen News Corp, so das Handelsblatt.

Eine Erweiterung der exklusiven Inhalten würde für Netflix mehr Kosten verursachen, die letzlich an den Kunden abgegeben werden müssten, wodurch die Videoplattform wiederum an Reiz verlieren würde. „Google TV ist gescheitert, weil das Unternehmen nicht ausreichend attraktive Inhalte hatte“, sagt McKinsey-Medienexperte Freker. „Netflix wird es in Deutschland nicht einfach haben. Denn Sky bietet jetzt schon attraktivere Preise als die US-Anbieter für die Abonnenten,“ so Freker weiter.

Die Inhalte bestimmen letztlich doch den Markt. Mit der Inhaltsgenerierung durch konzerneigene Produktionstöchter versuchen die deutschen Privatsender somit mehr Einfluss am Medienmarkt zu erlangen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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