Urheberrecht

VG München: Sendezeitbeschränkungen für im TV ausgestrahlte Schönheitsoperationen

Das Verwaltungsgericht München hat in einem aktuellen Urteil vom 17.06.2009 entschieden, dass TV-Formate, die Schönheitsoperationen zum Gegenstand haben, nur in der Sendezeit zwischen 23.00 und 06.00 Uhr ausgestrahlt werden dürfen und bestätigte damit die Einschätzung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) zu diesem Thema.

Mit dem Urteil erteilt das VG München dem Musiksender MTV eine Absage bezüglich der Ausstrahlung der US-Serie „I want a famous face“ in dem Zeitraum vor 23.00 Uhr. Die Serie zeigt Menschen, die sich mit Hilfe von Schönheitsoperationen ihrem Idol optisch annähern bzw. diesem entsprechen wollen.

Die KJM wendet gegen zu Unterhaltungszwecken ausgestrahlten Schönheitsoperationen ein, dass diese die Gefahr bergen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung erheblich zu beeinträchtigen, da häufig die Gesundheitsrisiken einer solchen Operation verharmlost würden. Das VG München schloss sich der Stellungnahme der KJM weitestgehend an und führte hierzu aus:

„(…)Im vorliegenden Fall hat die Beweisaufnahme des Gerichts ergeben, dass die fachliche Meinung der KJM – abgesehen von Detailfragen, bei der Folge 3 insbesondere, ob Entwicklungsbeeinträchtigungen auch noch bei der Altersgruppe der 16- bis 17-Jährigen zu befürchten sind – nicht zu beanstanden ist. (…)

Bei dem Format „I want a famous face“ handelt es sich um ein serielles Format, d.h. die handelnden Personen (die Protagonisten, ihre Ärzte sowie Freunde, Eltern oder Manager) sind in jeder Folge andere. Es bietet über mehrere Folgen hinweg reportageähnliche Geschichten über einen bestimmten Lebensausschnitt junger Leute. (…)Zusammenfassend stellt das Gutachten fest, dass das Format einer einseitigen und auf den Aspekt kommerzieller, massenmedial geprägter Schönheits- und Körperbilder bezogenen Wertevermittlung Vorschub leistet, die im Hinblick auf den noch ungefestigten Aufbau des Selbstbildes bei Kindern und Jugendlichen im Sinn einer sozialethischen Desorientierung als problematisch gewertet werden muss. Das Format verwendet Präsentationsmittel, die geeignet sind, ein angemessenes Verständnis bzw. eine Einordnung des für Jugendliche in der Präpubertät und Pubertät relevanten Themas Schönheit/Körperbilder zu behindern: (…) Heranwachsenden wird damit die Chance erschwert, sich ein eigenes Urteil zu bilden (das dazu notwendige Co-Fabulieren wird durch schnelle Schnitte, Schockelemente, Videodip-Ästhetik etc. behindert). Das kann einer Verunsicherung insbesondere dann Vorschub leisten, wenn die Rezipienten – vor allem jüngere sowie formal niedriger gebildete Jugendliche – nicht über eine entsprechende Genre- und Format-Kompetenz verfügen und aufgrund thematischer Voreingenommenheit die Sendung mit besonderer Betroffenheit verfolgen.(…)“

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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