Urheberrecht

Musikindustrie setzt Verlängerung der Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen durch

Große Errungenschaft für Musikindustrie und Künstler: Rat der Europäischen Union beschließt Verlängerung der Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen von 50 auf 70 Jahre.

Nachdem die Anzahl der EU-Länder, die gegen den Vorstoß einer Verlängerung der Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen nun auf eine Handvoll geschrumpft war, konnten die letzten Widerständler (Benelux-Staaten, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, und Tschechien) die qualifizierte Mehrheit im Ministerrat nicht mehr verhindern.

Nach mehreren Jahren Stagnation, setzten sich die Befürworter einer Verlängerung des Leistungsschutzes an Tonaufnahmen mit einer zusätzlichen Dauer von 20 Jahren durch.

Ursprünglich forderte die EU-Kommission eine Verlängerung der Schutzfrist von 50 auf 95 Jahre, was im Parlament aber weitestgehend auf Ablehnung stieß und erfolglos blieb.

Ob die Verlängerung tatsächlich hält, was sie verspricht, bleibt abzuwarten.

Die Gegner wollen den großen Erfolg der Maßnahme einzig und allein dem Konto der großen Plattenfirmen verbuchen. Denn üblicherweise haben die Künstler ihre Verwertungsrechte auf die Plattenfirmen übertragen, so dass sie selbst kaum von der verlängerten Schutzdauer profitieren dürften.

Zu Gute kommt den Künstlern die neue Regelung jedenfalls in den Fällen, in denen die Plattenfirma die Tonaufnahmen nicht vermarktet. Hier kann der Künstler die Rechte herausverlangen und sie an eine schaffende Firma abtreten, um seinem wirtschaftlichen Ansinnen gerecht zu werden.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während also Musikindustrie und Künstler an möglicherweise längst rentierten Werken nun 20 Jahre länger verdienen können, tritt der kulturelle Fortschritt und der Grundstein zu Innovationen auf der Stelle. Die neue Regelung zwingt den Erfindergeist dazu, sich im Zweifel ein fünftel Jahrhundert länger gedulden zu müssen, bevor er, durch das geschützte Werk inspiriert, neue Variationen der Tonaufnahme für die Gesellschaft hervorbringen kann.

EU-Binnenmarktskommissar Michel Barnier verteidigt die Verlängerung mit einer notwendigen und ausreichenden finanziellen Absicherung der Künstler, die nun auch im Alter von den geschützten Werken profitieren sollen, wenn sich die Tonträger auch Jahrzehnte später immer noch gesellschaftlicher Beliebtheit erfreuen.

Die neue Regelung muss binnen zweier Jahre in den EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.