Urheberrecht

Urheber-Kampagne: Datenveröffentlichung entfacht Diskussion

Mit 100 Unterzeichnern startete letzte Woche die Kampagne „Wir sind die Urheber“ – mittlerweile sind es bereits mehr als 6000 Unterzeichner. Künstler und Kunstschaffende haben sich darin für das Urheberrecht ausgesprochen. Als Gegenreaktion wurde die Kampagne „Wir sind die Bürger“ initiiert, die zu einer Modifizierung des Urheberrechts und zum Dialog aufrief. Weniger zimperlich reagierte die Hacker-Gruppe Anonymous, die Adressen und persönliche Daten von rund 50 prominenten Unterzeichnern der Urheber-Kampagne veröffentlichte.

Anonymous: „Druckmittel gegen die Kampagne“

Anonymous hat nun sein Vorgehen gerechtfertigt. Auf der Seite pastebin.com wird erklärt, die Aktion sei „keine Bedrohung oder Untergrabung der Meinungsäußerung“, sondern solle einzig als „Druckmittel gegen die Kampagne verwendet“ werden.

Einer der Aktivisten erklärte die Intention folgendermaßen: „Diese Leute lassen sich mit solchen Kampagnen von der Lobby vor den Karren spannen und merken es noch nicht mal. Gerade in Zeiten wo hitzige Debatten rund um ACTA, VDS uvm. anstehen, macht man sich mit dieser Art von Kampagne nicht viele Freunde. Meinung hin oder her, wir haben als neutrale Bürger dem Verantwortlichen dieser Aktion mehrere Mails geschrieben, was man damit bezwecken möchte und ob man nicht bitte genauer über diese Kampagne aufklären könne. Wir haben keine Antworten erhalten und wurden ignoniert. So haben wir uns nun mit unserer Aktion Gehör verschafft und die Medien erledigen nun den Rest, in dem es nun dann doch mehrere Menschen als vorher interessiert und sich darüber selbst ein Bild machen können!“

Zumal betonte man, dass die Adressen nicht auf illegalem Wege beschaffen worden seien, sondern von den Aktivisten „aus Online Telefonbüchern, Wikipedia-Profilen und Impressen der Künstler-Webseiten kopiert“ wurden. Es seien Daten gewesen, die mit etwas Recherche frei im Netz zugänglich seien.

Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Aktivisten werden oder haben die Tweets zu den pastebins gelöscht, um zu zeigen, dass es hier nicht um die mutwillige Veröffentlichung von Daten ging, sondern um Aufklärung.“

Verlage wollen juristisch vorgehen

Nach Angaben der FAZ haben 17 Verlage eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der es heißt, die Aktion von Anonymous sei „der vorläufige Höhepunkt von beispiellosen kunstfeindlichen Beleidigungen und Beschimpfungen aus der Deckung des Internets.“ Der Verlag Random House will zudem Strafanzeige wegen Nötigung und Aufruf zu Straftaten erstatten, so die Meldung der FAZ weiter.

Chaos Computer Club: „Idiotische Prangermentalität“

Doch auch aus der Netzgemeinde gibt es Kritik. Auf Twitter schrieb Frank Rieger, einer der Sprecher vom Chaos Computer Club: „*Seufz* Das #Anonymous -Label wurde auch schon mal für sinnvollere und zielführende Aktionen benutzt. Künstler bedrohen ist wirklich dumm.“ Es sei eine „idiotische Prangermentalität“. In einem weiteren Tweet schrieb Rieger: „Nicht alle Daten waren öffentlich & es ist ein impliziter Aufruf, mehr zusammenzutragen & zu stalken. Nicht zu rechtfertigen.“

DJV: „Abgrund an Intoleranz“

Der Deutsche Journalisten Verband zeigte sich ebenfalls empört. Mit der Veröffentlichung der Daten durch Anonymous „werde nicht nur die Privatsphäre der betroffenen Künstler verletzt, […] sondern auch auf unzulässige Weise der Versuch unternommen, die Diskussion über die Zukunft des Urheberrechts abzuwürgen“, so DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Weiter sagte er: „Das ist ein Abgrund an Intoleranz!“

VDD: „Demokratie lebt nicht von Schwarmintelligenz“

Auch der Vorstand des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren kritisierte die Aktion heftig. In einem öffentlichen Statement heißt es: „Mit Abscheu haben wir zur Kenntnis genommen, dass eine Gruppe unbekannter Netzaktivisten unter dem Pseudonym „Anonymus“ die Adressen und persönliche Daten von Unterzeichnern des Aufrufes „Wir sind die Urheber!“ im Internet veröffentlicht haben.“

Und weiter heißt es dort: „Demokratie lebt nicht von Schwarmintelligenz, anonymen Shitstorms oder Denunziantentum, sondern von der direkten, persönlichen und offenen Teilnahme an gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozessen. Gerade deshalb werden wir uns nicht einschüchtern lassen und in Zukunft weiter jeden Urheber und Künstler darin unterstützen, sich öffentlich für das Urheberrecht einzusetzen. SCHÄMT EUCH, NETZMAFIA!“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (2)

