Urheberrecht

Pippi-Langstrumpf-Kostüm sorgt Mitten im Karneval für Wirbel

Der Bundesgerichtshof entschied in seinem Urteil vom 17. Juli 2013, Az.: I ZR 52/12, ob die Abbildung eines Pippi Langstrumpf Kostüms in einem Katalog zu Schadensersatzansprüchen der Rechteinhaberin führen kann.

 Pippi-Langstrumpf-Kostüm sorgt Mitten im Karneval für Wirbel © ferkelraggae-Fotolia

Pippi-Langstrumpf-Kostüm sorgt Mitten im Karneval für Wirbel © ferkelraggae-Fotolia

Die Beklagte verkaufte in ihren Supermärkten Karnevalskostüme, die sehr große Ähnlichkeiten mit Pippi Langstrumpf aufwiesen. Die Klägerin hatte von Astrid Lindgren deren Urheberrechte erworben und verlangte nun Schadensersatz von der Supermarktbetreiberin in Höhe von 50.000 Euro gemäß §§ 3, 4 Nr. 9 UWG sowie §§ 823, 826 BGB.

Das Landgericht und das Oberlandesgericht Köln gaben der Klägerin Recht und verurteilten die Supermarktbetreiberin. Diese legte Revision beim BGH ein.

Der BGH sah die Sache anders und hob das Urteil des OLG auf.

Pippis Eigentümerin

Richtig sei, dass die Klägerin die Rechteinhaberin sei. Per Vertrag hatte Astrid Lindgren der Klägerin die Nutzungsrechte an ihren Werken übertragen. Auch wenn die Figur Pippi Langstrumpf nicht ausdrücklich erwähnt wurde, zähle diese sinngemäß dazu.

Entscheidend war im vorliegenden Fall, ob eine verbotene Übernahme der Figur gemäß § 23 UrhG oder bloß eine erlaubte freie Benutzung im Sinne von § 24 Abs. 1 UrhG vorlag.

Auch bei einer bloß im Buch beschriebenen Figur kann diese Figur urheberrechtlich geschützt sein. Dies ist der Fall, wenn die Figur so detailliert umschrieben wird, dass Sie eine eigene, unverkennbare schöpferische Kreation darstellt. Dies ist nach den Gerichten der Fall. Die Figur Pippi Langstrumpf wurde durch Astrid Lindgren dermaßen unverkennbar beschrieben und ausgearbeitet, dass diese Figur ein urheberrechtlich geschütztes Werk darstellt.

Bei der Frage, ob eine verbotene Übernahme gemäß § 23 UrhG vorliegt, kommt es auf die Übereinstimmung der objektiven Merkmale an, durch die die schöpferische Eigentümlichkeit des Originals bestimmt wird. Es reicht nicht aus, dass lediglich einzelne äußere Merkmale übernommen werden. Vielmehr muss die Figur in seiner Gesamtheit und Eigenart kopiert werden.

Nicht nur aufs Äußere kommt es an

Es wird also geprüft, wie sehr sich die beiden Figuren ähneln. Wichtig ist, ob eine einfache Kopie von Pippi Langstrumpf vorliegt, oder ob ein selbstständiges Werk geschaffen wurde. Die Charaktereigenschaften von Pipi Langstrumpf werden aus den Abbildungen des Karnevalskostüms laut dem BGH nicht deutlich.

Die Pippi-Langstrumpf Kostüme dienen lediglich zur Verkleidung von Menschen, die in diese Rolle schlüpfen wollen. Hierdurch wird durch den BGH ein ausreichender Abstand zur Literaturfigur von Astrid Lindgren geschaffen.

Der BGH verneint den Schadensersatzanspruch der Klägerin somit und verweist die Sache zurück an das OLG Köln. Der BGH entschied sich für die Karnevalisten. In diesem Sinne ein fröhliches: „Alaaf“.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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