Wettbewerbsrecht

Fake-Test-Seiten – Was gilt rechtlich?

Aktuell läuft eine große Abmahnwelle gegen sogenannte Fake-Test-Seiten im Internet. Verbraucherschützer sowie die Stiftung Warentest versenden zurzeit massiv kostenpflichtige Abmahnungen gegen Fake-Test-Seiten-Betreiber und gegen Affiliates, die mit gefakten oder mangelhaften Testberichten auf ihren Seiten werben.

Viele Verbraucher suchen regelmäßig vor einem endgültigen Kauf Informationen über das jeweilige Produkt im Internet. Jedoch  gibt es im Netz zahlreiche Seiten, die zwar so aufgebaut sind wie Warentests, dahinter stecken allerdings keine eigenen neutralen Test. Aktuell zeigt sich, dass unter den Top 10 gelisteten Webseiten bei einer Google-Produktsuche, häufig auch mindestens eine Fake-Test-Seite zu finden ist. Ein mittlerweile enormes Problem für den Markt. Insbesondere wenn Verbraucher nach Produkttests oder Testsiegern suchen, lassen sich die Fake-Test-Seiten zuhauf finden. Eine seriöse Produkt-Einschätzung ist für Verbraucher so kaum mehr möglich.

Was genau sind Fake-Test-Seiten?

Bei Fake-Test-Seiten handelt es sich um Webseiten, die Verbrauchern  zumeist bereits durch den gewählten Domainnamen (z.B. warentest.org, spuelmaschinen-tests.de) vor allem aber durch Aufmachung und Inhalt den Eindruck vermitteln, dass auf der Seite seriöse Produkttests durchgeführt und präsentiert werden. Dabei werden regelmäßig auch vermeintliche „Testsieger“ gekürt.

Diese vermeintlichen „Test“-Seiten weisen jedoch nur völlig unzureichend oder gar nicht darauf hin, dass die Produkte in der Praxis tatsächlich gar nicht getestet wurden. In uns bekannten Fällen verweisen die Seiten lediglich auf Kundenrezensionen Amazons, und erstellen aus den dortigen Sterne-Bewertungen ihre angeblichen „Testergebnisse“. Statt Produkte selbst zu testen, werden für Verbraucher Amazon-Kundenerfahrungen zusammengefasst, häufig gemischt mit Testberichten seriöser Magazine, die jedoch nicht namentlich erwähnt werden. Insbesondere die Zweitverwertung von Kundenberichten ist höchst problematisch, da Amazon-Kunden in der Regel keine Tests durchführen, sondern lediglich Erfahrungsberichte schreiben.

Die gekürten „Testsieger“ werden mit Affiliate-Links hinterlegt, die auf die jeweilige Amazon-Produkt-Seite weiterleiten, wo das Produkt sodann durch den Verbraucher direkt käuflich erworben werden kann. Pro Klick und Weiterleitung an Amazon erhält der Fake-Test-Seiten-Betreiber eine Provision durch Amazon.

Für Verbraucher entsteht ein nicht durchschaubarer Informations-Dschungel.

Mehr zum Thema „Affiliate-Marketing – Werbung oder neutrale Produktbewertung?“ und zum Thema Testergebnis in der Werbung – Keine Pflicht zur Verlinkung finden Sie in unseren ergänzenden Blogbeiträgen.

Wann ist ein Test ein Test?

Selbstverständlich gibt es Anforderungen der Rechtsprechung,  die bei Durchführung von Tests beachtet werden müssen. Denn wo Test draufsteht, sollte natürlich auch ein Test drin sein. Elementare Eigenschaften die einem Test innewohnen sollten, sind einerseits die Systematik des Tests und andererseits die tatsächliche Überprüfung einzelner Produkteigenschaften.  Zu den Grundvoraussetzungen eines Tests zählt zudem insbesondere, dass der Test objektiv, neutral, sachkundig und repräsentativ durchgeführt wurde.

