Urheberrecht

Plagiat – Pharell Williams und Robin Thicke müssen 6,9 Mio zahlen

Robin Thicke und Pharell Williams sollen bei ihrem Welthit „Blurred Lines“ bei Marvin Gaye abgeschrieben haben. Dies entschied eine Jury in Los Angeles. Die Erben des 2003 verstorbenen Künstlers Gaye erhalten nun knapp 6,9 Millionen Euro Entschädigung. 

Im Sommer des Jahres 1977 war „Got to give it up“ von Marvin Gaye ein Hit. Die Erben des Künstlers erkannten in dem ebenfalls sehr erfolgreichen Song von Pharell Williams und Robin Thicke „Blurred Lines“ große Ähnlichkeiten und warfen dem Duo Plagiat vor. Ein Gericht in Los Angeles gab den Erben Recht. Williams und Thicke müssen den Erben die enorm hohe Entschädigung von 6,9 Millionen Euro zahlen.

Eingesetzter Musikwissenschaftler entdeckt 8 Gemeinsamkeiten

Das Verfahren zog sich über eine Woche hin. Es galt herauszufinden inwieweit sich die beiden Lieder ähneln. Bereits im Vorfeld wurde darüber vielfach spekuliert. So gab es auf YouTube ein Video, in dem die beiden Lieder übereinandergelegt wurden, um Übereinstimmungen festzustellen. Zudem äußerten sich bereits zahlreiche renommierte Musikkritiker über auffällige Ähnlichkeiten der beiden Songs.

Die Erben Gayes hatten einen Musikwissenschaftler mit der Analyse der Songs beauftragt. Insgesamt fielen ihm acht Gemeinsamkeiten auf, unter anderem in der Bassmelodie, den Hooks und dem Keyboard Part.

Williams wollte lediglich „Gefühl der 70er“ einfangen

Pharell Williams sagte vor Gericht, dass er lediglich das Gefühl der 70er Jahre in den Song einfließen lassen wollte und beteuerte, dass „Blurred Lines“ ein Original und keine Kopie sei. Williams Anwalt warnte davor, dass Künstler in Zukunft nun davor zurückschrecken würden, sich an eine bestimmte Musik Ära zu orientieren, wenn das Gericht zum Nachteil seines Klienten entscheiden sollte.

Inspiration zu “Blurred Lines“ war Marvin Gayes „Got to give it up“

Sicherlich nicht zum eigenen Vorteil war es, dass sich das Duo zuvor in etlichen Interviews gerade auf Marvin Gayes „Got to give it up“ als Ideengrundlage bezogen. So sagte Thicke: “ Die Idee hinter ‚Blurred Lines‘ war einer meiner Lieblingssongs von Marvin Gayes „Got to give it up“.

Vor Gericht hörte sich das Ganze dann jedoch wieder etwas anders an. Er habe unter Drogen und Alkoholeinfluss gestanden als die Aufnahmen entstanden, sagte Thicke und stritt sogar jedwede Urheberschaft an dem Song „Blurred Lines“ ab.

Im Laufe des Verfahrens kam heraus, dass beide über 5 Millionen Dollar mit dem Song verdient hatten. Die Berufung wurde zugelassen.

Bereits nach der Urteilsverkündung ließen die Erben über ihren Anwalt verkünden, dass sie die weitere Verbreitung des Songs „Blurred Lines“ nun gerichtlich verbieten lassen wollen.

Urheberrecht in Deutschland – wann liegt ein Plagiat vor

Entscheidend für eine juristische Einordnung ist das Urhebergesetz. Dort sind besonders die § 23 UrhG (Bearbeitungen und Umgestaltungen), § 24 UrhG (Freie Benutzung) und § 51 Nr. 3 UrhG (Zitate, Unterpunkt Musik) maßgebend. Zudem ist das Recht des Urhebers auf Nennung in § 13 UrhG von Bedeutung.

Damit es sich um ein Plagiat handelt, muss zwingend § 13 UrhG verletzt sein. Ein Plagiat besteht danach bereits, wenn einem die Nutzung an einem fremden Musikwerk zwar gestattet ist, man sich aber die Urheberschaft anmaßt und die durch § 63 Abs. 1 UrhG vorgeschriebene Quellenangabe unterlässt.

Erst recht liegt ein Plagiat vor, wenn man sich ohne Nutzungsberechtigung ein fremdes, urheberrechtlich geschütztes Werk oder einen für sich schon schutzfähigen Teil eines solchen, zum Beispiel eine Melodie, zu eigen macht.

Ob ein Plagiat vorliegt hängt vor allem an der Einordnung des Musikstücks als Werk ab. Nach § 2 Abs. 2 UrhG sind Werke nur persönliche geistige Schöpfungen. Liegt eine persönliche geistige Schöpfung vor, genießt das Musikstück Schutz gemäß dem Urheberrecht. Davon erfasst werden auch die Einzelrechte über die Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung und Umgestaltung des geschützten Werkes. Das betrifft das Stück im Ganzen wie auch in Teilen, wenn diese für sich schutzfähig sind.

Auch in der Bundesrepublik gab es bereits ähnliche Verfahren

Auch in Deutschland gab es bereits ähnliche Fälle. Eine zentrale und sehr bekannte BGH-Entscheidung (Az. I ZR 142/86) zum Plagiat drehte sich um Ralph Siegels „Ein bisschen Frieden“. Mit diesem Lied gewann Nicole 1982 den Eurovision Song Contest. In dieser Entscheidung ist abzulesen, wie Komplex und schwierig es sich in Einzelfällen verhält, wenn es um die Problematik eines Plagiats geht.

Zudem wurde der Rapper „Bushido“ vom LG Hamburg (Az.: 308 O 175/08 und 310 O 155/08) in zwei Verfahren wegen unerlaubter Nutzung von Tonaufnahmen zu einer Geldstrafe von insgesamt 63.000 Euro verurteilt. Er sollte seinerzeit unter anderem 28 Tonfolgen aus vier Alben der klagenden Musikgruppe „Dark Sanctuary“ leicht verändert in 16 Bushido-Titeln als sich ständig wiederholende Tonschleife (Loops) eingearbeitet haben.

In einem weiteren Fall ging es um eine Sequenz von nur zwei Sekunden. Moses Pelham entnahm diese dem 1977 von Kraftwerk veröffentlichten Titel „Metall auf Metall“ und fügte es als Unterlegung dem Titel „Nur mir“ gesungen von Sabrina Setlur hinzu. Dieses Sampling ist an für sich nichts Besonderes. Rechtlich waren aber einige Probleme nicht geklärt und so klagten bereits 1999 einige Musiker von Kraftwerk. Zwei Mal musste sich seitdem der BGH mit dem Fall beschäftigen. Letztmalig urteilten die Richter 2011 (Az. I ZR 182/11). Am Ende der jahrelangen Auseinandersetzung stand das Ergebnis, dass Sampling unter Umständen rechtlich zulässig ist, in der Praxis die nötigen Hürden dafür aber kaum genommen werden können.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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