Wettbewerbsrecht

Adblocker: Das Geschäft mit der Werbung

Der Axel Springer Verlag kündigt an, in seiner Klage gegen Adblock Plus standhaft zu bleiben und wenn nötig durch alle Instanzen zu gehen, um die Sache höchstrichterlich entscheiden zu lassen.

Adblocker: Das Geschäft mit der Werbung© ferkelraggae-Fotolia

Adblocker: Das Geschäft mit der Werbung© ferkelraggae-Fotolia

Wer kennt das nicht, auf der Suche nach Schnäppchen, Erfahrungsberichten oder Preisvergleichen besuchen wir die verschiedensten Internetseiten und kämpfen uns dann durch die Flut an Informationen die uns dort entgegen schwappt. Dabei besteht ein großer Teil dieser Informationen aus Werbung. Denn die Unternehmen haben das Potential des Internets früh erkannt, nämlich so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Und in so genannten Pop-Up Fenstern wird die Werbung oftmals dann auch geschaltet. Man öffnet eine Seite und gleich mehrere weitere „Browser-Fenster oder Pop-Ups“ öffnen sich mit, worin dann jeweils für ein Produkt geworben wird. Und wenn es sich dann eben nicht mehr nur um eine oder vielleicht sogar zwei solcher Fenster handelt, sondern um 4,5,6 oder mehr, dann kann es für den User ziemlich nervig werden, da dies je nach Rechenleistung die Ladezeit verlängern kann oder auch nur Zeit kostet, all die geöffneten Fenster wieder zu schließen.

Adblocker für den Browser helfen da weiter

Um diesem nervigen Unterfangen ein Ende zu setzen, wurden so genannte Adblocker entwickelt. Installiert man solch einen Blocker, werden solche Werbe Pop-Ups herausgefiltert, so dass diese nicht mehr angezeigt werden. Und eines der erfolgreichsten Adblocker unserer Zeit ist „Adblock Plus“, dass von der Eyeo GmbH entwickelt wurde und den Nutzern zur Verfügung gestellt wird. Mehr als 300 Millionen Mal soll das Programm bereits herunter geladen worden sein.

Wer das Programm installiert, kann somit einen Großteil der Werbung in seinem Browser blockieren, was viele Verlage aus Deutschland als Angriff auf ihre Geschäftsgrundlage sehen.

Der Axel Springer Verlag will das Programm verbieten lassen

Daher will der Axel Springer Verlag das Programm verbieten lassen. Er argumentiert damit, dass der Vertrieb eines solchen Adblockers gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

Dem stimmte das Kölner Landgericht allerdings nicht zu. Eyeo-Anwältin Heike Blank argumentierte dahin gehend, dass das Werbeblocken damit zu vergleichen sei, dass ein Zeitungsabonnent die Prospekte wegwirft. Und Installiert jemand eben selbst aus freien Stücken einen solchen Adblocker, dann kann darin kein Wettbewerbsverstoß von Seiten der Eyeo GmbH gesehen werden. Und auch wenn die Gegenseite dagegen hielt, dass ein solcher Vergleich nicht möglich sei, weil für das Ausfiltern nicht der Nutzer sondern die Autoren der Software verantwortlich seien und so das Produkt im Gegensatz zu Zeitungen beim Kunden bereits beschädigt ankomme, signalisierten die Richterinnen und Richter des Köln Landgerichtes, in diesem Falle der Verklagten Eyeo GmbH zuzustimmen.

In Bezug auf das Geschäftsmodell der Eyeo GmbH, dass bei Adblock Plus „nicht nervende Werbung“ gegen eine gewisse Summe „durchgelassen“ wird, waren sich die Richterinnen und Richter allerdings nicht mehr so sicher.
Denn auf einer so genannten „weißen Liste“ stehen Unternehmen, deren Werbung nicht gefiltert wird. Größere Unternehmen zahlen dafür, auf diese Liste zu gelangen und dies bezüglich waren sich die Richterinnen und Richter des Kölner Landgerichtes nicht mehr so sicher, ob dieses Geschäftsmodell eventuell dann doch nicht gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.

Axel Springer will bis zum Ende Kämpfen

Der Axel Springer Verlag hat jedoch bereits angekündigt nicht aufzugeben und sich durch alle Instanzen zu klagen. Sie werfen der Eyeo GmbH vor, dass System des kostenfreien Internets zu zerstören. Wenn die Unternehmen nämlich ihre Internetpräsenzen und Angebote nicht durch Werbung refinanzieren könnten, könnten sie diese auch nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen. Ein Vertreter von Axel Springer brachte sogar die Möglichkeit der Sprungrevision ins Spiel, was eine Möglichkeit darstellt, sofort vor dem Bundesgerichtshof zu landen.

Abzuwarten bleibt, wie die Sache ausgeht.(NG)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (1)

Kommentar schreiben | Trackback URL

  1. Martin Gerhard sagt:

    Niemand verlangt vom Axel-Springer-Verlag, dass er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Eine Paywall sollte die meisten Nutzer wirkungsvoll vor diesen Artikeln schützen können. Insofern wäre es zu begrüßen, wenn Axel Springer am Ende unterliegt. Falls nicht, müssen halt wieder die alten Filterlisten per host-file gepflegt werden.

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×