Wettbewerbsrecht

Bauer Verlag gewinnt „Spiesser“-Streit vor LG München

Im Streit zwischen dem Bauer Verlag und dem Jugendmagazin „Spiesser“ hat das Landgericht München nun zugunsten des Bauer Verlags entschieden.

Dieser hatte gefordert, dass das kostenlose Jugendmagazin nicht mehr mit der von der IVW gezählten Auflage von über 700.000 Exemplaren um Anzeigenkunden werben dürfe.

Der Bauer Verlag, der selbst die Jugendzeitschrift „Bravo“ herausgibt, hatte bezweifelt, ob tatsächlich so viele Hefte an den Auslageorten – vornehmlich Schulen – ausliegen würden und die Schüler tatsächlich Zugang zu den Zeitschriften haben. Nach Ansicht des Bauer Verlags würde die Zeitschrift Spiesser so mit „nicht belegten Auflagenzahlen“ werben.

Gerichtssprecher Tobias Pichlmaier bestätigte gegenüber dem Branchenmagazin „W&V“, dass künftig bei der „verbreiteten Auflage der Zeitschrift jeder Schüler nachgewiesen werden müsse“. Zudem muss Spiesser ab sofort die Schule erst um Erlaubnis fragen, bevor er die Magazine auslegen darf.

Im Juli 2011 ist der Bauer Verlag mit einer Klage gegen Spiesser vor dem Landgericht Hamburg gescheitert. Nach Angaben von „W&V“ wirbt der „Spiesser“ wirbt mittlerweile mit AWA-Zahlen und der Druckauflage.

Zuletzt hatte der Bauer Verlag mit der Kündigung des Presse-Grosso-Vertrags auf sich aufmerksam gemacht.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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  1. Spiesser sagt:

    OLG München weist Klage des Heinrich Bauer Verlags im Wesentlichen ab

    München/Dresden, 19.09.2013. Das Oberlandesgericht München hat mit dem heute verkündetem Urteil eine Klage der Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag KG in zweiter Instanz im Wesentlichen abgewiesen. Das erstinstanzliche Verbot der SPIESSER-Werbung mit IVW-Zahlen wurde aufgehoben. Der Bauer Verlag hat 2/3 der Kosten des gesamten Rechtsstreits zu tragen.

    In erster Instanz hatte der Bauer Verlag nach einem gescheiterten Versuch beim Landgericht Hamburg (2011) im April 2012 beim Landgericht München ein Urteil erwirkt, dass der SPIESSER nicht mit den gemäß IVW festgestellten Verbreitungszahlen zu „Auslegestellen“ und zur „verbreiteten Auflage“ werben dürfe. Diese Entscheidung hat das OLG München nun kassiert. SPIESSER-Geschäftsführer Frank Haring: „Heute wurde meines Erachtens erneut gerichtlich bestätigt, dass unsere Zahlen korrekt sind: Das Verbot der Werbung mit den IVW-Zahlen wurde aufgehoben.“

    In einem Nebenaspekt des Rechtsstreites ging es um die Zustimmung der Schulleiter zur Auslage an ihren Schulen. Frank Haring: „Heftig umstritten war, in welcher Form diese Zustimmung nachzuweisen ist. Die uns noch nicht vorliegende Urteilsbegründung wird uns hierüber sicherlich konkreten Aufschluss geben. Die aus dieser Frage abgeleitete Feststellung einer wettbewerbsrechtlichen Schadensersatzpflicht ist, wie Juristen wissen, von eher theoretischer Natur.“ In dem Rechtsstreit ging es auch um die Methode, mit der die IVW die verbreitete Auflage ermittelt. Der SPIESSER legt selbst weit höhere Qualitätskriterien für die Verbreitung an, als sie die IVW fordert.

    Größter Reichweitenzuwachs bei Jugendzeitschriften: 14%, 570.000 Leser

    Wichtiger als die Verbreitung findet Frank Haring ohnehin die jüngst von der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) erhobene tatsächliche Leserzahl. Gemäß AWA kommt der SPIESSER mit seiner Auflage von einer halben Million Exemplaren auf einen Zuwachs um 14 Prozent von 500.000 auf 570.000 Leser je Ausgabe. Beim Wachstum steht SPIESSER in der Gattung der Jugend-, Schüler-, Studenten- und Musikzeitschriften mit Abstand an erster Stelle (Veränderung der Gattung ohne SPIESSER ca. -2,19 Prozent). SPIESSER konnte als einziger Titel in dieser Gattung zweistellig zulegen.

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