Die Web-TV Finanzierung | Vor- und Nachteile

Sie möchten einen Film oder ein Video fürs Internet produzieren, aber Ihnen fehlen noch finanzielle Mittel? Mit einer der zahlreichen Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten in Deutschland können Sie Ihr Projekt realisieren!

Das beste Konzept bleibt in der Schublade, wenn es nicht finanziert werden kann. Es gibt verschiedene Wege, ein Projekt zu finanzieren, die durchaus auch parallel beschritten werden können. Wir haben Ihnen die gängigsten Möglichkeiten zur Filmfinanzierung, sowie deren Vor- und Nachteile einmal übersichtlich zusammengefasst:

No Budget/ low Budget

Zunächst gibt es die Möglichkeit einen Film oder ein Internetvideo selbst zu finanzieren. Zwar hat man als Produzent hier zunächst ein hohes Maß an kreativer Unabhängigkeit, diese geht aber gleichzeitig mit einem erheblichen finanziellen Risiko einher. Insofern kann diese Finanzierungsart kein dauerhaftes Geschäftsmodell sein. Die Lösung: Den passenden Finanzierungspartner finden.

Auftragsproduktion

Bei einer Auftragsproduktion tritt ein Sender als vollständiger Finanzierungpartner ein. Der Sender vergibt den Auftrag zur Filmerstellung und übernimmt die kompletten Herstellungskosten. Im Gegenzug lässt sich der Sender sämtliche Nutzungsrechte einräumen (Buy-out). Klassische Fernsehsender verwerten Ihre Inhalte zwar meist auch im Internet, vergeben in der Regel aber noch keine Aufträge für reine Web-Inhalte. Mögliche Auftraggeber sind hier eher die reinen Web-TV Sender, die ausschließlich für das Internet produzieren und dort senden.

Obwohl dieses Modell eine hohe finanzielle Sicherheit mit sich bringt, ist es im Web-TV Bereich noch nicht üblich, da es gerade in diesem neuen Bereich häufig noch nicht ausreichend finanzkräftige Sender gibt, die in Auftragsproduktionen investieren können. Zudem besteht eine große Abhängigkeit vom Sender. Angefangen bei der Stoffentwicklung über Vorgaben zum Format bis zu den technischen Bedingungen hat der Sender ein umfassendes Mitspracherecht. Daneben ist der Produzent meist zur regelmäßigen Zwischenberichterstattung verpflichtet und muss vor wesentlichen inhaltlichen Änderungen (z.B. bei der Besetzung) das Einverständnis des Senders einholen.

Koproduktionen

Im Unterschied zur Auftragsproduktion übernimmt der Sender bei einer Koproduktion nur einen Teil der Kosten, sodass dieses Konzept für Web-TV Sender wesentlich interessanter ist. Der übrige Teil muss wiederum vom Produzenten über Drittmittel beschafft werden. Ähnlich wie bei der Auftragsproduktion behält sich der Auftraggeber in der Regel ein umfassendes Mitspracherecht vor.

Web-TV Förderung

In Europa und Deutschland gibt es unterschiedliche Modelle und Institutionen für die Filmförderung, die einen bedeutenden Teil der Filmfinanzierung in Deutschland darstellt.

Im Bereich der öffentlichen Filmförderung gibt es neben der klassischen Filmförderung mittlerweile auch eine spezielle Förderung für Web-TV Inhalte von der Film und Medien Stiftung NRW. Im Jahre 2014 wurden 11 Nachwuchstalente aus dem Webvideo-Bereich ausgewählt und mit insgesamt 100.000 € gefördert. Bewerben konnten sich allerdings nur Neutalente. Mitglieder von Mediennetzwerken waren davon ausdrücklich ausgeschlossen.

Die öffentliche Förderung stellt eine beliebte Finanzierungsform dar, da Fördermittel in der Regel als bedingt rückzahlbares Darlehen gewährt werden. Zudem werden die Förderanstalten nicht an den Film- und Videorechten oder den Film- und Videogewinnen beteiligt. Dafür ist aber für die Förderfähigkeit stets erforderlich, dass das Projekt in künstlerischer und inhaltlicher Hinsicht bedeutsam ist, d.h. nach Ansicht der Förderung eine Bereicherung der Kulturlandschaft darstellt.

