Urheberrecht

Promis im Netz auf fett getrimmt: Presseportal berichtet über Internet-Wettbewerb

Die Berichterstattung eines Presseportals über einen Internet-Wettbewerb („Promis im Netz auf fett getrimmt“) und das damit einhergehende Zeigen der entstellten Bilder, ist eine freie Bearbeitung im Sinne des § 24 UrhG. Eine Urheberrechtsverletzung liege deshalb nicht vor, so die Richter am OLG Hamburg in ihrem Urteil vom 04.12.2014, Az.: 5 U 72/11.

 Promis im Netz auf fett getrimm© ferkelraggae-Fotolia

Promis im Netz auf fett getrimm© ferkelraggae-Fotolia

Wettbewerbsteilnehmer bearbeiten Prominentenfotos

Auf der Internetseite www.worth1000.com wurde folgender Wettbewerb veranstaltet: Fotos von Prominenten wurden von Teilnehmern des Wettbewerbs, per Bildbearbeitungsprogramm, so bearbeitet, dass die Prominenten möglichst fettleibig erschienen.

Über diesen Internet Wettbewerb berichtete das Presseportal bz-berlin.de. Um ausreichend berichten zu können, veröffentlichte das Presseportal auf seiner Homepage die eingereichten bearbeiteten Fotos der „fetten“ Prominenten.

Original Foto stammt von Fotograf

Insbesondere ein Foto sorgte jetzt vor Gericht für Ärger. Das Original Foto des Prominenten wurde von einem bekannten Fotograf fotografiert, bevor dieses dann von einem unbekannten Teilnehmer des Wettbewerbs bearbeitet wurde. Der Fotograf sieht sich jetzt, insbesondere durch die Veröffentlichung des entstellten Bildes im Presseportal bz-berlin.de, in seinem Urheberrecht verletzt. Er, als Urheber, sei im Bild nicht angegeben wurden. Zudem sei das veränderte Bild derart entstellt, dass sein Ruf bei seinen Kunden geschädigt sei. Diese würden jetzt davon ausgehen, er hätte das entstellte Bild freiwillig zur Verfügung gestellt.

Die Richter am Oberlandesgericht Hamburg gaben dem Pressportal Recht. Eine Urheberrechtsverletzung liege nicht vor. Die Richter urteilten zugunsten der Pressefreiheit gemäß Art. 5 I 2 GG.

Die Richter lehnte die Berufung des Presseportals auf § 50 UrhG ab. Danach sind Berichterstattungen über Tagesereignisse in einem gewissen Umfang zulässig. Im vorliegenden Fall fehle es jedoch an der erforderlichen Aktualität, damit der Ausnahmetatbestand des § 50 UrhG greifen könne. Der Wettbewerb dauere gerade mehrere Wochen an, demnach weise auch die Berichterstattung keinen Tagesbezug mehr auf.

Letztendlich stützten die Richter ihre Argumentation jedoch auf § 24 UrhG. Es läge gerade eine freie Bearbeitung durch den unbekannten Dritten vor. Diese Form der Entstellung sei als Parodie gemäß § 24 UrhG zulässig. Die spätere Veröffentlichung des Presseportals stelle dann erst Recht keine Verletzung der Urheberrechte des Fotografen dar.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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