Wettbewerbsrecht

Amazon verbietet Incentive-Bewertungen und führt Bewertungslimit ein

Ab sofort verbietet Amazon anreizbasierte Rezensionen von Käufern. Händlern ist es damit nicht mehr möglich Produkte vergünstigt an Rezensenten gegen eine Amazon-Rezension abzugeben. Zudem beschränkt Amazon Kundenrezensionen von „nichtverifizierten Käufen“ je Amazon-Mitglied auf 5 Bewertungen pro Woche.

Produkte kostenvergünstigt zu Verfügung gestellt – im Gegenzug Produktrezension verlangt

Bislang war es Unternehmen möglich, Kunden Produkte kostenlos oder vergünstigt  zur Verfügung zu stellen und dafür im Gegenzug Rezensionen der Produkte auf Amazon.de zu verlangen. Dabei war häufig unklar, wie viel Einfluss die Unternehmen auf den Inhalt der Rezensionen tatsächlich hatten. Problematisch war stets, dass bei dieser Art von Abkommen immer die Vermutung im Raum stand, dass der Kunde positiv(er) über ein Produkt schreibt, weil er es behalten darf.

Die Richtlinien von Amazon regelten daher genau, unter welchen Voraussetzungen sog. Incentive-Bewertungen erfolgen dürfen. Voraussetzung war, dass der Tester im Rahmen der Rezension mitteilt, dass er das Produkt kostenfrei bzw. vergünstigt zum Zwecke der Bewertung erhalten hat. Der potentielle Kunde konnte eine Incentive-Bewertung dann genau erkennen und selbst entscheiden, ob er einer solchen Bewertung weniger Glauben schenkt. Es ist jedoch zu vermuten, dass die Rezensionsrichtlinien nicht von allen Rezensenten eingehalten wurden. Für den Fall, dass die Richtlinien nicht eingehalten wurden, war für den potentiellen Käufer und Leser der Bewertung daher nicht ersichtlich, ob es sich um eine „normale“ Bewertung oder um eine anreizbasierte Rezension handelt.

Amazon verbietet Rezensionen, die „gegen Entgelt in jeglicher Art erstellt worden sind“

Diese bezahlten Rezensionen sind nun künftig nicht mehr erlaubt. Die Richtlinien zur Erstellung von Kundenrezensionen der Online-Händler wurden entsprechend geändert.

Damit verbietet Amazon Rezensionen die „gegen Entgelt in jeglicher Art erstellt worden sind“. Davon umfasst sein sollen „Bezahlungen in Form von Geld oder Geschenkgutscheinen, Bonus-Inhalte, das Ermöglichen der Teilnahme an einem Wettbewerb oder Gewinnspiel, Rabatte für zukünftige Einkäufe sowie zusätzliche Produkte oder andere Geschenke“.

Ausnahmen, auch für Amazon-Vine

Von diesen neuen Regelungen sollen Buchautoren und Verlage ausgenommen werden. Diese können „Lesern weiterhin kostenlose oder vergünstigte Exemplare ihrer Bücher zur Verfügung stellen, solange der Autor oder Herausgeber keine Rezension im Austausch dafür verlangt oder die Rezension zu beeinflussen versucht“.

Auch für sich selbst macht Amazon eine Ausnahme – das unternehmenseigene Vine-Programm von Amazon soll weitergeführt werden. Amazon wählt für Vine Kunden aus, denen das Unternehmen Produkte zur Verfügung gestellt hat, um diese zu testen. Im Gegenzug besteht für die Kunden die Verpflichtung, Rezensionen zu den jeweiligen Produkten zu verfassen. Nach eigener Aussage, soll Amazon den Inhalt dieser Rezensionen nicht beeinflussen. Ob dies zutrifft und ob eine Beschränkung auf den eigenen Dienst zulässig ist, bleibt abzuwarten.

Amazon führt Limit für Produktbewertungen ein

Als weiteren Schutz-Mechanismus vor (von Amazon nicht kontrollierten) anreizbasierten Bewertungen, wurde nun auch ein Limit für Produktbewertungen eingeführt. Kunden dürfen nun pro Woche nur noch 5 Bewertungen für Produkte abgeben, die nicht im Rahmen eines verifizierten Verkaufs erworben wurden. Bei einem sog. verifizierten Verkauf prüft Amazon, ob der Rezensent das Produkt selbst bei Amazon erworben hat. Hat der Rezensent das Produkt also nicht bei Amazon erworben, sondern z.B. von dem Händlern direkt erhalten, kann er nur noch 5 solcher Produkte pro Woche bewerten.

Amazonkunden werden zur Mithilfe aufgerufen – was passiert mit bereits veröffentlichten und bezahlten Rezensionen?

Fraglich bleibt, wie seitens Amazon kontrolliert werden soll, dass anreizbasierte Bewertungen nur noch über Vine erfolgen.

Amazon ruft im Rahmen dessen alle Kunden auf, Rezensionen zu melden, die sich nicht an die geltenden Richtlinien halten. Das Online-Kaufhaus verweist dabei auf seine „Missbrauch melden“-Funktion. Über diese sei es den Nutzern möglich, „unangebrachte“ Bewertungen melden zu können. Amazon verspricht seinen Kunden die gemeldeten Rezensionen zu prüfen. Die Kunden erhalten danach jedoch keine Rückmeldung darüber, was nach ihrer Meldung passiert. Derjenige der eine Rezension meldet, müsste vielmehr bei Bedarf selbst kontrollieren, ob Amazon auch tatsächlich aktiv geworden ist. Wie mit bereits veröffentlichten bezahlten Rezensionen umgegangen wird, dazu machte Amazon bisher ebenfalls keine Angaben.

Mirjam Gebel ist seit 2014 Rechtsanwältin in der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und schwerpunktmäßig in den Bereichen Gewerblicher Rechtsschutz, insbesondere im Wettbewerbsrecht, sowie im Urheberrecht tätig.

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RSSKommentare (1)

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  1. tom sagt:

    wir verkaufen auf Amazon, bekommen eine völlig abstrakte und schlechte Bewertung über ein Produkt dass nicht einmal gekauft worden ist, melden diese Bewertung an Amazon und Amazon macht gar nichts. Wer noch an das Bewertungssystem von Amazon oder Ebay glaubt ist selber schuld.

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