Internetrecht

RA Christian Solmecke im Gespräch mit Spieleentwickler Andre Bürger von VIS Games

Der Kerpener Spielehersteller VIS Games entwickelt seit 10 Jahren Simulationen und andere Computerspiele. In diesem Video tauscht sich der langjährige Spieleentwickler und VIS Game Inhaber Andre Bürger mit Rechtsanwalt Christian Solmecke über die rechtlichen und praktischen Aspekte von Let’s Play Videos und andere Entwicklungen im Computerspielemarkt aus.
Dieses ergänzt eine Reihe frühere Beiträge von WILDE BEUGER SOLMECKE zu diesem Thema, sh. unten im Beitrag.

Inzwischen stellen die große Mehrheit aller Spielehersteller selbst YouTube Videos ihrer Spiele quasi als Vorspann online. Aber eben auch durch die User selbst wird eine Vielzahl solcher Videos online gestellt, die erwähnten Let’s Play Videos. Rechtsanwalt Christian Solmecke unterstreicht, dass die rechtliche Lage bezüglich der Let’s Play Videos glasklar sei: Alle Figuren, Umgebungen usw. eines Spiels seien urheberrechtlich geschützt und daher bedürfe Ihrer Verwendung die Zustimmung des Urheberrechtsinhabers, wenn also die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Spielerentwicklers nicht explizit die Nutzung in Let’s Play Videos gestatte.
Allerdings können die Let’s Play Videos auch gute Werbung für ein Spiel darstellen.

Unterschied zwischen freier Meinungsäußerung und einer Tatsachenbehauptung

Dem stimmte auch Andre Bürger grundsätzlich zu, betonte aber, dass dies aber vom Stil und der Qualität des Let’s Play Videos abhänge.
Konstruktive Kritik sei aus Entwicklersicht hochwillkommen. Allerdings sei hierbei vielen Usern der Unterschied zwischen freier Meinungsäußerung versus Tatsachenbehauptung nicht ganz klar.
Diesen könnte man auf die Formel „gefällt mir nicht“ vs. „funktioniert nicht“ zuspitzen.
Rechtsanwalt Christian Solmecke erinnerte an frühere YouTube Beiträge von WILDE BEUGER SOLMECKE zu diesem Thema.
Andre Bürger erwähnte den Fall eines Users, der ein Spiel direkt aus der Verpackung ohne vorheriges Lesen der Spielanleitung in ein Let’s Play Video übernommen habe und so, ohne sich mit dem Spiel und seinen Funktionen auseinandergesetzt zu haben, es vernichtend kommentiert habe.

Bürger: Dialog mit Usern, statt Maulkorb

Andre Bürger betonte, dass es VIS Games auch in solchen Fällen nicht darum ginge, Usern einen Maulkorb zu verpassen. Man sehe auch von der Verwendung der „juristischen Keule“ ab und suche vielmehr das Gespräch. Häufig würden einsichtige User nach derartigen Gesprächen Ihre Let’s Play Videos offline nehmen und in Rücksprache mit VIS Games neu aufnehmen. Viel Kommunikation mit Let’s Play Usern laufe auch über Skype. Usern mit sehr konstruktivem Feedback ermögliche man auch neue Spiele 5 Tage vor deren eigentlicher Veröffentlichung ausprobieren zu können.
Andre Bürger unterstrich, dass VIS Games prinzipiell auch Let’s Play Videos wolle, aber diese eben konstruktiv und fair bleiben sollten.

Tips für User, die Let’s Play Videos online stellen wollen

Der Tip von Andre Bürger für User, die Let’s Play Videos online stellen wollten, sei sich zuerst die Rechte des Herstellers (Hersteller: derjenige das Spiel von Null aus mit Programmierung, Grafik etc. entwickele; Publisher: derjenige der das fertige Produkt vom Entwickler bekommt und für dessen Vermarktung sorgt):
Man solle sich die Genehmigung des Herstellers einholen, da die Urheberrechte beim Entwickler lägen, wohingegen die Nutzungsrechte an den Publisher übertragen seien.
Rechtsanwalt Christian Solmecke erinnerte daran, dass unter Umständen sämtlicher Nutzungsrechte an den Publisher übertragen werden, weswegen der Entwickler selbst diese Genehmigung häufig selbst gar nicht an Dritte geben dürfe. Richtig sei aber zunächst zur Quelle, also dem Entwickler zu gehen und die rechtliche Situation mit diesem zu klären.
Bürger betonte, dass neben der Genehmigung korrektes und faires Verhalten zentral sei. Der User solle sich vorher genau überlegen, was er eigentlich in dem Video sagen wolle. Ferner sei es sehr wichtig sich das gesamte Video vor dem hochladen noch einmal anzusehen, und insbesondere bezüglich der Wortwahl sicherzustellen, dass man nicht ins beleidigende abdrifte.

Die Schwelle der Meinungsfreiheit

Rechtsanwalt Solmecke erinnerte daran, dass aus rechtlicher Sicht die Schwelle der Meinungsfreiheit dort überschritten sei wo in den beleidigenden Bereich übergegangen werde.
Man könne im Übrigen auch Unternehmen beleidigen, die sich dagegen juristisch zur Wehr setzen dürfen, auch wenn davon von den Unternehmen, wie im Falle von VIS Games, häufig abgesehen werde. Bürger stimmte dem zu. Man habe bisher eigentlich immer einen Kompromiss gefunden.
Die User sollten ja kritisieren und das Produkt nicht hochloben. Dies müsse aber vernünftig geschehen.

Visionen für den Spielemarkt

Bürgers Vision für den Spielemarkt: Bürger nimmt an, dass der Anteil von mobilen Devices im Spielemarkt noch weiter zunehmen werde, insbesondere da diese Devices immer leistungsfähiger würden. So seien iPhone, Android und iPad immer häufiger die „Konsolen“ von Computerspielen.
Auch der Onlineverkauf von Spielen, also die Möglichkeit zum Download, z.B. über Amazon werde weiter zunehmen. Entsprechend seien VIS Spiele auch über Amazon erhältlich.

Frühere YouTube Beiträge von WILDE BEUGER SOLMECKE zum Thema Let’s Play Videos und freie Meinungsäußerung:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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