Außerdem muss ein bestimmter Anteil der produktionellen Leistungen in dem Bundesland erbracht werden, der die Fördersumme bereit gestellt hat. Neuerdings wird von einigen Förderanstalten zudem eine positive Erfolgsprognose verlangt, sodass einige Genre, wie deutsche Thriller, einen schweren Stand haben und in der Regel nicht gefördert werden.

Neben der öffentlichen Förderung gibt es auch private Förderfonds. Diese fördern jedoch in der Regel eher große Filmproduktionen mit einem hohen Marktwert, damit sich ihre Anlage auch rentiert. Kleine Webproduktionen werden kaum gefördert, da hier noch kein ausreichendes Monetarisierungsmodell zur Verfügung steht.

Crowdfunding

Crowdfunding ist zumindest seit dem Kinofilm „Stromberg – Der Film“ immer wieder im Gespräch. In den USA wurden bereits einige große Produktionen dank einer Crowdfunding Kampagne finanziert. Crowdfunding ist nur für eine ganz spezielle Art von Film geeignet. Es muss bereits eine breite Fanbase vorhanden sein, die bereit ist für die Verfilmung ihres Lieblingsbuches oder der Lieblingsserie zu investieren.

Dazu stellen Filmemacher ihr Projekt auf Investitionsplattformen vor und geben ein Zahlungsziel, z.B. 1 Mio € an. Privatpersonen können dann in kleinen Beträgen in das Projekt investieren. Für die Investition erhalten sie unterschiedliche Gegenleistungen, wie z.B. anteilige Gewinnbeteiligung oder Sachleistungen wie Kinokarten. Die Finanzierungssumme wird dabei nur an die Filme- und Videomacher ausgezahlt, wenn das Finanzierungsziel vollständig erreicht wird. Finden sich nicht genug Investoren, kommt das Projekt nicht zu Stande und die Investoren erhalten ihr Geld zurück.

Völlig unbekannte Filmprojekte haben es deshalb schwer ausreichende private Kleininvestoren zu akquirieren. Allerdings konnten auch einige kleine Nischenproduktionen dank ihrer treuen Fanbase bereits realisiert werden. Neben der finanziellen Unterstützung ergibt sich durch eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne auch ein enormer Marketingeffekt. So ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Investoren sich den Film oder das Video auch anschauen wird und im besten Fall zusätzlich noch Freunde und Bekannte motiviert. Zudem erhält eine erfolgreiche Kampagne auch mediale Aufmerksamkeit, da es sich zurzeit noch um ein neues Phänomen handelt.

Allerdings bring eine solche Kampagne auch einen enormen Aufwand mit sich. Die Kleininvestoren wollen ständig über den aktuellen Stand der Produktion auf dem Laufenden gehalten werden. Im Fall von Stromberg wurde extra eine eigene Homepage erstellt, auf der die Fans und Investoren mittels Fotos und kleinen Videos informiert wurden. Zudem fordern die Fans auch ein Mitspracherecht, da sie sich als Teil des Films fühlen. So wurde unter anderem angeboten über Filmplakate abzustimmen oder einzelne Handlungsstränge mit zu bestimmen. Auch wurden Komparsenrollen verlost, um die Investoren einzubinden.

Banken

Die Filmfinanzierung über Banken hat vor allem in den USA eine lange Tradition. Dort gibt es reine Filmbanken, die auf die Filmfinanzierung spezialisiert sind. In Deutschland ist man mit einem derartigen Konzept bereits in den 1920er Jahren gescheitert. Dennoch unterhalten einzelne Banken bis heute spezielle Sparten für die Filmfinanzierung.

Da das Web-TV aber noch eine recht neue Entwicklung darstellt, haben die Banken hier noch kein spezielles Angebot bereitgestellt. Zu bedenken ist auch, dass Banken immer nur Darlehen vergeben, welche vorrangig vor anderen Investitionen zurückgezahlt werden müssen. Zudem verlangt eine Bank auch immer eine Sicherheit, welche gerade bei keinem bis wenig Eigenkapital schwer nachzuweisen ist. Eine Bankenfinanzierung eignet sich deshalb kaum für spezifische Web-TV Formate.

