Wettbewerbsrecht

Haarfärbung: Slogan „Von Dermatologen empfohlen“ irreführend

Es ist das Grundprinzip der Werbung, Vorzüge eines Produktes hervorzuheben und es somit für den Verbraucher interessant zu machen. Der Hersteller eines Haarfärbemittels bewarb eines seiner Produkte allerdings zu vollmundig – das OLG Düsseldorf entschied, dass die getroffenen Werbeaussagen irreführend seien.

Das Haarfärbemittel wurde mit dem Slogan „Die erste permanente Haarfarbe, die von Dermatologen empfohlen wird*“ beworben, das Sternchen verwies auf den Zusatz „*empfohlen von unabhängigen Dermatologen“. Auch mit den Aussagen „Von Dermatologen empfohlen“ und „Dermatologically recommended“ wurde geworben.

Das Gericht sah hierin eine Irreführung des Verbrauchers (Az.: I-20 U 110/11). Die Werbung richtete sich zwar in erster Linie an Friseure, denn der weiterführende Werbetext richtete sich primär an diese Berufsgruppe und der Hinweis fand sich auf den Verpackungen für den Friseurbedarf. Allerdings sah das Gericht es als erwiesen an, dass diese Informationen u. a. im Beratungsgespräch mit dem Kunden an diesen weitergegeben werden sollten, was auch durch die Schaufensterwerbung mit demselben Slogan deutlich wurde.

Das Bewerben des Produkts mit einer scheinbar uneingeschränkten ärztlichen Empfehlung habe insofern eine noch stärkere Wirkung, da auch auf mögliche dermatologische Probleme beim Haarefärben hingewiesen wurde. Besonders für Personen mit empfindlicher Kopfhaut sei diese schlagwortartige Werbung irreführend, da sie die Aussagen im genauen Wortsinn – dass Dermatologen dieses Produkt uneingeschränkt empfehlen –  verstehen würden, so die Meinung der Richter. So würde die Aussage „Dermatologically recommended“ den Eindruck erwecken, dass Produkt sei in jeder Hinsicht „dermatologisch“ empfehlenswert. Die Tatsache, dass es sich um ein kosmetisches und kein medizinisches Produkt handele, begünstige den Eindruck einer risikolosen Anwendung. „Als das Ergebnis einer Abwägung zwischen medizinischen Vorteilen und Nebenwirkungen versteht der Werbeadressat die Empfehlung mangels medizinischen Nutzens des Produkts nicht,“ so die Meinung der Richter. Hinzu kommt, dass das Produkt als Neuentwicklung präsentiert wurde, somit also generelle Zweifel an einer uneingeschränkten ärztlichen Empfehlung aufgrund bereits gesammelter Erfahrungswerte teilweise entkräftet würden.

Der Eindruck einer schädigungs- und völlig risikolosen Anwendung des Produkts sei somit irreführend, zumal auch der Hersteller eine mit diesem Färbemittel verbundenen Schädigung des Haares nicht in Abrede stelle, so die Richter weiter.

Der Slogan beziehe sich lediglich auf einzelne Gutachten, die das Produkt in bestimmten Beziehungen untersucht und als für bestimmte Allergiker besser als frühere Produkte geeignet beschrieben haben. Diese Einschränkungen seien in den beanstandeten Werbeaussagen allerdings nicht zu erkennen gewesen, so das Gericht.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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