ProViDa – Vidista | Geschwindigkeitsüberschreitung

Funktionsweise des ProViDa-Systems

Das ProViDa Videoverkehrsüberwachungssystem, dass auch unter dem Namen Police-Pilot bekannt ist, misst die vom Polizeifahrzeug zurückgelegte Strecke anhand der Radumdrehungen, die geeichte Geschwindigkeit des Polizeiwagens und fügt diese Informationen in die Videoaufzeichung ein.

Geschwindigkeitsmessgerät

Bildnachweis: © lassedesignen - Fotolia.com

Das System erlaubt Geschwindigkeitsmessungen, Abstandsüberwachungen und die Beweisführung bei anderen Verstößen (Drängeln, falsches Überholen etc.).

Zur Geschwindigkeitsmessung stehen mit dem ProViDa-System vier Möglichkeiten zur Verfügung, die prinzipiell auch bei Dunkelheit möglich sind:

1. Aus dem stehenden Polizeifahrzeug heraus wird die gesamte Messtrecke von der Kamera erfasst. Die Zeit, die das überwachte Fahrzeug vom Start- zum Zielpunkt benötigt, wird gemessen. Da die Länge der Messstrecke bekannt ist, kann so die mittlere Geschwindigkeit berechnet werden.

2. Das Polizeifahrzeug fährt mit konstantem Abstand dem überwachten Fahrzeug hinterher oder voraus. Wenn sich der Abstand nicht ändert, entspricht die Geschwindigkeit des Polizeiwagens der des überwachten Fahrzeugs.

3. Fährt das Polizeifahrzeug dem überwachten Fahrzeug hinterher kann auch ohne konstanten Abstand die Geschwindigkeit ermittelt werden, in dem die Messung sich an zwei markanten Ortspunkten orientiert. Die Zeitmessung wird manuell gestartet, wenn das überwachte Fahrzeug den ersten Punkt passiert und beendet, wenn es den zweiten Punkt passiert. Die Wegstrecke wird durch das nachfahrende Polizeifahrzeug gemessen.

4. Zusätzlich kann durch eine Auswertung der Videobilder mittels des sog. Vidista-Verfahrens die Geschwindigkeit bestimmt werden. Dabei wird der Abstand zwischen Polizeiwagen und überwachtem Fahrzeug aus den Videobildern bestimmt. Aus der Geschwindigkeit des Polizeifahrzeugs, die ebenfalls dokumentiert wird, wird dann die Geschwindigkeit des überwachten Fahrzeugs ermittelt. Die Auswertung der Videobilder erfolgt nicht vor Ort, sondern erst im Auswerteraum. Auch wenn die Bilder den Betroffenen aus verkehrserzieherischen Gründen oft direkt gezeigt werden, ist dies noch keine Auswertung.

Bei allen Messmöglichkeiten werden Fehlertoleranzen von +/- 5 km/h bei unter 100 km/h, bzw. +/- 5% bei über 100 km/h angenommen.

Einsatzbereich

Da für eine verlässliche Messung das Polizeiauto dem überwachten Fahrzeug meist länger hinterher fahren muss wird das ProViDa-System meistens auf Autobahnen oder Landstraßen eingesetzt, auf denen sich die Geschwindigkeiten bei normalem Verkehrsaufkommen nicht zu stark verändern. Das von außen kaum zu erkennende System wird meistens in unauffälligen Zivilwagen eingebaut. Auch die Installation auf einem Motorrad ist möglich.

Fehlerquellen bei ProViDa

Durch die Videodokumentation ist es möglich die ermittelteten Geschwindigkeiten durch einen Sachverständigen genau prüfen zu lassen. Denn sowohl abhängig vom Messverfahren, als auch unabhängig davon, können falsche Geschwindigkeiten bestimmt werden.
So gelten die dem Betroffenen eingeräumten Fehlertoleranzen nur, wenn das Polizeifahrzeug die vorgeschriebene Bereifung, bei normalen Luftdruck und ausreichender Profiltiefe besitzt. Nach jedem Reifenwechsel muss insbesondere der Wegstreckenmesser neu geeicht werden. Andernfalls ist die Messung nicht zuverlässig.
Messungen, die nur über kurze Zeit erfasst werden weisen eine große Ungenauigkeit auf. Daher ist eine Überwachung des Gegenverkehrs zumindest für die Geschwindigkeitsmessung nicht aussagekräftig.

Wird bei konstantem Abstand gemessen, kann eine Überprüfung der Videoaufnahmen klären, ob zusätzliche Fehlertoleranzen eingeräumt werden müssen, weil sich der Abstand zwischen den Fahrzeugen während der Messung geändert hat. Auch bei der Orientierung an markanten Ortspunkten können durch Bedienungsfehler falsche Geschwindigkeiten ermittelt werden, da sowohl die Zeit- als auch die Wegmessung manuell gestartet und beendet werden müssen, wobei in manchen Fällen sogar versehentlich nicht die gleichen Ortspunkte verwendet werden.

Werden die Aufnahmen mit dem Vidista-Verfahren ausgewertet ist die Länge der Nachfahrstrecke entscheidend für die Genauigkeit der Messung. Eine zuverlässige Messung ist bei einer Strecke unter 100 m nicht möglich. Die optimale Messstrecke beträgt 300 – 500 m. Um den Abstand zwischen Polizeifahrzeug und überwachten Fahrzeug zu bestimmen wird beim Vidista-Verfahren die Höhe des überwachten Fahrzeugs als Referenzgröße benötigt. Wenn eine falsche Fahrzeughöhe angenommen wird, sind die ermittelten Geschwindigkeiten nicht richtig. Durch Akteneinsicht können wir dies für Sie prüfen.

Wird das Vidista-Verfahren bei Videomaterial angewandt, dass von einem Motorrad aus aufgenommen wurde, dürfen Messungen, die bei offensichtlicher Schräglage des Überwachungsmotorrads aufgenommen wurden, nicht ausgewertet werden.

In sehr seltenen Fällen liegt auch ein Updatefehler vor, der zur falschen Darstellung der Wegstrecken und Zeiteinblendungen im Videosignal führt. In vielen Fahrzeugen wird das Wegstrecken-Signal nicht direkt an das System weitergegeben, sondern über einen sog. CAN-Bus (Controller Area Network) geführt. Dieser muss eine Bauartzulassung der Physikalischen Technischen Bundesanstalt besitzen und geeicht sein. In Fällen wo diese nicht vorlag wurden z.T. größere Fehlertoleranzen eingeräumt, in einigen Fällen entschieden Gerichte sogar, dass die Vorwürfe gänzlich fallen gelassen wurden.

Gerade die Transparenz des ProViDa-Systems erlaubt eine genaue Überprüfung des Falls. Zögern Sie daher nicht sich an uns zu wenden! Rufen Sie uns unter 0221 / 951 563 0 (Beratung bundesweit) an, am besten noch bevor sie den Anhörungsbogen zurückschicken.


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Die Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE verfügt seit mehr als zwanzig Jahren insbesondere über fachliche Kompetenzen in den Gebieten des Wirtschaftsrechts, inklusive E-Commerce und Schutz des geistigen Eigentums, des Internet- sowie des Urheberrechts. Unter der Rufnummer 0221 / 951 563 0 erreichen Sie uns täglich für eine kostenlose Erstberatung. Unsere Anwälte beraten Sie gerne bundesweit.

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