Urheberrecht

Presserat rügt Bild-Zeitung wegen der Berichterstattung zum Flugzeugabsturz im Himalaya

In einer öffentlichen Rüge hat der Presserat wieder einmal die Berichterstattung der Bild-Zeitung verurteilt. In dem beanstandeten Bericht ging es um einen Flugzeugabsturz im Himalaya bei dem auch zwölf deutsche Touristen starben. An dieser Berichterstattung rügte der Presserat die Veröffentlichung von Bildmaterial, dass die teilweise Identifizierung der Leichen ermöglichte und damit die Gefühle der Angehörigen verletzt habe. In der Pressemitteilung des Presserats führte dieser zu der öffentlichen Rüge gegen die Bild-Zeitung aus:

„Der Presserat hat vier Zeitungen wegen Verstößen gegen den Pressekodex öffentlich gerügt. Bei seinen jüngsten Sitzungen in Bonn am 2. und 3. Dezember beanstandeten die beiden Beschwerdeausschüsse des Presserats Verletzungen der Sorgfaltspflicht, eine nicht ausreichende Kennzeichnung von Anzeigen und die unangemessen sensationelle Darstellung eines Flugzeugabsturzes. (…)

Leichenfotos
Öffentlich gerügt wurde die BILD-Zeitung aufgrund der Berichterstattung zum Absturz eines Flugzeuges im Himalaya, bei dem auch zwölf deutsche Touristen starben. Die Zeitung hatte auf der ersten Seite großformatig ein Foto der Unglücksstelle abgebildet, auf dem verkohlte Leichen zu sehen waren. Im Innenteil wurden zudem Fotos einiger Passagiere veröffentlicht. Dadurch wurde ein Teil der Opfer identifizierbar. Durch den assoziativen Zusammenhang zwischen den Abgelichteten im Innenteil und den anonymen Leichen auf der Vorderseite wurden die Gefühle der trauernden Angehörigen verletzt. In der Gesamtberichterstattung sah der Beschwerdeausschuss einen Verstoß gegen die Ziffern 11 und 8 des Pressekodex. Ziffer 11 verpflichtet die Presse, „auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität“ zu verzichten, und grenzt in Richtlinie 11.3 die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen deutlich ein:

Richtlinie 11.3 – Unglücksfälle und Katastrophen
Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.(…)“
(Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Presserats vom 04.12.2008)

Die Bild-Zeitung kritisierte die öffentliche Rüge des Deutschen Presserats, da dieser mit zweierlei Maß messe und durch diese Rüge jede Fotoveröffentlichung problematisiere. In der Pressemitteilung des Axel Springer Verlages wurde wie folgt Stellung genommen:

„Der Chefredakteur der BILD-Zeitung, Kai Diekmann, kritisiert die heute ausgesprochene Rüge des Deutschen Presserats gegen BILD. Gerügt wurde die Veröffentlichung eines Fotos in der BILD-Zeitung, das die Bergung von Todesopfern eines Flugzeugunglücks zeigt. Bei dem Absturz in Nepal waren im Oktober 18 Menschen umgekommen, darunter zwölf Deutsche.

Kai Diekmann: „Der Presserat misst mit zweierlei Maß und problematisiert mit dieser Entscheidung jede Fotoveröffentlichung, sofern sie Opfer auch nur aus der Ferne zeigt. Nach allen vom Presserat zu vergleichbaren Fällen kommunizierten Kriterien – siehe „Stern“ und „Spiegel“ zum Concorde-Absturz und Tsunami -, die BILD vorab sorgfältig bedacht hat, hätte diese Veröffentlichung ethisch für unbedenklich gehalten werden müssen. Mit einer solch rätselhaften Entscheidung verunsichert der Presserat die Redaktionen. Vollständigkeit gehört auch zur Wahrheitspflicht der Berichterstattung.“

Die BILD-Redaktion hatte sich am Erscheinungstag des nun gerügten Berichts der öffentlichen Blattkritik durch DeutschlandRadio-Intendant Ernst Elitz gestellt. Elitz hatte die Veröffentlichung damals als „eine akzeptable Lösung“ bezeichnet.

Die heute ausgesprochene Rüge des Presserats kommentiert Ernst Elitz so: „Man darf die Welt nicht schöner zeichnen als sie ist. Unglücke, Kriege und Katastrophen bei denen Menschen ums Leben kommen, lassen sich nicht verdrängen. BILD hat eine aus der Distanz aufgenommene Totale nach dem Flugzeugabsturz gezeigt. Menschliche Leichen wurden hier keineswegs in den Vordergrund gerückt. Aber das Gesamtbild hat Betroffenheit geweckt. Das Bild hat Wirklichkeit gezeigt, aber keinen Voyeurismus betrieben. An der Wirklichkeit kann man nicht vorbei gehen, auch wenn sie bedrückend ist und betroffen macht. Die Abbildung dieser realen Situation kann beim Fernsehzuschauer und beim Leser Mitgefühl wecken. Auch das ist eine Aufgabe der Medien.“ (Quelle: Pressemitteilung des Axel Springer Verlages vom 04.12.2008)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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