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  1. Slash sagt:

    Ich unterstütze die Aktion nicht, aber die Empörung seitens der Urheberrechts-Verschärfer bringt doch eine große Doppel-Moral zum Vorschein:
    Die komplette Bevölkerung zur Durchsetzung des Urheberrechts durch Mittel wie Vorratsdatenspeicherung und Deep-Packet-Inspection (Datenüberwachung) virtuell totalüberwachen lassen ist okay – ja, mehr noch; dringend erforderlich -, aber wenn die Daten der Urheberrechts-Verschärfer mal selbst aus dem grundgesetzlichen Schutzbereich der Privatsphäre gezogen werden, dann ist das ein ganz großer Skandal.

    Wie war das noch mal ? Wasser predigen, und sich selbst Wein einschenken ? Was du willst, was man dir nicht tut, das tu‘ auch keinem anderen an ?

    In dem Sachverhalt kommt die pure Heuchelei und Egozentrik der Urheberrechts-Verschärfer zum Ausdruck.

  2. Slash sagt:

    Ich unterstütze die Aktion nicht, aber die Empörung seitens der Urheberrechts-Verschärfer bringt doch eine große Doppel-Moral zum Vorschein:
    Die komplette Bevölkerung zur Durchsetzung des Urheberrechts durch Mittel wie Vorratsdatenspeicherung und Deep-Packet-Inspection (Datenüberwachung) virtuell totalüberwachen lassen ist okay – ja, mehr noch; dringend erforderlich -, aber wenn die Daten der Urheberrechts-Verschärfer mal selbst aus dem grundgesetzlichen Schutzbereich der Privatsphäre gezogen werden, dann ist das ein ganz großer Skandal.

    Wie war das noch mal ? Wasser predigen, und sich selbst Wein einschenken ? Was du willst, was man dir nicht tut, das tu‘ auch keinem anderen an ?

    In dem Sachverhalt kommt die pure Heuchelei und Egozentrik der Urheberrechts-Verschärfer zum Ausdruck.

    Übrigens; die Tags zum Artikel gehen mal gar nicht:
    Der Begriff „geistiges Eigentum“ (sic!) ist grob unsachgemäß und hat somit grundsätzlich
    nichts in einer Urheberrechts-Reform verloren.Geistige Werke sind Schöpfungen eines
    konkreten Individuums, die es ohne dieses Individuum nicht gegeben hätte; allerdings
    bauen geistige Werke gleichermaßen auch auf früheren geistigen Werken auf!
    Unter anderem auch auf Inhalte, die mittlerweile Gemeingut sind (Kinderlieder, Bildung, etc.).
    Geistige Schöpfungen sind keine genialen Eingebungen, die im luftleeren Raum entstehen:
    Ohne traditionelle fernöstliche Musik, kein Song “In the Light” von Led Zeppelin; ohne Klassik,
    keine Rock-Band Muse; ohne Bauhaus-Architektur keine Egon Eiermann-Architektur etc.
    Weil geistige Werke zu einem hohem Anteil nur eine Ableitung von unserem kulturellen Inventar
    sind, und damit von etwas, das uns allen gehört, ist es absurd, einen Eigentumsanspruch auf
    ein geistiges Werk zu erheben, der ja alle anderen absolut von der Nutzung ausschließt. In dem
    Moment, in dem man das macht, begeht man nach dieser Logik ja selbst Diebstahl; nämlich an
    den Urhebern von geistigen Werken, die einen bei seinem eigenen Schaffen beeinflusst haben.
    Das zeigt auf: Man muss mit geistigen Werken anders umgehen, als mit Eigentum; freizügiger.
    Urhebern steht natürlich ein Vorrecht zu, aber die Allgemeinheit hat gleichermaßen ein Recht
    auf Zugeständnisse. Genau so war unser Urheberrecht in seiner Erstfassung auch ausgestaltet.
    Jener Rechtsgedanke ist mittlerweile aber leider durch beständige, jahrzehntelange Lobbyarbeit
    pervertiert, so dass unser heutiges Urheberrecht kein kodifizierter Interessensausgleich zwischen
    Urhebern und Allgemeinheit mehr ist, sondern ein Verwerterrecht, das die Interessen der
    Rechteverwerter viel zu stark berücksichtigt, und das zulasten aller anderen Interessensgruppen,
    auch der Interessensgruppe der Urheber.
    Abseits hiervon werden mit dem Begriff „geistiges Eigentum“ (sic!) alle Schutzrechte – also das
    Urheberrecht und seine verwandten Schutzrechte, Geschmacksmuster, Patentrecht,
    Markenrecht, etc. – alle in einen Topf geworfen, obwohl sie sich erheblich von einander unterscheiden;
    auch deshalb ist der Begriff „geistiges Eigentum“ (sic!) keine Grundlage für eine sachgemäße
    Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht…

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