Urheberrecht

Täuschungsversuch bei Prüfung durch Übernahme fremder Quellen aus dem Internet

Das Abschreiben von Beiträgen aus dem Internet ohne Angabe der Quelle ist kein Kavaliersdelelikt- auch wenn es sich „nur“ um Passagen handelt. Dies hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg klargestellt.

Im vorliegenden Fall hatte ein Student bei der Anfertigung seiner Hausarbeit im Diplomstudiengang Wirtschaft passagenweise Quellen aus dem Internet wörtlich wiedergegeben. Er hatte sie dabei nicht als Zitat kenntlich gemacht. Im Folgenden wurde die Hauarbeit mit „nicht ausreichend“ bewertet. Dies begründeten die Prüfer mit einem festgestellten Täuschungsversuch und beriefen sich auf die Prüfungsordnung. Diese sah bei einem Täuschungsversuch zwingend die Bewertung der Hausarbeit mit nicht ausreichend vor.

Doch der Student wehrte sich und klagte gegen diese Bewertung der Hausarbeit. Er berief sich unter anderem darauf, dass es an einer hinreichenden Rechtsgrundlage fehlen würde. Außerdem war er der Ansicht, dass die Regelung in der Prüfungsordnung unverhältnismäßig sei.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ließ diese Einwände in ihrer Entscheidung vom 30.11.2011 (Az. 10 N 48.09) nicht gelten. Die Richter bestätigten die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Berlin, wonach die Bewertung der Hausarbeit rechtmäßig gewesen ist. Aus diesem Grunde lehnten sie die Zulassung der Berufung ab.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg stellte hierzu zunächst einmal fest, dass der Student an mehr als 12 Stellen Passagen aus Quellen zumindest nahezu wortgleich übernommen hat, ohne die Quelle zu nennen. Hierin liegt ein Täuschungsversuch. Denn er erweckt den Anschein, dass es sich um seine eigene Meinung handelt. Bezüglich der Rechtsgrundlage haben die Richter keine Bedenken im Hinblick auf dieVerhältnismäßigkeit.

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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