Wie sieht es rechtlich aus? Verstoß gegen § 5 UWG

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) schützt zunächst einmal sowohl Verbraucher als auch Wettbewerber vor irreführenden Werbeaussagen. Nach § 5 UWG (Irreführende geschäftliche Handlungen)handelt derjenige unlauter, der eine irreführende geschäftliche Handlung vornimmt, die geeignet ist, den Verbraucher oder sonstigen Marktteilnehmer zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte. Eine geschäftliche Handlung ist irreführend, wenn sie unwahre Angaben über wesentliche Merkmale der beworbenen Ware oder Dienstleistung enthält. Ein Produkttest der nicht stattgefunden hat, wird somit allein deshalb bereits rechtswidrig sein.

Zwar greift das UWG grundsätzlich nur bei geschäftlichen Handlungen, jedoch genügt dabei jedes Handeln im geschäftlichen Verkehr. Bei Betreibern von Webseiten, die mit ihrer Webseite ein eigenes wirtschaftliches Interesse verfolgen, indem sie Affiliate Links setzen oder Werbung schalten, ist stets eine geschäftliche Handlung gegeben. Ein rein privater Blog, auf dem lediglich Produkte miteinander verglichen werden, besteht dann nicht mehr.

Verstoß gegen § 6 UWG

Neben § 5 des UWG muss zudem § 6 UWG (Vergleichende Werbung) beachtet werden. Vergleichende Werbung ist danach jede Werbung, die unmittelbar oder mittelbar einen Mitbewerber oder die von einem Mitbewerber angebotenen Waren oder Dienstleistungen erkennbar macht. Unlauter handelt insbesondere, wer vergleichend wirbt, wenn der auf der Webseite bereitgestellteTest nicht objektiv auf eine oder mehrere wesentliche, relevante, nachprüfbare und typische Eigenschaften oder den Preis dieser Waren oder Dienstleistungen bezogen ist.

Klargestellt werden muss an dieser Stelle, dass insbesondere bei Tests mit Bewertungen und Rankings diese für den Verbraucher objektiv nachprüfbar sein müssen, damit sich Verbraucher ein reales Urteil bilden können. Verbraucher müssen anhand hinreichender Kriterien erkennen können, weshalb der Webseitenbetreiber zu der jeweiligen Bewertungen gelangt ist.

Im Übrigen reicht es auch nicht, wie es einige Fake-Test-Seiten machen, in einer Fußzeile (Footer) darauf hinzuweisen, dass es sich um Amazon Kunden-Rezensionen handelt, wenn es auf der Seite selbst „Test“ heißt. Dies bleibt für Verbraucher irreführend, da keine Tests stattgefunden haben. Es muss für Verbraucher unmissverständlich und transparent sein, dass es sich um Rezensionen von Amazon Kunden handelt. Von der Bezeichnung „Test“ sollte in jedem Falle Abstand genommen werden.

Abmahnwelle gegen Betreiber von Fake-Test-Seiten

Webseitenbetreiber die irreführende Angaben  machen, verstoßen somit gegen das Wettbewerbsrecht. Das gilt für erfundene Tests oder Produktvergleiche genauso wie für Bewertungskriterien mit Testsiegern, sofern diese irreführende oder unwahre Angaben enthalten.

Gegen solche Wettbewerbsverstöße können sodann Wettbewerber, zuständige Behörden oder Verbraucherschutzverbände vorgehen. Dies geschieht in der Regel durch eine Abmahnung, in der die Löschung der unzulässigen Werbung sowie die Abgabe einer Unterlassungserklärung gefordert wird. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sogar Schadenersatz verlangt werden.

In den vergangenen Wochen hat bereits eine Abmahnwelle der Verbraucherverbände gegen Fake-Test-Seiten-Betreiber begonnen. Teilweise hatten diese Maßnahmen offensichtlich auch bereits Erfolg. Erste Seiten haben ihren Domainnamen geändert und benennen ihre Produkt-Vergleiche nicht mehr als Test.

Seriöse Anbieter nutzen

Möchten sich Verbraucher über Produkte informieren und sich Testergebnisse zum jeweiligen Produkt anschauen, dann sollten Verbraucher weiterhin auf bekannte und seriöse Testseiten zurückgreifen. Seriös sind in der Regel die Tests von darauf spezialisierten Unternehmen, die sich ausschließlich mit Tests befassen und die wirtschaftlich unabhängig sind. Hierzu gehört unter anderem die Stiftung Warentest, wie auch Öko-Test. (TOS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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