Urheberrecht

LG Berlin: Pechstein Fälschung darf vernichtet werden

 

Ein gefälschtes Bild des Malers Max Pechstein darf vernichtet werden, so das Urteil des Landgerichts Berlin.

Im vorliegenden Fall geht es um eine Zeichnung mit dem Titel „Strandszene mit Boot”. Der Kläger hatte das Bild 1987 zusammen mit einer signierten Radierung namens „Selbstbildnis” des Malers Max Pechstein im Kunsthandel erworben. Er war davon ausgegangen, dass beide Werke von Max Pechstein stammen. Im Jahr 2014 beauftragte er die Beklagte, beide Bilder zu versteigern, und lieferte die Objekte bei einer Repräsentanz der Beklagten in Berlin ein.

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Zeichnung ist Fälschung

Einige Zeit später informierte die Beklagte den Kläger darüber, dass es sich bei der Zeichnung „Strandszene mit Boot“ um eine Fälschung handeln solle, so die Meldung des LG Berlin weiter. Der Kläger möge das Blatt vernichten oder aber als Fälschung kennzeichnen.

Der Kläger forderte daraufhin die Bilder von der Beklagten zurück, im Februar 2015 erhob er Klage auf Rückgabe der Bilder. Zwischenzeitlich war die Zeichnung „Strandszene mit Boot“ beim Landeskriminalamt asserviert worden. Das „Selbstbildnis“ erhielt der Kläger im März 2015 zurück.

An dem Rechtsstreit beteiligten sich nachfolgend auch die Inhaber der Urheberrechte des Künstlers Pechstein als sogenannte Drittwiderkläger. Ziel war es, den Kläger seinerseits zu verurteilen, in die Vernichtung der Zeichnung „Strandszene mit Boot“ einzuwilligen.

Drittwiderklage stattgegeben

Das Landgericht Berlin gab der Drittwiderklage statt und verurteilte den Kläger dementsprechend (Aktenzeichen 28 O 498/14). Bei dem vorgenannten Bild handele es sich um eine Fälschung der urheberrechtlich geschützten Zeichnung „Ausfahrendes Kanu I” von Pechstein aus dem Jahre 1914. Dieses Werk, das in einem Katalog abgebildet worden sei, habe möglicherweise als Vorlage der Fälschung gedient.

Die Drittwiderkläger hätten einen Anspruch auf Vernichtung des streitgegenständlichen Werks „Strandszene mit Boot”. Indem der Kläger die Fälschung bei der Beklagten zur Versteigerung eingeliefert habe, habe er in das urheberrechtlich geschützte Recht der Erben auf Verbreitung eingegriffen. Es komme nicht darauf an, dass der Kläger von der Echtheit der Zeichnung ausgegangen sei, da der Anspruch auf Vernichtung kein Verschulden erfordere, so die Meldung weiter.

Vernichtung nicht unverhältnismäßig

Die Vernichtung sei auch nicht unverhältnismäßig, da auch nach Entfernung des Max Pechstein Monogramms der Rechtsverkehr getäuscht werden könne. Da es sich nicht um eine Nachahmung sondern eine Vervielfältigung des Originalwerks handele, sei das strenge Vorgehen gerechtfertigt. (COH)

 

Quelle: Pressemitteilung des Landgerichts Berlin vom 29.12.2016 (PM 65/2017)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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