Sponsoren

Es ist zudem möglich, private Investoren als Sponsoren für ein Film- und Videoprojekt zu gewinnen. Diese können ein Projekt in unterschiedlicher Weise unterstützen. Von der Zurverfügungstellung von Barmitteln, über Sachleistungen bis hin zu Nutzungsrechten sind unterschiedlichste Ausgestaltungen denkbar.

So kann zum Beispiel über ein Product Placement Vertrag festgelegt werden, dass bestimmte Produkte im Film oder Video zu sehen sind. Dafür stellt der Sponsor entweder Geldmittel zur Verfügung, die sich nach der jeweiligen Dauer der Einblendung des Produktes richten, oder er stellt das Produkt selbst zur Verfügung. Bei großen Produktionen für Filme, können so etwa teure Autos als Gegenleistung für deren Sichtbarkeit im Film überlassen werden. Product Placement eignet sich aber auch in einem kleinen Rahmen. So werden auch bekannten Webvideo-Stars von Firmen Waren zum Testen und Bewerten kostenlos zur Verfügung gestellt. Allerdings ist hier Vorsicht geboten.

Grundsätzlich gilt das Trennungsgebot, sodass redaktionelle Inhalte und Werbung strikt getrennt gehalten werden müssen. Bisher ist noch nicht gerichtlich entschieden, inwieweit dies auch auf spezifische Web-TV Inhalte und Youtube Videos übertragbar ist. In der juristischen Diskussion zeichnet sich allerdings ab, dass auch Web-TV Inhalte die rechtlichen Vorgaben zum Product Placement einhalten werden müssen. Grundsätzlich eignet sich ein Product Placement nur für solche Filme und Videos, die einen gewissen Marktwert für die Unternehmen haben. Deshalb kommen für ein Produkt Placement hauptsächlich Unterhaltungsfilme und bereits Bekannte Webvideo Chanels in Betracht. Für

Für Filme und Videos mit weniger Marktwert käme es in Frage, Nutzungsrechte an Musikwerken kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dabei räumt der Sponsor dem Produzenten das Recht ein, bestimmte Musikstücke im Film oder Video zu verwenden. Dies kann zwar auch entgeltlich erfolgen, ist jedoch ebenfalls als Teil eines Sponsorings möglich. Im Gegensatz zum Produkt Placement ist diese Art der Teilfinanzierung auch für weniger erfolgreiche Genre möglich.

Rückstellung

Teil eines Finanzierungskonzeptes können auch die Rückstellungen sein. Dabei verzichten wichtige Akteure des Films oder Videos, wie Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller zum Teil auf die Auszahlung der Vergütung zum aktuellen Zeitpunkt. Die Vergütung bzw. ein Teil der Vergütung wird nur bezahlt, wenn das Projekt erfolgreich ist. Allerdings ist hier seit Anfang des Jahres 2015 das Mindestlohnmodell zu beachten, demzufolge der Mindestlohn auf jeden Fall ausgezahlt werden muss. In diesem Bereich ist keine Rückstellung möglich.

Dieses Finanzierungsmodell eignet sich besonders zur Schließung von Finanzierungslücken. Allerdings müssen die Beteiligten auch bereit sein, auf einen Teil ihrer Vergütung zu verzichten. Sollte das Projekt erfolglos sein, ist der Vergütungsanteil, auf den verzichtet wurde, verloren.

Lizenzpartner

Bereits vor Erstellung des Films oder Videos können bestimmte Lizenzen an dem fertigen Werk verkauft werden. Deshalb spricht man bei vorab Lizenzen auch von Pre-sales. Auch diese Form der Finanzierung eignet sich eher für Filme und Videos mit hohem Marktwert. Dabei können Nutzungsrechte verkauft werden, Sendelizenzen für Web-TV Sender eingeräumt werden oder Nutzungsverträge mit Merchandise Unternehmen und Plattenfirmen geschlossen werden.

Da die Lizenzen vorab oder bei Erreichen eines festgelegten Produktionsstandes verkauft werden, können sie zur Finanzierung des Films oder Videos genutzt werden. Allerdings erfolgt so auch eine frühzeitige Festlegung bezüglich der späteren Verwertung.


Die erfahrenen Anwältinnen und Anwälte der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE helfen Ihnen bei der Realisierung Ihres Filmprojektes. Rufen Sie uns gerne für eine kostenlose Erstberatung an: 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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