Urheberrecht

Urheber-Erlösbeteiligung: Regieverband kritisiert Verteilungsschlüssel

Am 01.April 2014 soll der Ergänzungstarifvertrag zur Erlösbeteiligung von Filmurhebern und ausübenden Künstlern in Kraft treten. Der Regieverband (BVR) jedoch missbilligt den Verteilungsschlüssel.

Laut dem Ergänzungstarifvertrag, den Ver.di und der Schauspielerverband BFFS mit der Produzentenallianz abgeschlossen haben, sollen künftig 7,5 % vom Produzenten-Netto der ersten Beteiligungsstufe aufgeteilt werden. Doch der ausgehandelte Verteilungsschlüssel stelle nicht nur bisherige kollektivvertragliche Rahmenregelungen, sondern auch Teile des Urheberrechts auf den Kopf, so die Kritik des Regieverbandes.

Es sei „absurdes Wunschdenken“, wenn bei einem Fiction-Film der Regisseur 1,84 % der genannten Produzentenerlöse erhalten soll, Schauspieler (einschl. Stuntleute) jedoch 3,0 % vereinnahmen. Die Proportionen seien offensichtlich verschoben, wenn der Bereich Ton und VFX mehr als ein Fünftel des Regieanteils, das Maskenbild ein Achtel, Kamera und Schnitt ein Drittel der vorgesehenen Regie-Erlösbeteiligung bekommen sollen, so die Meldung des BVR weiter.

© Maria.P.-Fotolia

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„Fauler Kompromiss“

Die neue Regelung sei ein Kompromiss, „der so faul ist, dass er stinkt“, heißt es wörtlich in der Meldung. Es sei ein Vertrag zu Lasten Dritter, der die anstehenden Vergütungsregel-Verhandlungen des Regie- und Drehbuchverbands massiv erschweren werde.

Nach Ansicht des BVR sei nicht jeder Filmschaffende gleich ein Urheber und somit leistungsschutzberechtigt. Zwar gönne man jedem Filmschaffenden einen Gagenzuschlag, „aber bitte nicht unter dem Deckmantel eines falsch verstandenen Urheberrechts“, so die Meldung weiter. Gefühlte Kreativität als urheberrechtliche Leistung mit entsprechenden Schutz- und Vergütungsansprüchen auszugeben höhle das Urheberrecht von innen heraus aus, so die Befürchtung des Verbandes.

„Keil zwischen Filmurheber und Filmschaffenden“

Weiter heißt es in der Meldung: „Ver.di und BFFS sind dem versierten Verhandlungsführer der Produzentenallianz auf den Leim gegangen und haben einen Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen, der nicht nur einen Keil zwischen Filmurhebern und Filmschaffenden treibt, sondern darüber hinaus auch noch unvorteilhaft, höchst kompliziert, intransparent und in Teilen wohl auch rechtswidrig ist.“

Daher lehne der BVR den Ergänzungstarifvertrag als auch den Verteilungsschlüssel ab. Eine gerichtliche Überprüfung der hier vorgenommenen Selbstermächtigungen sei deshalb wohl kaum vermeidbar, heißt es in der Meldung abschließend.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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