Urheberrecht

TV-Formate: Boomender Handel und viele Plagiate

Auch wenn die Pro7-Sendung „Schlag den Raab“ nach Ansicht vieler Zuschauer mit ihrem Protagonisten Stefan Raab steht und fällt – die Produktionsfirma Brainpool hat das Format erfolgreich als „Schlag den Star“ international verkauft. Auch Frank Elstner hat seine „Wetten, dass…“-Idee weltweit vermarkten können. Doch nicht immer sind Formatideen ausreichend geschützt.

Zwar boomt der Handel mit TV-Formaten, doch gerade das Thema Plagiate ist eine Herausforderung, auch in Deutschland.

Die Produzenten-Dachorganisation Frapa verwies bei einer Veranstaltung auf dem Fernsehmarkt Mipcom in Cannes auf eine Studie, nach deren Angaben allein der internationale Handel mit Formaten wie „Big Brother“ oder „Who wants to be a Millionaire?“ zwischen 2006 und 2008 ein Umsatzvolumen von 9,3 Milliarden Euro erreicht hat. Aus insgesamt 445 verkauften Formaten wurden 1262 Adaptionen für den nationalen Markt in 57 Ländern realisiert.

Problematisch sind aber die Plagiate, denn es gibt keinen hinreichenden Schutz von Formaten und Formatideen. In Deutschland konnten sich im Jahr 2000 die Macher der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ juristisch verhindern, dass Sat.1 eine Soap „Gute Nachbarn, schlechte Nachbarn“ nennen würde. Dies sei laut der Studie der einzige Fall in Deutschland, in dem eine Klage Erfolg hatte, so die Meldung weiter.

In Brasilien hingegen hatte der oberste Gerichtshof 2004 bestätigt, dass eine „Big Brother“-Kopie dem holländischen Produzenten Endemol einen Verlust von 600 000 Euro eingebracht hat. „Ein TV-Format ist wesentlich mehr als die zentrale Programm-Idee, sondern beinhaltet viele weitere wirtschaftliche, künstlerische, technische und geschäftliche Informationen“, entschieden die südamerikanischen Richter und legitimierten Lizenzansprüche von anderthalb Millionen Euro. In den Niederlanden gab es eine ähnliche Rechtsprechung und auch in England setzt ein veränderter Umgang mit der Problematik ein.

Mitunter sei es auch der Fall, dass Senderverantwortliche selbst Ideen, die ihnen präsentiert wurden, aufgreifen und von kostengünstigeren Produktionsfirmen realisieren lassen, so Beobachtungen von Brancheninsidern.

Formatideen sind in Deutschland aus juristischer Sicht schwierig zu schützen. Die Frapa schlägt hier Selbstverpflichtungen und Mediationen vor. Doch diese hehren Ideale sind vermutlich kein hinreichender Schutz. „Deutschland hinkt im Formatschutz stark hinterher“, sagt Frapa-Chefin Ute Biernat, gleichzeitig Geschäftsführerin der Firma Grundy Light Entertainment. „Möchten wir im internationalen Geschäft mitspielen und vor allem mitverdienen, müssen sich die Rahmenbedingungen endlich ändern.“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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