Urheberrecht

OLG Frankfurt – Standort-Änderung eines Kunstwerkes ist Urheberrechtsverletzung

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden (Urt. v. 12.07.2016, Az.: 11 U 133/15), dass die Änderung des Standortes eines Kunstwerkes ohne die Zustimmung des Urhebers eine Urheberrechtsverletzung darstellen kann.

OLG Frankfurt – Standort-Änderung eines Kunstwerkes ist Urheberrechtsverletzung ©liveostockimages-Fotolia

Zum Sachverhalt

Ein Künstler entwarf eine Plastik, die auf einem Dach eines Hochhauses angebracht wurde. Die Beklagte wollte ohne Zustimmung des Künstlers den Standort des Kunstwerkes verändert und die Plastik im Untergeschoss es Hauses anbringen. Die Standtort-Änderung der Plastik untersagten die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt.

Änderungsverbot von Kunstwerken

Im Urheberrecht besteht grundsätzlich ein Änderungsverbot. Urheber haben ein Recht darauf, dass die von ihnen geschaffenen Werke in ihrer unveränderten Gestalt dem Publikum zugänglich gemacht werden. Aus diesem Grund entschieden die Richter, dass die Plastik des Künstlers zwar nicht in ihrer Substanz verändert worden sei, jedoch liege eine Veränderung des Kunstwerkes durch die Verbringung der Plastik in das Untergeschoss vor. Ein Kunstwerk sei nämlich dann beeinträchtigt, wenn es in einen anderen Sachzusammenhang gestellt werde. Kunstwerke entfalten dann ihre Aussagekraft, wenn sie im Zusammenhang mit der konkreten Umgebung betrachtet werden.

Ästhetischer Gesamteindruck entscheidend

Die Plastik weise deshalb eine absolute Standortbezogenheit auf und könne nicht ohne weiteres vom Dach des Hochhauses entfernt werden, ohne dass das Werk entstellt werde. Die Verbringung des Kunstwerks an einen anderen Ort führe zwangsläufig zu einer Veränderung des vom Urhebers geschaffenen geistig-ästhetischen Gesamteindrucks.

Umgebung beeinflusst Wirkung von Kunstwerken

Die Farbgebung der Fassade des Gebäudes spiele mit der Plastik zusammen und nur durch dieses Farbzusammenspiel werde die Wirkung auf das Stadtgebiet und die umliegenden Straßen entfaltet. Gerade die Anbringung der Plastik auf dem Dach des Hauses führe dazu, dass die Morgensonne von der goldfarbigen Plastik auf die Hauptstraße gespiegelt werde.

Das Untergeschoss biete keine dem Dach des Hochhauses vergleichbaren Umgebungsvoraussetzungen.  Der Kläger sei deshalb in seinem Anspruch auf Erhalt eines unveränderten Kunstwerkes verletzt.

Fazit

Urheber haben einen Anspruch darauf, Verfälschungen der Wesensmerkmale ihres Kunstwerkes zu verhindern. Davon geschützt ist auch das Erscheinungsbild des Kunstwerkes im Zusammenhang mit der äußeren Umgebung. Sofern Kunstwerke ihre Wirkung nur im Zusammenspiel mit der Umgebung entfalten, dürfen Standortveränderungen nicht ohne Zustimmung des Urhebers vorgenommen werden. Jede Verbringung an einen anderen Ort führt dann nämlich zu einer Veränderung des geschaffenen geistig-ästhetischen Gesamteindrucks eines Kunstwerkes. (LaR)

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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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