Verkehrsrecht

60 Km/h zu schnell wegen starken Stuhldrangs – keine Entschuldigung

Das Amtsgericht Lüdinghausen entschied in seinem Urteil vom 17.02.2014 (AZ.: 19 OWi-89 Js 155/14-21/14), dass starker Stuhldrang nicht als „notstandsähnliche Situation“ zu einem Absehen vom Regelfahrverbot führt, wenn der Betroffene bereits vor Erreichen der Tempolimit-Zone Probleme in seinem Darm wahrgenommen hatte.

Einmonatiges Fahrverbot und Bußgeld von 315,- €

Ein Mann wurde mit 132 Km/h auf einer Landstraße geblitzt, auf der 70 Km/h zugelassen waren. Daraufhin wurde ein einmonatiges Fahrverbot nebst einem Bußgeld von 315,- € verhängt. Einen ähnlichen Eintrag im Verkehrsregister gab es bereits.

Notdurft im Maisfeld verrichtet

Den Führerschein abgeben und das Bußgeld zahlen wollte der Betroffene jedoch nicht. Er gab an, wegen eines bereits vor dem Erreichen der Tempolimit-Zone verspürten schmerzhaften Drucks im Darm vom Verkehrsgeschehen abgelenkt worden zu sein, so dass er das Verkehrsschild übersehen habe. Zwar habe er mit noch überhöhter Geschwindigkeit das Messgerät passiert, einige Meter dahinter jedoch bereits seinen Wagen zum Stehen gebracht, um seine Notdurft im angrenzenden Maisfeld zu verrichten.

Betroffener hätte andere Möglichkeiten gehabt

Das Amtsgericht Lüdinghausen ließ sich von den Ausführungen des Betroffenen nicht überzeugen. Eine Entschuldigung der Geschwindigkeitsüberschreitung liege auch deswegen nicht vor, weil der Betroffene glaubhaft erklärt habe, schon vor dem Erreichen der Tempolimit-Zone Verstimmungen im Darm verspürt zu haben, unter denen er bereits seit geraumer Zeit leide. Der Autofahrer hätte deswegen in Zweifel ziehen müssen, ob er überhaupt eine Autofahrt antreten konnte. Eine frühzeitige Fahrtunterbrechung- oder Beendigung sei möglich gewesen, jedenfalls aber hätten Umwege gefahren werden müssen, die eine plötzliche Verrichtung der Notdurft ermöglicht hätten.

Fazit

Hart, aber gerecht entschied das Amtsgericht Lüdinghausen. Wer um die eigenen Magendarmprobleme weiß, muss seine Fahrt dementsprechend anpassen – oder zeitweise ganz darauf verzichten. Eine derartige Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer – der Betroffene fuhr auf einer Landstraße fast doppelt so schnell wie erlaubt – ist dadurch nicht gerechtfertigt. Ob dies möglicherweise anders zu entscheiden wäre, wenn der plötzliche schmerzhafte Stuhldrang gänzlich unerwartet kommt, erscheint allerdings auch fraglich.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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