Wettbewerbsrecht

Das Fußballspiel und die Bierwerbung

Sat. 1 macht zu viel Bierwerbung in Fußball-Sportsendungen

Bier trinken und ein schönes Fußballspiel anschauen, gehört für viele einfach zusammen. Wenn Sat. 1 im Fernsehen jedoch massiv eine bestimmte Biermarke zu Werbezwecken im Bild platziert, ist dies rechtswidrig. Dies entschied das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz in seinem Urteil vom 16. September 2013, Az.: 2 A 10002/13 OVG.

 Das Fußballspiel und die Bierwerbung  © Africa Studio - Fotolia.com

Das Fußballspiel und die Bierwerbung © Africa Studio – Fotolia.com

Sat. 1 hatte vor und nach einer Liveübertragung eines Fußballspiels im Rahmen einer Sportsendung, live zu einer Bierbrauerei geschaltet. In diesem Rahmen wurde ein ehemaliger Fußballmanager interviewt und ein „Männerabend“ wurde nachgestellt. Um den Fußballmanager herum wurde massiv die Biermarke in Szene gesetzt.

Überfall befand sich der Name der Biermarke, auf T-Shirts, Biergläsern, Bierflaschen und sogar auf einem Eiskübel, der im Bild eingeblendet wurde. Sogar im Interview selbst wurde die Biermarke mehrfach erwähnt.

Massives Product-Placement von Biermarke unzulässig

Dies alarmierte die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die LMK als Aufsichtsbehörde hält diese massive Form der Werbung für eine bestimmte Biermarke für rechtwidrig. Dem stimmt auch das OVG zu.

Nach dem Rundfunkstaatsvertrag dürfen seit dem 1. April 2010 auch private Fernsehsender Werbung für bestimmte Produkte machen und diese im Fernsehen im Hintergrund platzieren.

Dies kann in Kinofilmen, Serien und auch Sportsendungen im Einzelfall zulässig sein. Voraussetzung ist jedoch, dass auf die Produktplatzierung hingewiesen wird und das Produkt nicht massiv herausgestellt wird.

Männerabend mit Bier – künstlich erzeugte Realität ?

Diese Grenze überschritt Sat. 1. Das dauerhafte Produkt-Placement der Biermarke sei im konkreten Fall nach ihrer Art, Häufigkeit und Dauer nicht gerechtfertigt gewesen. Wird ein Fußballmanager in einer Situation eines „Männerabends“ dargestellt, ist das Darstellen von Bierflaschen im Hintergrund durchaus noch zulässig.

Wird das Brauerei-Logo jedoch gezielt und umfangreich platziert, kann nicht mehr von Realität eines Männerabends gesprochen werden. Stattdessen handelte es sich um eine künstlich erzeugte „Realität“, die extra und gezielt gerade für Werbezwecke geschaffen worden ist. Eine Umgehung der gesetzlichen Beschränkungen zum Produkt-Placement, durch eine Art selbst geschaffene „Realität“ dürfen Fernsehsender wie Sat. 1 hierdurch nicht umgehen.

Kilian Kost ist seit 2009 Rechtsanwalt der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE mit Schwerpunkt im Internet- und Wettbewerbsrecht. Seit 2013 ist er zudem Fachanwalt für den gewerblichen Rechtsschutz.

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