Wettbewerbsrecht

Eventim – Übermittlungsentgelt für Tickets zum Selbstausdrucken ist unzulässig

Das Landgericht Bremen hat entschieden, dass der Online-Tickethändler Eventim keine pauschalen Gebühren für Übermittlung von Eintrittskarten zum Selbstausdrucken erheben darf (Urteil vom 31.08.2016, Az. 1 O 969/15).

 Eventim - Übermittlungsentgelt für Tickets zum Selbstausdrucken ist unzulässig ©-cirquedesprit-Fotolia

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Online-Tickethändler Eventim

Auf der Ticketplattform Eventim können Kunden Eintrittskarten für fast alle Events schnell und einfach online erwerben. Unabhängig davon, ob Kunden Tickets für Konzerte, Musicals, Sportveranstaltungen oder andere Events suchen, auf Eventim werden sie in den meisten Fällen fündig.

Pauschale Service-Gebühr

Eventim erhebt im Laufe des Buchungsvorgangs eine pauschale Service-Gebühr in Höhe von 2,50 Euro pro Ticket für die elektronische Übermittlung des Tickets an den Kunden. Nach Erhalt des Tickets können Käufer dieses dann am eigenen Drucker ausdrucken.

Verbraucherzentrale bewertet Service-Pauschale als unzulässig

Die Verbraucherzentrale hat pauschale Service-Gebühren für die elektronische Übermittlung von Tickets zum Selbstausdrucken als unzulässig bewertet. Nach Informationen der Verbraucherschützer hat in der Vergangenheit nicht nur Eventim, sondern auch eine Vielzahl anderer Tickethändler vergleichbare Gebühren erhoben. Unter anderem ADticket, Ticketmaster, D-Ticket und ReserviX sollen Kunden ebenfalls mit pauschalen Service-Gebühren für die Ticketweiterleitung per E-Mail belastet haben. Auch diese Unternehmen wurden von der Verbraucherzentrale abgemahnt.

Keine Material- und Portokosten

Das Landgericht Bremen hat nun in einem Musterprozess entschieden, dass die Erhebung pauschaler Service-Gebühren für den Ticketversand per Mail zum Selbstausdrucken unzulässig ist. Für den Tickethändler sei die Weiterleitung der Tickets per E-Mail an Kunden kostenneutral. Es würden weder Material- noch Portokosten anfallen, die eine pauschale Service-Gebühr in Höhe von 2.50 Euro rechtfertigen würden. Gesonderte Entgelte für die Weiterleitung der Tickets an Kunden, könnten nur dann erhoben werden, wenn dem Verkäufer selbst zusätzliche Kosten entstehen. So können dem Kunden beispielsweise entstehende Portokosten im Falle eines postalischen Versands in Rechnung gestellt werden.

Auch Premiumdienst zu teuer

Auch in einem weiteren Punkt entschied das Gericht im Sinne der Verbraucherschützer. Eventim hatte den eigenen Kunden im Rahmen des Ticketvertriebs zu Konzerten der AC/DC-Welttournee lediglich den Premiumversand angeboten. Dabei mussten die Ticket-Käufer 29,90 Euro für eine einfache innerdeutsche Postzustellung inklusive Bearbeitungsgebühren zahlen. Das Gericht hielt auch diese Kostenpauschale für zu hoch. Der Tickethändler sei vertraglich zum Verschicken der Eintrittskarten verpflichtet. Zusätzliche pauschale Bearbeitungsgebühren für den Versand der Tickets könnten daher nicht wirksam erhoben werden.

Fazit

Derzeit ist das Urteil des Landgericht Bremen noch nicht rechtskräftig. Sollte es rechtskräftig werden, sollten Kunden die zu Unrecht erhobenen pauschalen Service- und Bearbeitungsgebühren von ihrem Tickethändler zurückverlangen können. (NH)

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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